Widersprüchlich und emotional: Ein Geflüchteter erklärt seine Flucht
Gelsenkirchen/Düsseldorf. (dpa) Nach seinem Rauswurf aus der Fußball-Nationalelf hat Kevin Kuranyi sehr emotional und widersprüchlich um Verständnis für sich geworben - Joachim Löw aber bleibt trotz einer Entschuldigung des Schalkers in der Sache knallhart.
Joachim Löw erklärte das Thema am Montag in Düsseldorf für erledigt (siehe nebenstehenden Bericht), während ein innerlich zerrissen wirkender Kuranyi zeitgleich bei einer Pressekonferenz in Gelsenkirchen persönlich sogar einen Rücktritt vom Rücktritt nach dem Rausschmiss durch Löw nicht ausschließen wollte: "Nein", antwortete der 26 Jahre alte Schalke-Angreifer auf diese Frage. "Das ist alles leistungsbezogen. Was in der Zukunft passiert, entscheiden andere Menschen."
Entschuldigung bei Löw
Löw hat Kuranyi für seine Amtszeit "unwiderruflich" die Rote Karte gezeigt, Kuranyi dagegen muss mit den Konsequenzen seiner Dortmunder Tribünen-Flucht vom Samstagabend klarkommen. "Ich habe natürlich gewusst, dass es eine Konsequenz geben wird", bemerkte er. Er räumte seinen "Fehler" offen ein und entschuldigte sich sowohl bei Löw als auch bei seinen bisherigen Teamkollegen, die er "vielleicht im Stich gelassen" habe. "Ich kann es nicht mit Worten gutmachen." Auch der Rauswurf durch den Trainers "ist zu akzeptieren", ergänzte Kuranyi.
Von (dpa) |
14.10.2008
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Gelsenkirchen/Düsseldorf
Der zerrissene Kuranyi
Widersprüchlich und emotional: Ein Geflüchteter erklärt seine Flucht
Ob es nun ein Rücktritt von ihm war oder doch ein Rauswurf durch Löw, konnte er nicht auflösen. "Es war kein Rücktritt, sondern vielleicht ein Rausschmiss, weil ich gegangen bin." Eines ist ihm aber derweil klar geworden: "Diese Entscheidung, aus dem Stadion zu gehen, hat alles durcheinandergebracht. Ob sie falsch war oder nicht, weiß ich selbst nicht." Aber er stehe dazu.
Wortreich präsentierte sich Kuranyi in der Schalke-Arena vor einem Dutzend Kameras und zahlreichen Reportern als ein von Emotionen getriebener Fußballer und Mensch, der sich von vielen unverstanden fühlt: "Nicht mal mein Vater konnte mich verstehen. Aber keiner steckt in meinem Körper, um zu wissen, wie schlimm es für mich ist."
Pfiffe der Schalker Fans
Die Ausbootung durch Jürgen Klinsmann vor der Weltmeisterschaft 2006 und die anschließende Rückkehr ins Nationalteam hätten ihn "viel Kraft gekostet". Die Bevorzugung anderer Stürmer wie dem bei Bayern auf der Ersatzbank schmorenden Lukas Podolski durch Löw, aber auch die schmerzenden Pfiffe der Schalke-Fans setzten ihm zuletzt stark zu - und die Versetzung auf die Dortmunder Tribüne war endgültig zu viel. Kuranyi: "Das Gesamte konnte ich nicht mehr tragen. Ich habe es nicht mehr geschafft."
Von den Schalker Verantwortlichen erhält er Rückendeckung. "Wir stehen bedingungslos zu hundert Prozent hinter Kevin. Er wird hier aufgefangen. Er hat hier das Vertrauen, das er in der Nationalmannschaft nicht hatte", sagte Manager Andreas Müller am Montag.
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