Salz- und Wasserschäden, faule Balken: Einst stolze Burgen wie Pottenstein verfallen - Bayern knausert mit Zuschüssen
Pottenstein. (dpa) Seit mehr als 1000 Jahren thront die malerische alte Burg über der kleinen Stadt Pottenstein in der Fränkischen Schweiz.
Fast kann man sich heute noch vorstellen, wie es damals ausgesehen haben muss, im Jahr 1228, als die Heilige Elisabeth dort weilte. Burgherr Thilo Freiherr von Wintzingerode hat den Sinn für diese Art der Burgenromantik verloren. Wenn er auf seine Burg blickt, sieht er Risse in den Mauern, morsche Balken und ein defektes Dach.
"Andere sind im Urlaub ..."
"Wir haben Salz- und Wasserschäden, im Keller faulen die Balken und die Statiker, die sich die Burg ansahen, riefen "Uiuiui!", sagt er und schüttelt den Kopf. Die Burg Pottenstein muss dringend generalsaniert werden, doch dazu fehlt der Familie von Wintzingerode das Geld. "Es ist einfach nichts mehr da. Andere fahren in den Urlaub, wir haben in die Burg investiert." Die Kosten für die Sanierung werden auf etwa 2,5 Millionen Euro geschätzt.
Im April dieses Jahres kam dann der Schock: Dicke Felsbrocken stürzten vom Burgberg hinab auf die Bundesstraße. Dort liegen sie immer noch, denn die Familie kann nach eigenen Angaben die 108 000 Euro für die Beseitigung der Felsen und die anschließende Sicherung des Berges nicht aufbringen. Der Fall Pottenstein sei exemplarisch für die Situation privater Burgenbesitzer in Bayern, sagt der bayerische Landesvorsitzende der etwa 3000 Mitglieder zählenden Deutschen Burgenvereinigung (DBV), Albrecht Graf von und zu Egloffstein, der auch selbst auf einer Burg lebt. Die Baumaßnahmen kosteten sehr viel Geld und seien nicht mit Reparaturen an einem zeitgenössischen Haus vergleichbar. "So etwas schüttelt selbst eine wohlhabende Familie nicht so leicht aus dem Ärmel. Man muss sehr viel mehr verdienen als ein Besitzer eines normalen Einfamilienhauses." Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, das heuer 100-jähriges Bestehen feiert, gibt es 120 000 Baudenkmäler in Bayern, von denen mindestens 60 Prozent in privater Hand sind.
Von (dpa) |
08.09.2008
| Netzcode: 1525742
Pottenstein
Burgenromantik mit Rissen
Salz- und Wasserschäden, faule Balken: Einst stolze Burgen wie Pottenstein verfallen - Bayern knausert mit Zuschüssen
Etwa 2000 dieser Denkmäler seien Burgen, Schlösser oder Burgruinen, sagt Burgenforscher Joachim Zeune aus Eisenberg-Zell im Allgäu. Finanzielle Unterstützung vom Amt können die Besitzer dieser Burgen kaum erwarten. "Wir haben einen kleinen Etat am Amt, der in den letzten zehn Jahren massiv eingedampft wurde", sagt eine Amtssprecherin. Insgesamt fünf Millionen Euro stehen dem Landesamt in diesem Jahr für das Tagesgeschäft zur Verfügung, 1990 waren es noch umgerechnet etwa 23 Millionen Euro. Zwar gebe es einen Notfallfonds für Besitzer von Baudenkmälern, Mittel daraus würden aber nur für akut gefährdete Denkmäler und solche von besonderer Bedeutung bereitgestellt. Ob die Burg Pottenstein darunter falle, sei noch fraglich.
"Dieser Fonds ist völlig überfordert und reicht nicht ansatzweise aus", sagt Zeune. Er kritisiert, dass der Freistaat Bayern es innerhalb weniger Jahre geschafft habe, von der Spitzenposition in der deutschen Denkmalpflege auf die letzten Plätze zurückzufallen und deutlich an Format zu verlieren. Graf Egloffstein, der auch Mitglied des Bayerischen Landesdenkmalrates ist, wird deutlicher: "Es ist schamlos, was hier passiert ist."
Von (dpa) |
08.09.2008
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Burgenromantik mit Rissen
Salz- und Wasserschäden, faule Balken: Einst stolze Burgen wie Pottenstein verfallen - Bayern knausert mit Zuschüssen
Wurzeln des Volkes
Wenn ein Bundesland wie Bayern nur noch fünf Millionen Euro für den Denkmalschutz bereitstellt, sei das "eine ganz üble Situation", sagt auch der DBV-Bundesgeschäftsführer Gerhard Wagner. Burgen seien wichtige Kulturgüter und schlügen eine Brücke in die Vergangenheit. Für Graf Egloffstein ist die mangelhafte finanzielle Ausstattung des Landesamtes auch ein Ausdruck fehlenden Geschichtsbewusstseins. Geschichtsbewusstsein und Bildung der Bevölkerung hätten drastisch abgenommen, der Freistaat vernachlässige seinen Erziehungsauftrag. Was getan werde, reiche bei weitem nicht aus. "Ohne Geschichte ist ein Volk nur eine gesichtslose Masse", sagt er. "Die Wurzeln, die ein Volk hat, führen dazu, dass es Individualität und besondere Fähigkeiten entwickelt. Ein Volk, das keine Geschichte hat, geht unter." Für seine Familie sei das Bewahren der Geschichte immer eine Lebensaufgabe gewesen, sagt von Wintzingerode. "Aber der Idealismus stößt eben an seine Grenzen, wenn das Geld fehlt."
Ein beständiges Grummeln strömt aus den Tiefen des Schiffsbauchs. Es knarzt und ächzt mit jeder Welle, über die die "MSC Orchestra" reitet. Als Passagier rollt man im Bett im selben Rhythmus nach links und rechts wie das riesige Kreuzfahrtschiff auf dem Wasser.
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