100-Tage-Bilanz fällt ernüchternd aus - Ex-Kapitän Oliver Kahn übt Kritik am Reformkurs
München. (dpa) Sieben Spiele, neun Punkte, 13 Gegentore und Tabellenplatz elf: Jürgen Klinsmanns 100-Tage-Bilanz könnte ernüchternder kaum sein. Seit 31 Jahren hat es beim erfolgsverwöhnten FC Bayern München so einen Negativstart in der Bundesliga nicht mehr gegeben.
Beim deutschen Fußball-Rekordmeister kriselt es, doch Jürgen Klinsmann lächelt seine schwache Ausbeute einfach weg. "Das ist ein Prozess" beschwichtigt der Trainer, der an diesem Dienstag 100 Tage im Amt ist. Die Bayern-Bosse trotzen der Enttäuschung in seltener Einigkeit. Präsident Franz Beckenbauer mahnte in seiner "Bild"-Kolumne (Montag) zur Geduld, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach Klinsmann das "volle Vertrauen aus", und Manager Uli Hoeneß reagiert nur genervt auf die K-Frage: "Die Bilanz sage ich Ihnen am 30. Juni, da ist unser Geschäftsjahr zu Ende."
Ein erstes Resümee von Klinsmanns Probezeit zog dagegen Oliver Kahn. "Es ist nicht ungefährlich. Jeder Verein hat eine eigene Philosophie, an der man ein bisschen drehen kann, aber die man nicht völlig über den Haufen werfen kann", übte der Ex-Kapitän versteckte Kritik an Klinsmann Reformkurs. Mittelfeldspieler Zé Roberto stellte im "kicker" (Montag) die ständigen Personalrochaden in der Abwehr in Frage: "Hinten spielten immer wieder andere Partner. Im vorigen Jahr haben wir mit zwei festen Innenverteidigern gespielt, mit Lucio und Demichelis."
Von (dpa) |
07.10.2008
| Netzcode: 1560483
München
Jürgen Klinsmann in der Sackgasse
100-Tage-Bilanz fällt ernüchternd aus - Ex-Kapitän Oliver Kahn übt Kritik am Reformkurs
"Ami go home"
Nach dem Stotterauftakt in der Liga und den wenig glanzvollen Auftritten in der Champions-League, in der die Bayern mit vier Punkten aber immerhin im Soll sind, ist für die Fans längst das Maß voll. "Ami go home", forderten sie Klinsmann unlängst zur Rückkehr in seine kalifornische Wahlheimat auf. Beckenbauer registriert, dass "der Mythos, dass am Ende doch (fast) immer die Bayern gewinnen, Pause macht" und stellt besorgt fest: "Die Liga spürt, dass wir verwundbar sind." Klinsmann, vor 100 Tagen als Wohltäter in der schönen, neuen Bayern-Welt begeistert empfangen, steckt in der Sackgasse.
Er spürt, dass ihm ein stürmischer Herbst bevorsteht, aber er geht offen mit der für ihn heiklen Situation um und sagt: "Letztendlich muss der Trainer seinen Kopf hinhalten, wenn die Dinge nicht so umgesetzt werden, wie man sie den Spielern aufgibt." Die Spieler scheinen mit der Umsetzung von Klinsmanns Fußball-Einmaleins überfordert zu sein. In beinahe wildem Aktionismus will der 44-Jährige seine Visionen vom perfekten Fußball den Bayern einimpfen, doch heraus kamen bisher bittere Lektionen für den früheren Bundestrainer, der in München erstmals als Vereinscoach tätig ist.
Von (dpa) |
07.10.2008
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Jürgen Klinsmann in der Sackgasse
100-Tage-Bilanz fällt ernüchternd aus - Ex-Kapitän Oliver Kahn übt Kritik am Reformkurs
Konfuser Gesamteindruck
Klinsmann will in München seine Reformen mit aller Macht durchsetzen. Im Millionen Euro teuren Leistungszentrum, wo er seine Schützlinge mit Hilfe eines elfköpfigen Trainerstabs in Acht-Stunden-Tagen zu rundum gebildeten Menschen formen will, hat er so viel umgekrempelt, dass Rummenigge von einer "neuen Kultur in der Bundesliga" schwärmt. Auf dem Platz aber hinterließen Klinsmanns löbliche Absichten bisher viel Ratlosigkeit und einen konfusen Gesamteindruck.
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