Seugast hat eine von drei gemeindlichen Kirchen Bayerns - 1904 von Gemeinde gebaut
FREIHUNG. Dass sich die Gemeinde um Straßen und Wege, Spielplätze, die Wasserversorgung oder den neuen Ausweis kümmert, sind wir ja gewohnt. Im Freihunger Ortsteil Seugast aber kümmert sich die kommunale Selbstverwaltung auch um das Seelenheil: "Die Kirche St. Marien ist eine von nur drei Kirchen in ganz Bayern, die der Gemeinde und nicht der Kirche gehören", erklärte Otto Schönberger am Freitag auf der traditionellen Herbstwanderung der AOVE.
"Seugast wurde schon 1123 erstmals erwähnt, ist also sehr alt, hatte aber nie eine Kirche." Das sollte im Jahr 1858 anders werden. Die damals nur 25 Seugaster Familien hielten eine Dorfversammlung ab und fassten dabei den kühnen Entschluss, endlich eine eigene Kirche zu bekommen. Über einen fertigen Bauplan und die Entscheidung, die Kirche mitten im Dorf direkt an der Hauptstraße zu bauen, kam das Projekt nicht hinaus. Was für ein Problem es damals gegeben hat, konnte Otto Schönberger nicht herausfinden.
Im Jahr 1903 sollte es dann doch noch klappen. Die Gemeinde beschloss, die Kirche auf eigene Kosten zu bauen und auch die Unterhaltskosten zu tragen. Im Jahr 1904 war das Werk fertig. Zwar nur eine Kapelle, aber für die wenigen Dorfbewohner reichte sie. Am Tag der Kirchweih war der Altar noch nicht fertig. Man zimmerte kurzerhand ein Lattengestell zusammen und schickte die "Dorfjungfrauen" hinaus in den Wald, um Moos zu sammeln, mit dem das Provisorium verkleidet wurde.
09.10.2008
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Kuriose Kirche an der Vilsquelle
Seugast hat eine von drei gemeindlichen Kirchen Bayerns - 1904 von Gemeinde gebaut
Im Jahr 1928 baute man die Kapelle zu einem kleinen Kirchlein aus und errichtete einen richtigen Kirchturm. Natürlich mit eigenem Sandstein aus den Seugaster Sandsteinbrüchen. 1959 ließen sich die Seugaster ihre Kirche wieder einiges kosten. Man vergrößerte sie mit einem Querschiff, wobei sie ihre heutige Kreuzform erhielt.
Als im Jahr 1986 eine Renovierung fällig war, gab es in Seugast offenbar niemanden mehr, der sich an die kuriosen Besitzverhältnisse der Kirche erinnern konnte. Also sammelte man fleißig Geld für die Katholische Kirchenstiftung. Sogar der Schafkopf-Stammtisch legte jeden Pfennig für die Kirchenrenovierung zurück. Als man dann doch noch darauf kam, dass die Kirche der Gemeinde gehört, einigte man sich darauf, dass die Kirchenstiftung das bereits gesammelte Geld für die Innenrenovierung verwendete, und die Gemeinde die Außensanierung übernahm.
Nach der Kirchenbesichtigung führte Wolfgang Schaepe die Gruppe zur nur drei Kilometer entfernten Vilsquelle in Kleinschönbrunn. Der Bereich um die Vilsquelle wird gerade im Zuge der Dorferneuerung neu gestaltet, so dass die Exkursionsteilnehmer noch einmal die Gelegenheit hatten, die alte Vilsquelle so zu sehen, wie sie im Jahr 1931 gefasst wurde. "Ursprung der Vils, 1931 ausgebaut" kann man noch auf einem alten Granitstein lesen. Im Jahr 1958 wurde die Quellfassung das letzte Mal saniert. Jetzt wird die Vilsquelle eine elegantere, runde Quellfassung bekommen und die ersten Meter werden renaturiert werden. Ein guter Start für die 87 Kilometer, die die Vils bis zur Mündung in die Naab bei Kallmünz zurückzulegen hat. Harald Mohr
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