Vortrag im Jugendzentrum über Extremismus in Bayern - Hohe Dunkelziffer
Amberg. (ina) Der Andrang war viel größer als erwartet und so mussten die Veranstalter im Jugendzentrum kurzfristig Getränkekästen zu Stühlen umfunktionieren. Schließlich ging es laut Diplom-Sozialpädagogen Martin Windisch um ein Thema, bei dem niemand wegschauen sollte: Rechtsextremismus.
Rund 50 Besucher drängten sich am Samstag in das JuZ, um den Vortag des Diplom-Sozialpädagogen Martin Windisch von der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus zu hören. Nach einer kurzen Begrüßung durch die Pädagogin und Mitarbeiterin im "Alten Klärwerk", Claudia Kramer, begann Windisch mit seinen Ausführungen, die so manchen Anwesenden erschreckt haben dürften: 1100 Taten mit rechtsextremen Hintergrund führt der Verfassungsschutzbericht 2007 an, viermal so viel wie im Jahr zuvor. Doch müsse bei dieser Zahl noch bedacht werden, dass die Dunkelziffer viel höher ist: Verbrechen werden nicht bei der Polizei angezeigt oder als "normale" Gewalttaten eingestuft.
Die Erscheinungsformen reichen laut Windisch von den Skinheads, die "eine enge Anbindung an die NPD" haben, den Neonazi-Kameradschaften mit rund 400 Aktivisten bis hin zu den Autonomen Nationalisten, die als "linker Flügel" der Szene auftreten, jedoch an antisemitischem Habitus den anderen Rechtsextremen in nichts nachstehen.
Von (ina) |
14.10.2008
| Netzcode: 1568630
Amberg
Rechte ködern Ahnungslose
Vortrag im Jugendzentrum über Extremismus in Bayern - Hohe Dunkelziffer
Windisch klärte die Besucher auch über die Strukturen der NPD in Bayern auf, die etwa 1000 Mitglieder habe und der mit 1,2 Prozent bei der Landtagswahl im September auch die Wahlkampfkostenerstattung zustehe. "Bei der Bundestagswahl nächstes Jahr werden sie noch massiver vorgehen", ist sich der Sozialpädagoge sicher, "schließlich haben sie jetzt Geld in den Kassen". Und das wüsste die NPD geschickt einzusetzen: Der Auftritt im Internet werde immer moderner, zudem erscheine eine Zeitschrift zum Thema Umwelt, "um Ahnungslose zu ködern". Wie also ist mit diesen Erscheinungen umgehen? Die Frage drängte sich nach den Ausführungen fast auf. Das Anwachsen des Rechtsextremismus ist laut Windisch "Resultat einer schwindenden demokratischen Kultur", weswegen Aufklärung, Meinungsbildung, mehr Transparenz und Einsatz der regionalen Politik und die Partizipation "der Verantwortungsträger, aber auch aller Bürger" gefragt seien.
Dem kamen die Anwesenden gleich in der anschließenden Diskussion nach: Bürgermeister Michael Cerny warnte vor "Grabenkämpfen", in die sich die "Gesellschaft nicht auseinander differenzieren" lassen dürfe. Stefan Dietl, Organisationssekretär der DGB-Region Oberpfalz Nord, berichtete kritisch von der Arbeit gegen rechts: "Es ist ein Problem, wenn behauptet wird, dass es gar kein Problem gibt." Die Besucher diskutierten noch lange intensiv und besuchten anschließend das Konzert von 4lyn (Bericht folgt).
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