OWZ-Herbstwandertipp: das Felsenlabyrinth Luisenburg erforschen
WUNSIEDEL. Die Schauspieler sind weiter gezogen, die Bühne der Luisenburg-Festspiele macht Winterpause. Die richtige Zeit für eine Herbstwanderung durch das Felsenlabyrinth Luisenburg. Noch bis 31. Oktober ist es täglich von 8.30 bis 18 Uhr geöffnet. Auch wer es in seiner Kindheit schon mit den Eltern oder der Schulklasse durchwandert hat: Es lohnt sich, denn vor drei Jahren hat man das Gelände in seiner ursprünglichen Form als "Bürgerlichen Landschaftsgarten" rekonstruiert.
Hinter der aus England stammenden Idee der gestalteten Landschaft durch "landscape gardening" (Landschaftsgärtnerei) steckt der Geist der Aufklärung. In Wunsiedel fanden sich Ende des 18. Jahrhunderts etwa 15 angesehene Bürger zusammen, darunter der Bürgermeister Dr. Johann Georg Schmidt, der gleichzeitig "Kreisarzt" und "Badearzt" im nahe gelegenen Kurort Alexandersbad war. Zwischen 1788 und 1800 ergänzten sie die naturgegebene Felsenkulisse mit Wanderwegen und Aussichtspunkten zur "Luxburg". Das Licht (Lux) der Aufklärung sollte dem Wanderer beim Gang durch die Natur aufgehen.
09.10.2008
| Netzcode: 1563126
Lustwandeln wie einst Luise
OWZ-Herbstwandertipp: das Felsenlabyrinth Luisenburg erforschen
Sicher spielte damals aber auch der kommerzielle Aspekt eine Rolle: Die Luxburg war ideal geeignet für einen modischen "Berg-Spaziergang" der Kurgäste aus dem nahen Alexandersbad. Von 1800 bis 1805 wurde das Gelände deshalb zum Wanderweg für die Badegäste ausgebaut. Als im Jahr 1805 das preußische Königspaar Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Luise ganze drei Wochen lang hier weilte, gestaltete man die Luxburg-Anlagen nochmals um und erweiterte sie. Bei der ersten Wanderung der preußischen Königin gab man dem Landschaftsgarten in einer großen Zeremonie feierlich den Namen "Louisenburg".
Die 29-jährige preußische Königin war offenbar äußerst populär. Die politischen Hintergründe des Staatsbesuchs "im Junius 1805" sind offensichtlich: Europas Territorien wurden gerade neu geordnet. Im Frieden von Pressburg am zweiten Weihnachtstag 1805 erkannte Napoleon dem Bayerischen Kurfürsten (der sich mit Frankreich verbündet hatte) die Königswürde zu und legte die Grenzen des ersten "Königreich Bayern" fest, die heute noch teilweise der Grenze der Regierungsbezirke Oberpfalz und Oberfranken entspricht.
09.10.2008
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Lustwandeln wie einst Luise
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Liegt es auch an jenem demonstrativen Besuch des Königshauses an der Südgrenze des damaligen Preußischen Fürstentums Brandenburg-Bayreuth, dass die Grenzen der heutigen Oberpfalz (dem damaligen "Nabkreis") gerade hier gezogen wurden? Darüber kann der Wanderer trefflich spekulieren. Was die junge, im norddeutschen Flachland aufgewachsene Luise nach ihren Rundgängen durchs Felsenlabyrinth gefühlt hat, belegen emotionale Sätze wie: "So etwas kann man sich gar nicht denken, wenn man es nicht gesehen hat." Oder: "Die Aussicht von oben (...) ist außerordentlich schön und schauerlich."
Vor drei Jahren hat man einige der Stationen wieder hergestellt, so den Pavillon auf der "Insel Helgoland", einem Felsen in einem künstlichen Teich, oder den Pavillon auf dem Burgplateau. Auch ein in Vergessenheit geratener Weg durch die "Wolfsschlucht" wurde im Jahr 2005 wieder entdeckt und rekonstruiert.
Insgesamt gibt es auf dem etwa zweistündigen Rundgang durch den "Bürgerlichen Landschaftsgarten" 25 thematische Stationen zu sehen. Beim Aufstieg (Höhenunterschied etwa 100 Meter) folgt man der blauen Markierung, beim Abstieg der roten. Besondere Wanderausrüstung ist nicht erforderlich, allerdings muss man mehrmals durch sehr enge Felsspalten, die man nur gebückt passieren kann. Harald Mohr
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