Stadtgärtnerei Amberg feiert ihr 100-jähriges Bestehen - Am Anfang als "Concourrentin" gesehen
Amberg. (san) Die Stadtgärtnerei Amberg feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Die Einrichtung, in der anfangs die alteingesessenen Gärtner Ambergs eine Konkurrenz gesehen hatten, entwickelte sich zu einem modernen städtischen Unternehmen, das in den Grünanlagen und auf Wechselflorflächen für zahlreiche Farbtupfer sorgt.
Norbert Wellnhofer, der den Betrieb seit 1993 leitet, ist im Stadtarchiv fündig geworden und hat einige Unterlagen entdeckt, die Aufschluss über die schwierigen Anfangsjahre der städtischen Einrichtung geben.
Konkurrenz befürchtet
Die Stadt hatte 1908 die damalige Gärtnerei Steiner an der Raigeringer Straße übernommen, deren Besitzer das Geschäft aufgegeben hatte. Doch schon bald gab es Ungemach, denn die örtlichen Gärtner befürchteten Konkurrenz. In einem Schreiben an die Kommune beklagten sie sich, dass der Stadtgärtner "auf Rechnung der Stadtgemeinde Gräberschmuck" verkaufe. Sie beschwerten sich schriftlich über die "Concourrentin der hier domilizierenden Gärtner". Ein Antwortschreiben sei leider nicht erhalten geblieben, bedauert Wellnhofer.
Im Archiv befindet sich auch ein Zeitungsartikel, der ebenfalls den Streit thematisiert hat. In dem Bericht über die Verbandstagung der bayerischen Handelsgärtner erwähnt der Verfasser entrüstet, dass die Stadtgärtnerei in den örtlichen Zeitungen per Annonce Blumen- und Topfpflanzen zur Abnahme anbiete und auch Bindereien zu billigen Preisen anfertige.
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11.10.2008
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Amberg
Landesgartenschau als Höhepunkt
Stadtgärtnerei Amberg feiert ihr 100-jähriges Bestehen - Am Anfang als "Concourrentin" gesehen
Nach diesem Artikel hätten die Teilnehmer an der Verbandstagung diese Tatsache mit "Pfui"-Rufen quittiert. Der Verfasser stellt am Schluss sogar die Frage, was sei, wenn so etwas "in einer weniger frommen Stadt wie Amberg passiere". Wie schließlich der "Gärtner-Krieg" ausging, ist nicht überliefert. Klagen gab es auch über den ersten Stadtgärtner Emil Gruhne. Ein gewisser Magistratsrat Karl Eberth beschwert sich in einem ebenfalls erhalten gebliebenen Schreiben, dass der Mann in der Gärtnerei Gänse und Hühner halte und im Schuppen sogar einen Kaninchenstall eingerichtet habe.
Gruhne starb 1932 und nach seinem Tod war die Rentabilität der städtischen Einrichtung ein Thema, ja sogar deren Auflösung. Jedoch hatte der Stadtrat anders entschieden: Gruhnes Nachfolge trat Gärtnergehilfe Simon Rückerl an. Von ihm ist ein Dokument erhalten, in dem er die Stadt um Verstärkung für die Gärtnerei bittet. Er selbst, ein Hilfsarbeiter und der Lehrling könnten die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen.
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11.10.2008
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Amberg
Landesgartenschau als Höhepunkt
Stadtgärtnerei Amberg feiert ihr 100-jähriges Bestehen - Am Anfang als "Concourrentin" gesehen
Deshalb forderte er "eine Taglöhnerin für den Verkauf und zum Ausgrasen". Gleichzeitig bat er um einige Arbeitsgeräte: Gartenschlauch, Pflanzkübel, Werkzeug, Koks für die Beheizung der Gewächshäuser und Blumentöpfe. Nach dem Krieg hatte Rückerl laut Unterlagen ein kleines Problem mit der amerikanischen Militärregierung.
Ein Tauschgeschäft
Ein Leutnant wolle keinen Pferdemist mehr herausrücken, es sei denn die Stadtgärtner hätten Stroh zum Tausch, teilte er der Stadt mit. Oberbürgermeister Endemann nahm sich der Sache an: Die Stadtgärtner bekamen den Mist, die Amerikaner dafür 125 Zentner Stroh für ihre Pferde in der Möhlkaserne. Auf Rückerl folgte der gebürtige Niederbayer Josef Paintner als Leiter der Einrichtung. Er erinnert sich noch gut an die Anschaffung des ersten Dienstwagens, einen VW-Pritschenwagen, und an die Errichtung der Gewächshäuser an der Raigeringer Straße. Zu Paintners Zeit musste der Leiter der Stadtgärtnerei, der verpflichtet war, eine Dienstwohnung auf dem Gelände zu beziehen, im tiefsten Winter bei Temperaturen um minus 20 bis minus 25 Grad schon mal raus, um im Gewächshaus nachzuheizen.
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11.10.2008
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Landesgartenschau als Höhepunkt
Stadtgärtnerei Amberg feiert ihr 100-jähriges Bestehen - Am Anfang als "Concourrentin" gesehen
Pflege des LGS-Geländes
Paintners Nachfolge trat 1993 Norbert Wellnhofer, ein gebürtiger Münchner, an. Drei Jahre später fand mit der Landesgartenschau ein Großereignis statt, das die Stadtgärtner gehörig forderte und immer noch fordert, denn sie sind für die Pflege des 30 Hektar großen Areals zuständig. "Eine Landesgartenschau ist natürlich toll für einen Gärtner", blickt Wellnhofer zurück und sagt: "Ich kenne keine andere Gartenschau, wo danach so wenig Fläche zurück gebaut worden ist wie in Amberg."
Als weiteres Highlight nennt er die Teilnahme der Stadt an der "Entente florale" im vergangenen Jahr. Bei dem Wettbewerb unter dem Motto "Unsere Stadt blüht auf" wurde Amberg auf Anhieb mit der Silbermedaille und einem Ehrenpreis belohnt. Die Arbeit wird den Stadtgärtnern auch nach dem Jubiläumsjahr nicht ausgehen, denn 2009 steht das nächste Ereignis ins Haus: Amberg wird 975 Jahre alt - gewiss werden die Stadtgärtner dann wieder blumige Akzente setzen.
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