Von (aub)  |  06.10.2008  | Netzcode: 1560425
Nabburg

"Aufbruch" mit Überraschungen

Helmut Ohlschmid stellt im Schmidt-Haus aus - Werke bis zum 30. November zu sehen

Nabburg. (aub) Unvermittelt steht den Passanten vor dem Schmidt-Haus derzeit ein Kunstwerk gegenüber. Das Monument, mit dem der Künstler Helmut Ohlschmid während seiner Ausstellung "Aufbruch" den "Ausbruch" wagt, möchte man angesichts des Titels "gehma" fast automatisch zu "gehma eini" ergänzen . . . und dem sogleich Folge leisten.

Die Skulpturen-Ausstellung von Helmut Ohlschmid
Die Skulpturen-Ausstellung von Helmut Ohlschmid (Dritter von links) eröffnete Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser (Zweite von links) im Schmidt-Haus im Beisein von Drittem Bürgermeister Josef Götz (links). Bild: aub
In diesem Sinne wurde am Freitagabend zur Vernissage geladen, die erstmals Dritter Bürgermeister Josef Götz eröffnete. Zu MdL Franz Schindler und Landrat Volker Liedtke gesellten sich auch einige Stadtratskollegen, Künstlerfreunde und Kunstinteressierte. Götz dankte allen Beteiligten für ihr Engagement beim Zustandekommen der Ausstellung, der er viel Erfolg und bis 30. November zahlreiche Besucher wünschte.

Wende zur Kreativität



In der folgenden Laudatio komprimierte Museumsleiterin Christa Haubelt-Schlosser das "Wesentliche" an Mensch und Werk des Künstlers Helmut Ohlschmid. Vom heimatlichen Wörth an der Donau mit dem Motorrad gestartet, machte er unterwegs in Nabburg Station und beschloss damals, vor zwei Jahren: "Hier stelle ich aus! Solo!" Wie eine rasante Tour stellte sich auch Ohlschmids bisheriger Lebensweg dar: Einer zunächst handwerklichen Ausbildung folgten 17 Jahre als Justizwachtmeister in Regensburg. Trotz intakter familiärer Basis und sportlicher Erfolge als regional und international Trial-Fahrer geriet er in gesundheitliche und seelische Schieflage. Grund genug, sich erst recht in die Kurve zu legen und in Richtung kreativer Arbeit abzubiegen, die er heute teils im Atelier, aber auch mittels Schulprojekten und Workshops in Behindertenwerkstätten umsetzt.

"A schneit muas ma ham", meint er im Hinblick auf den Mut zur radikalen Veränderung, wie auch bezüglich seines Umgangs mit der Kettensäge. "Was raus muss, muss raus" konnte die Laudatorin das Motto des Künstlers also nicht nur rein auf das Bauchgefühl beziehen, sie fand im Ausstellungsstück "Kette" auch ein einzigartiges Beispiel: Das meterlange Exponat ist aus einem einzigen Baumstamm gesägt, eine Verbindungsnaht der Glieder sucht man vergebens. Gleiches gilt für einen überdimensionalen hölzernen Schlüssel oder einen riesigen Knoten, die den Eingang und den Innenhof des Schmidt-Hauses zieren.

Mit Farbspielen



Dem gegenüber steht der "metallene" Ohlschmid. Teils zierlich kunstvoll, teils detailliert aufwendig gearbeitet. Das lebensgroße Trio der Sensenmänner glänzt durch seine unzähligen Drahtwindungen, im "Wind" scheint ein bewegter Augenblick wie festgenagelt, doch ebenso luftig gelöst. Dazwischen findet man tief-sinnige Farbspiele und golden glänzende Objekte, bei denen es, obwohl auf ihre Schlichtheit reduziert, Überraschendes zu entdecken gibt.

"Weg-von-hier - das ist mein Ziel" fasste Christa Haubelt-Schlosser mit den Worten von Franz Kafka das Essentielle von Künstler und Ausstellung zusammen. Dem "Aufbruch" von Helmut Ohlschmid können die Besucher noch bis zum 30. November folgen, mittwochs bis samstags ab 19 Uhr und sonntags von 14 Uhr bis 18 Uhr.


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