Ausstellung beim Taubnschuster über Eschenbacher Kommunbrauer am Sonntag geöffnet
Eschenbach. (hev) "Beliebtes Getränk, kann aber auch aus Holz oder Eisen sein?" Dieses Rätsel wäre für das "Teekesselspiel" geeignet, bei dem ein Begriff mit mehreren Bedeutungen von den Spielern zu erraten ist. Für einen Nordoberpfälzer dürfte die richtige Lösung kein Problem darstellen. Wer die aktuelle Ausstellung des Heimatvereins im Taubnschusterhaus besucht, die am Sonntag wieder von 14 bis 16 Uhr geöffnet ist, hat die Antwort sofort parat: Zoigl.
Der Zoigl, auch Kommunbier genannt, ist ein ungefiltertes, untergäriges, meist bernsteinfarbenes Bier. Es hat den gleichen Hefeanteil und den gleichen Alkoholgehalt wie das Brauereibier, aber einen geringeren Anteil an Kohlensäure.
Gärung im Felsenkeller
Die Maische für den Zoigl wurde im Eschenbacher Kommunbrauhaus gekocht und gehopft. Die gewonnene Würze brachten die Zoiglbrauer in großen "Koufn" in die Felsenkeller und versetzten sie dort mit Hefe. Da jeder Brauer nach eigenem Rezept verfuhr, waren Schwankungen im Geschmack typisch. Es kam schon vor, dass einem Brauer die Rezeptur gründlich misslang und er einen rechten "Plempl" ausschenkte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das Wasser zum Brauen des Kommunbieres bis 1900 dem nahe gelegenen Stadtweiher entnommen wurde.
In Eschenbach ist vielen Häusern von alters her das Recht verliehen, Bier zu brauen und auch auszuschenken. Davon wurde zum letzten Mal vor rund einem halben Jahrhundert Gebrauch gemacht.
"Zoigl" oder "Zeigel"
Von (hev) |
06.09.2008
| Netzcode: 1524212
Eschenbach
"Heit geh'ma am Zeigel!"
Ausstellung beim Taubnschuster über Eschenbacher Kommunbrauer am Sonntag geöffnet
Das im Kommunbrauhaus hergestellte Bier wurde in bestimmtem Turnus von den Brauberechtigten verzapft. Wer gerade "Bier offen" hatte, zeigte dies an, indem er den an einer langen Stange befestigten "Zoigl" oder "Zeigel" zum Dachfenster hinaushing oder an der Hauswand befestigte. Das wäre die zweite Bedeutung dieses Begriffes. Im Volksmund sagte man zur Zoiglwirtschaft: "Da, wo der liebe Gott den Arm heraushält." "Zoigl" kommt von "Zeigel", bedeutet also so viel wie "Zeichen" oder "Schild".
Der Zoigl war meist aus Holz oder Eisen gefertigt und hatte die bekannte, aus zwei Dreiecken zusammengesetzte Form. Eine mögliche Deutung dieser Form geht davon aus, dass der Zoiglstern einmal die für das Brauen wichtigen drei Elemente Feuer, Wasser und Luft symbolisiert, zum anderen auch die bekannten Zutaten Wasser, Malz und Hopfen bezeichnet, so dass sich insgesamt die sechs Zacken des Brauersterns daraus erklären.
Manchmal wurde ein "Wisch", ein grüner Fichtenzweig, statt dieses Zeichens benützt. Man konnte dann aus dem mehr oder minder frischen Grün der Nadeln folgern, wie lange der Zoiglwirt schon mit seiner "Bräu" herumzapfte, und so auf die Süffigkeit des Stoffes schließen.
Von (hev) |
06.09.2008
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Eschenbach
"Heit geh'ma am Zeigel!"
Ausstellung beim Taubnschuster über Eschenbacher Kommunbrauer am Sonntag geöffnet
Viele Eschenbacher Vereine besuchten früher gerne die Zoiglwirtschaften. So etwa die "Gesellschaft Frohsinn", die - 1880 gegründet - ihre wöchentlichen Bierabende, die so genannten "Kneipen", in den Zoiglstuben abhielt.
Auch der "Veteranen- und Kriegerverein", dessen Gründungsdatum auf das gleiche Jahr fällt, war häufiger Gast. Besondere Anlässe zu Feiern waren jedes Jahr der "Geburtstag seiner Majestät des deutschen Kaisers" am 22. März und der "Sedanstag", an dem der Verein des Sieges bei Sedan am 1. September 1870 durch zwei deutsche Armeen über die französische Armee gedachte.
Gute Stube als Wirtshaus
Das süffige Zoiglbier wurde einfach in der guten Stube des jeweiligen Brauers ausgeschenkt, das Bürgerhaus wurde zum Wirtshaus. Eine deftige Brotzeit (hausgemachte Blut- und Leberwürste oder Kesselfleisch mit Sauerkraut) durfte nicht fehlen.
Die Zoiglstube beim Taubnschuster lässt noch erahnen, welch urgemütliche Atmosphäre damals herrschte, wenn eines der Eschenbacher Originale seine "Quetsch'n" hervorholte und echte Volksmusik aufspielte. Da konnte man viele schon während des Tages sagen hören: "Heit geh'ma am Zeigel!"
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