FUCHSMÜHL/WIESAU. Lustig sprudelt das Quellwasser aus den Sauerbrunnen in Kondrau und Ottobad, aber auch bei Fuchsmühl oder beim nahen tschechischen Mýtina. Und immer ist es braun gefärbt. Was es damit auf sich hat, erfuhren die Teilnehmer einer geologischen Wanderung, die der Geopark und der Naturpark Steinwald am Samstag anboten.
Los ging es bei Fuchsmühl, von wo die Wanderer in Richtung Osten einen herrlichen Blick auf eine gut 100 Meter tiefer liegende Senke haben. Und die Aussicht wird immer besser: Im Schnitt um einen Zehntel Millimeter im Jahr senkt sich die Ebene immer noch ab, so wie seit vielen Millionen Jahren. Wir stehen am Rand eines riesigen Grabenbruchs, dem Egergraben, erklärt Geologe Dr. Andreas Peterek, der Leiter des Geoparks.
Wie bei einem aufgehenden Kuchen platzte die Erdkruste oben auf, als sich die Landmassen hier vor langer Zeit zusammenschoben. Der Mittelteil rutscht seither ab. An den Rissen, welche die ganze - hier etwa 30 Kilometer dicke - Erdkruste durchziehen, dringt Kohlendioxid aus dem Erdmantel nach oben. Trifft das Gas auf das Grundwasser, bildet ein Teil davon Kohlensäure, die das Wasser sauer schmecken lässt und Eisen aus dem Gestein löst, wodurch das Wasser rostbraun gefärbt wird. Das im Wasser gelöste Kohlendioxid erkennt man an den aufsteigenden Gasblasen.
09.10.2008
| Netzcode: 1563614
Über heißes Pflaster
Geologische Wanderung mit Dr. Andreas Peterek
Vor 20 Millionen Jahre kam durch die Risse aber noch ganz andere Post aus dem Erdinneren: 1000 Grad heiße, flüssige Magma. Bei diesen Eruptionen kam es nicht zur Bildung eines Vulkans, sondern die Magma (die nach ihrem Austritt Lava genannt wird) breitete sich flächig auf der Erdkruste aus. Das kann man heute im Triebendorfer Steinbruch sehen. Bis vor einigen Jahren wurde hier Basalt abgebaut. Basalt ist nichts anderes als erstarrte Lava.
An den Grenzen des Abbaugebietes ist die "Triebendorfer Basaltdecke", wie die Geologen sie nennen, sauber aufgeschlossen. Man sieht schöne Basaltsäulen. Früher dachte man wegen der vieleckigen Form, das seien Kristalle. "Beim schnellen Abkühlen der Lava entstehen Schrumpfungsrisse", berichtigte Dr. Andreas Peterek diese Fehleinschätzung. Wie bei einer austrocknenden Pfütze schrumpft das Material. In diesem Fall durch die Abkühlung, wodurch ein "polygonales Rissmuster" entsteht, das wie ein Kristall aussieht. Zur Bildung von so großen Kristallen hätte die Lava aber gar nicht genug Zeit gehabt.
09.10.2008
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Über heißes Pflaster
Geologische Wanderung mit Dr. Andreas Peterek
Interessant auch der unscheinbare Torberg, der dem Großen Teichlberg vorgelagert ist. Vor einigen Jahren entdeckten die Geologen hier einen völlig neuen Vulkantyp. "Der Torberg ist der Rest eines Maars", erklärte Dr. Andreas Peterek. Maare waren in Deutschland bislang nur in der Vulkaneifel bekannt. Sie sind entstanden, als Magma mit Grundwasser in Berührung kam, das daraufhin explosionsartig verdampfte und riesige Krater in die Erdkruste riss. Während die Maare in der Eifel meist mit Wasser gefüllt sind, ist der Torberg längst wieder mit Sedimentgestein aufgefüllt, weshalb er bislang auch nicht auffiel.
Dies alles geschah zwar vor vielen Millionen Jahren. "Seit etwa 500 000 Jahren scheint es aber wieder eine Aktivitätsphase zu geben", erklärte Dr. Andreas Peterek. Die jüngsten Vulkane der Region, der Kammerbühl und der Eisenbühl, werden sogar auf nur 100 000 bis 300 000 Jahre geschätzt. Für einen Geologen ist das sozusagen gerade erst gewesen. Erst vor wenigen Jahren haben Wissenschaftler kleine, aber in Scharen auftretende Mini-Erdbeben in der Region entdeckt und sie "Schwarmbeben" genannt. "Sie werden wahrscheinlich durch aufsteigende Magma ausgelöst, die wie ein Schmiermittel wirkt", vermutet Dr. Andreas Peterek.
Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden Vulkanausbruch brauche man zwar nicht zu haben, versichert der Geologe. Aber irgendwann wird der Vulkanismus wieder aktiv werden, wenn auch vielleicht erst in ein paar Hunderttausend Jahren. "Unter dem Egerer Becken ist eine aktive Magmenkammer", ist Dr. Andreas Peterek jedenfalls sicher. Harald Mohr
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