Progressive Rock-Show "Eclipse Sol-Air" lässt im Stadttheater die Siebziger pfiffig wiederauferstehen
Das Publikum strömte am Samstagabend ins Stadttheater. Das Parkett war voll besetzt und auch die Ränge füllten sich. Aber niemand wusste - oder konnte wissen -, was in den nächsten Stunden auf der Bühne passieren würde. Das "Geheimnis", das unter dem kryptischen Titel "Eclipse Sol-Air" nur auf wenigen Plakaten im Stadtgebiet angekündigt worden war, entzog sich zunächst noch der Enthüllung.
Zur Einstimmung attackierte die Band "The Attic" die Gehörknöchelchen der Zuhörer und ließ den altehrwürdigen Musentempel erbeben. Mit hammerhartem Heavy-Rock erntete sie verdienten Applaus. Vor allem ihr Gitarrero zeigte sich als Showtalent. Mit wehenden Haaren irrwischte er über die Bühne, ganz so, wie Klein-Fritzchen aus der Uckermark sich einen echten Schwermetaller vorstellt.
Dann fiel der Startschuss für das progressive Rock-Theater "Eclipse Sol-Air". Und die Band hatte, trotz der "Gnade der späten Geburt", doch tatsächlich den Sound des Art-, Classic- und Bombast-Rocks - seinerzeit ganz allgemein als "progressiv" bezeichnet - der Siebziger im Notenbüchlein, das die noch recht jugendlich wirkenden Musiker anscheinend von der Väter-Generation vererbt bekommen haben. Den ersten Pluspunkt gibt es also für den Mut, längst vergangenen - und leider auch aus dem gängigen Repertoire verschwundenen - Klängen zu huldigen.
Progressive Rock-Show "Eclipse Sol-Air" lässt im Stadttheater die Siebziger pfiffig wiederauferstehen
Sogar mit Kammerorchester
Um diesen "Wall of Sound" auf die Bretter zu bringen, integrierten die Rocker Chorsängerinnen und Sänger sowie ein veritables Kammerorchester aus Amberg und Umgebung in ihre Vorstellung. Das ist der zweite Pluspunkt: Der Verzicht darauf, die "klassischen" Parts mit dem Synthesizer zu imitieren und stattdessen auf handgemachte Musik zu setzen.
Und gleich noch der dritte Pluspunkt: "Eclipse Sol-Air" ist keine Siebziger-Jahre-Cover-Band, die nur die Songs aus jener längst vergangenen Epoche - von Genesis bis ELP, von King Crimson bis Yes - nachspielte, sondern aus den Stilelementen dieser "Vorläufer" etwas völlig Eigenständiges entwickelte. Nach so viel Lob kommt nun jedoch ein "aber". Die theatralischen Elemente boten keine nachvollziehbare Handlung. Weil beim Gesang der Textverständlichkeit nicht der wünschenswerte Rang eingeräumt wurde, konnte das Publikum nur ahnen, was die Akteure auf der Bühne darstellen sollten. Hier wäre es sinnvoll gewesen, einen etwas ausführlicheren Programmzettel zu verteilen.
Progressive Rock-Show "Eclipse Sol-Air" lässt im Stadttheater die Siebziger pfiffig wiederauferstehen
Für jemanden, der seine musikalische Sozialisation - wie der Schreiber dieser Zeilen - in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts erlebte, war es trotz allem ein wunderbares Erlebnis, wieder einmal Musik zu hören, deren Aufbau und Struktur mit Fug und Recht "symphonisch" genannt werden kann - und die damit absolut nicht hitparadentauglich ist, sondern statt der Masse nur eine kleine, aber enthusiastische Fangemeinde anspricht.
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