Als die Maß Bier noch 3,50 Mark kostete - Schleißdorfer Kirwa feiert 30. Geburtstag
Schleißdorf. (gri) Die Kirwa im Oberland kommt in die Jahre: Zum 30. Mal tanzen die Kirwapaare aus Schleißdorf, Ellersdorf, Witzlricht und Hainstetten heuer am zweiten Oktoberwochenende den Kirwabaum aus. Als die Kirwa 1978 zum ersten Mal stattfand, kam das in der Gegend einer kleinen Sensation gleich: Zum ersten Mal wurde ein solches ein Bierzelt aufgebaut.
1978 packte die Burschen im Oberland das Kirwa-Fieber. "Wir wollten, dass sich bei uns wieder was rührt", erzählt der erste Kirwachef Andreas Obermeier. Die Wirtskirwa, die auch nach dem Krieg noch im Saal des Gasthauses Haas stattfand, war eingeschlafen. Am Schleißdorfer Kirwasonntag - immer schon am zweiten Oktoberwochenende - war nichts mehr los im Dorf und das sollte wieder anders werden.
"Unsere Eltern waren von der Idee ganz und gar nicht begeistert", berichtet Obermeier. Vor allem das finanzielle Risiko, das die Kirwaburschen bei einem Scheitern zu tragen gehabt hätten, schreckte die Väter. "Wir waren nicht zu bremsen." Eine geeignete Lokalität, zugkräftige Musikkapellen und nicht zuletzt die Kirwamoidln mussten gefunden werden. Mit kräftiger Schützenhilfe von erfahrenen Freudenberger Kirwaburschen und ohne Wissen ihrer Eltern trafen die Burschen die Vorbereitungen.
Andreas Obermeier und seine Mitstreiter gingen für damalige Zeiten neue Wege. Weil kein geeigneter Saal mehr zur Verfügung stand musste ein Zelt organisiert werden. Es wurde für eine Leihgebühr von gut 2000 Mark in nagelneuem Zustand aus Schwarzenfeld angeliefert. Die Schleißdorfer Kirwa war damals weit und breit die erste Kirwa in einem Bierzelt.
Von (gri) |
06.10.2008
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Schleißdorf
"Die Oberlandler kommen"
Als die Maß Bier noch 3,50 Mark kostete - Schleißdorfer Kirwa feiert 30. Geburtstag
Schnodahipfln von Escherl
Auch der Kirwabaum musste auswärts organisiert werden. Hans Strobl aus Baumgarten, mit einer Oberlandlerin verheiratet, ließ sich nicht zweimal bitten. Den Lochmeister beim Baumaufstellen machte Sepp Straller aus Freudenberg. Der Freudenberger Lehrer und Schauspieler Reinhold Escherl stellte die Schnodahipfln zusammen und Josef Koch aus Wutschdorf wies die Burschen in die in der Gegend üblichen Kirwabräuche ein. Die Oberlandler feierten dann ganz groß: Bei der Premiere herrschte vier Tage lang bestes Herbstwetter. Der damalige Landtagsabgeordnete Herbert Falk aus Hahnbach zapfte am Freitag das erste Fass Bier an. Die Hammerbachtaler Musikanten spielten danach auf. Die Merry Boys aus Freudenberg bestritten den Samstagabend und die "Feiererboum" begleiteten das Baumaustanzen. Der Andrang war - allein schon aus Neugier über ein Bierzelt - riesig. Und nicht weniger groß war der Stolz über den gelungenen Auftakt - auch bei denen, die zuvor skeptisch waren.
Von (gri) |
06.10.2008
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Schleißdorf
"Die Oberlandler kommen"
Als die Maß Bier noch 3,50 Mark kostete - Schleißdorfer Kirwa feiert 30. Geburtstag
Josef Zweck aus Freudenberg kann sich noch an die Überstunden erinnern, die er wegen der ersten Kirwa leisten musste. Mit den Worten "Die Oberlandler kommen", hatte ihn Brauereichef Adolf Märkl am Sonntagnachmittag alarmiert. Er müsse in die Brauerei kommen, um Fässer abzufüllen, lautete die Order. In Schleißdorf war der Biervorrat zur Neige gegangen. Kein Wunder - bei dem Preis. Eine Maß Bier kostete damals 3,50 Mark.
Mit der Kapelle Wildner
Am Montag sorgte die Kapelle Wildner aus Kohlberg dafür, dass sich das Zelt noch einmal füllte. Hans Wildner und seine Mannen begleiteten die Kirwaburschen dann mehr als zehn Jahre lang. Bis Ende der 80er-Jahre gehörte die Musikgruppe zum Kirwa-Inventar. Heuer wird die Kirwa im Oberland 30 Jahre alt. Sie ist nun nicht mehr wegzudenken aus dem Festkalender der Gemeinde Freudenberg.
Anzumerken bleibt, dass die Kirwa in Schleißdorf auch 1978 keine Neuerfindung war. Die Kirwatradition war in dem Ort fest verwurzelt. Über eine Kirchweih in Schleißdorf und Ellersdorf gibt es - zusammen mit der Kirwa in Freudenberg - Aufzeichnungen bereits aus dem 16. Jahrhundert. In einer Liste über die Güter und Rechte der "Herrschaft Freydenberg" von 1594, heißt es, dass die Herrschaft den "Kirchweihschutz" für Schleißdorf und Ellersdorf gewährt.
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