Wien
"Grande Dame" des Fernsehens
Christiane Hörbiger wird 70
Wien. (dpa) Wenn sie einmal 60 wäre und immer noch populär, dann sei das vielleicht ein Resultat ihrer Arbeit, hatte Christiane Hörbiger vor 20 Jahren gesagt. Nun feiert die österreichische Schauspielerin ihren 70. Geburtstag und kann die Früchte ihres Tuns ernten: Sie gilt als "Grande Dame" des deutschen Fernsehens und zählt zu den beliebtesten Darstellerinnen im deutschsprachigen Raum.
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| Christiane Hörbiger, eine wahre Dame vor den Kameras. Bilder: dpa |
Die Liebe zur Schauspielerei liegt bei Hörbiger in der Familie: Als Tochter des bekannten Schauspieler-Ehepaares Attila Hörbiger und Paula Wessely wird sie 1938 in Wien geboren. Auch ihr Onkel Paul Hörbiger verdient sein Geld auf der Bühne. Hörbigers Schwestern Maresa Hörbiger und Elisabeth Orth sind ebenfalls bedeutende Schauspielerinnen.
Ihre Ausbildung am renommierten Max-Reinhardt-Seminar in Wien nach dem Schulabschluss bricht der Christiane bereits nach vier Wochen wegen eines Filmangebotes ab und geht wenig später auch ans Theater. Doch der Vergleich mit ihren berühmten Eltern ist in Wien überall für die junge Frau präsent, ihr Bühnendebüt als Recha in Lessings "Nathan der Weise" findet bei den Kritikern wenig Wohlwollen. Um sich von ihren Eltern zu emanzipieren, verlässt Hörbiger Wien, erspielt sich an verschiedenen Theatern als ernstzunehmende Schauspielerin einen Namen.
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| Christiane Hörbiger und Michael Mendl in einer Szene aus "Mathilde liebt". |
Als Theaterdarstellerin erwirbt sie sich ein breites Rollen-Repertoire. Sie steht unter anderem in Stücken von Nestroy, Horvath, Schnitzler, Lessing und Zuckmayer auf der Bühne. Doch heute zieht es sie nicht mehr auf die Bühne: "Mit dem Theater habe ich abgeschlossen. Ich habe alles gespielt und überhaupt nicht den Ehrgeiz, der erste weibliche ,King Lear' zu sein oder etwas in der Art", sagte sie der "Bunten". Sie fände es inzwischen reizvoller, im Fernsehen darzustellen, dass einem auch im Alter Liebe begegnen kann.
Mit der TV-Serie "Das Erbe der Guldenburgs" wird sie in den 80er Jahren einem breiten Publikum bekannt. Als Göring-Nichte Freya von Hepp ist sie in Helmut Dietls Kult-Satire "Schtonk" zu sehen und für ihr Spiel in der Filmkomödie "Alles auf Anfang" erhält sie 1994 den Deutschen Filmpreis. Als starke, lebenserfahrene Bezirksrichterin in der Erfolgsserie "Julia - Eine ungewöhnliche Frau" fesselt Hörbiger Millionen von Zuschauern, eine dezent-zarte Sex-Szene mit ihrem Kollegen Michael Mendl in dem Fernsehfilm "Mathilde liebt" löst 2005 eine Diskussion über Sex im Alter aus.
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| Hörbiger als Görings Nichte neben Götz George in "Schtonk". |
Hörbiger war zwei Mal verheiratet und hat einen Sohn, der als Drehbuchautor in Los Angeles lebt. Ihre zweite Ehe mit dem Journalisten Rolf Bigler endete tragisch: 1978 kam Hörbiger nach einer Vorstellung zurück in die gemeinsame Wohnung und fand die Tür von innen versperrt. Sie ließ sie aufbrechen und fand dahinter ihren an einem Herzinfarkt gestorbenen Ehemann. "Da saß ich fast jeden Abend nach der Vorstellung im nächtlich stillen Haus und führte mit meinem verstorbenen Mann Gespräche, assistiert von Zigaretten und Whiskey", zitiert "Bild" die Schauspielerin.
Mit ihrem heutigen Lebensgefährten, dem Autor Gerhard Tötschinger, ist Hörbiger seit 24 Jahren zusammen und lebt abwechselnd in Wien und Zürich. "Wenn ich heute mein Abendgebet spreche," gesteht sie offen, "sage ich mehr Danke als Bitte".
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