Ernst Grubes Erlebnisse während des Nazi-Regimes - Ausstellung
Pfreimd. (ohr) Bilder sagen viel, Worte noch viel mehr: Die Wanderausstellung des Bayern-Forums der Friedrich-Ebert-Stiftung "Rechtsradikalismus in Bayern" lebte durch Ernst Grube aus München. Er hatte die Zeit des Naziregimes durchlitten und schilderte seine Erlebnisse den Schülern der 9. und 10. Klassen der Landgraf-Ulrich-Schule.
"Bilder sagen viel aus, aber durch die Worte eines betroffenen Menschen wird eine stärkere Verbindung und Teilnahme hergestellt", unterstrich Rektor Gerhard Balk vor den 80 Mädchen und Buben. Ganz Europa kämpfe mit dem Rechtsextremismus, betonte Lehrer Peter Igl. "Auch bei uns gibt es "Wölfe im Schafspelz". Bei genauer, kritischer Betrachtung der Plakate der Rechtsradikalen mit ihren Parolen "können verpackte Tendenzen herausgelesen werden", gab der Pädagogen zu verstehen.
Die seit Frühjahr 2006 bei Bildungsveranstaltungen präsentierte Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" stieß auf sehr positive Resonanz. "125 000 Besucher wurden mit dem Themenkomplex konfrontiert", so Harald Zintl, Leiter des Regensburger Regionalbüros der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die Schautafeln zeigen Gefahren für die Demokratie auf, die von rechtsradikaler und rechtsextremer Seite drohen. Der Verfassungsschutzbericht von 2006 weist bundesweit 17 600 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund aus. 2007 sind 1 000 Gewalttaten zu verzeichnen. In Bayern wurden in den genannten Jahren 1 300 Straf- und 82 Gewalttaten registriert.
Von (ohr) |
04.10.2008
| Netzcode: 1558061
Pfreimd
Gegen Wölfe im Schafspelz
Ernst Grubes Erlebnisse während des Nazi-Regimes - Ausstellung
Nicht anfällig werden
Die Präsentation demonstriert Ursachen und Erscheinungsformen der rechten Szenen, nennt Organisationen, vor allem die rechts-extremistischen Parteien NPD und DVU. "Die Demokratie braucht das Engagement junger Menschen. Jede neue Generation muss für diese Staatsform gewonnen werden, um nicht für die Parolen simpler, aber gefährlicher Sprüche der Rechtsextremen anfällig zu werden", bekräftigte Harald Zintl. Sein Dank galt Kurt Stangl für die breite Plattform von Begleitveranstaltungen zur Ausstellung.
"Ich werde einfach aus meinem Leben , aus meiner Kindheit erzählen und ich möchte mit euch ins Gespräch kommen", betonte Ernst Grube. Er ist im Jahr 1932, Bruder Werner 1930 und Schwester Ruth 1938 in München geboren: Vater evangelisch, Mutter Jüdin. Die Synagoge diente als Gebets- und Lehrhaus: Sie war den Nazis ein Dorn im Auge. Der damals Sechsjährige erinnerte an die Reichspogromnacht 1938.
In Deutschland brannten jüdische Synagogen, 30 000 jüdische Menschen wurden verhaftet. Die Eltern waren bei der Kultusgemeinde untergebracht. Im Kinderheim in Schwabing war Grube "stolz ein Jude zu sein", aber auf der Straße führte der verpflichtend zu tragende Judenstern zur Verachtung. "Warum werden wir ausgegrenzt, verstoßen, eingesperrt, gedemütigt und haben kein Recht zu leben?", fragten sich immer wieder die jüdischen Kinder. "Die Menschen schauten hin und machten nichts. Sie haben in der Mehrzahl das System befürwortet", so Grube.
Von (ohr) |
04.10.2008
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Pfreimd
Gegen Wölfe im Schafspelz
Ernst Grubes Erlebnisse während des Nazi-Regimes - Ausstellung
Die Vorgehensweise war zweistufig: Nach der Ausgrenzung folgte die physische Vernichtung durch Deportation. Die Mutter mit den drei Kindern wurde ins Ghetto nach Theresienstadt gebracht. Ab 1944 werden die Juden vermehrt als Arbeitskräfte eingesetzt -Vernichtung durch Arbeit.
Erschütterte Schüler
Der integrierte Film "Im Ghetto" - er beginnt mit Bildern zum Abriss der Synagoge in München im Juni 1938 und zeigt erschütternde Szenen in Theresienstadt - lebt von beeindruckenden und nachdenklichen Texten, gesprochen von Werner und Ernst Grube. Die völlige Ruhe im Mehrzweckraum widerspiegelte das Ergriffensein. Ende Juni 1945 kehrten die Mutter mit ihren Kindern nach München zurück - und ihr Vater hatte auch die Schreckenszeit überlebt.
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