Fledermausführung: Spannende Suche nach den kleinen Düsenjägern
SCHNAITTENBACH. Die Exkursionsteilnehmer sind gerüstet: Taschenlampen, Mückenspray und eine warme Jacke für später sind obligatorisch. Manche gehen jedes Jahr mit, wenn Fledermausexperte Rudolf Leitl aus Amberg für den Landesbund für Vogelschutz (LBV) sie in der "Europäischen Fledermausnacht" wieder mitnimmt hinaus in die Nacht.
Vergangenen Freitagabend war es wieder einmal so weit. Um 19 Uhr geht es los. Fledermäuse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Wer sie im Flug, aber auch aus der Nähe sehen will, der muss genau zur Dämmerung kommen, weil sie dann gerade noch in ihren "Schlafzimmern" sind. Überall im Wald hat der LBV Fledermauskästen aufgehängt.
Mit der Taschenlampe leuchtet Rudolf Leitl unter das Dach der Kästen, denn wenn Fledermäuse schlafen, dann hängen sie bequem kopfunter an der Decke. Die vorderen Extremitäten bilden bei der Fledermaus die Flügel, und deshalb krallt sie sich mit ihren Hinterbeinen fest. Die ersten Kästen sind leer. Keine Fledermaus-Exkursion ist wie die andere. Wann und wo man wie viele Fledermäuse welcher Art antrifft, ist deshalb immer wieder für Überraschungen gut. Jetzt hat Rudolf Leitl ein paar Wasserfledermäuse gefunden. Man kann sie seltsamerweise einfach so aus dem Kasten nehmen, obwohl es ein Leichtes für sie wäre, einfach davon zu fliegen. "Sie senken beim Schlafen ihre Körpertemperatur ab, um Energie zu sparen", erklärt Rudolf Leitl. Bis die verschlafene Fledermaus ihren Stoffwechsel hochgefahren hat, kann man sie leicht in die Hand nehmen. In einem anderen Kasten finden wir ein paar Fransen-Fledermäuse, eine in ganz Bayern verbreitete Art. Im nächsten Kasten hängt ein Großes Mausohr-Pärchen. "Es ist ihre Paarungsstube", erklärt Rudolf Leitl. Das Große Mausohr ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimetern die größte heimische Fledermausart. Dennoch wiegt selbst ein ausgewachsenes Großes Mausohr nur etwa 30 Gramm. So extrem leicht eine Fledermaus ist, so einen intensiven Stoffwechsel hat sie auch. "In einer Nacht frisst eine Fledermaus bis zur Hälfte ihres Körpergewichts an Insekten." Deshalb wird es jetzt Zeit für die Flattertiere, aufzuwachen und ihre aktive Tageshälfte zu beginnen, die fast ausschließlich aus Fressen besteht.
04.09.2008
| Netzcode: 1521669
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Fledermausführung: Spannende Suche nach den kleinen Düsenjägern
Wir gehen voraus zu den Jagdgründen der Fledermäuse, ein paar Weiher am Fuß des Zwerchberges. Rudolf Leitl schaltet den "Bat-Detektor" ein, ein Gerät, dass die Ultraschall-Peillaute der Fledermäuse in für Menschen hörbare Frequenzen übersetzt. Es schmatzt und zwitschert aus dem Gerät. Dann sieht man sie: Einer, nein zwei, drei Abendsegler huschen über den Weiher. Wie der Name schon sagt, sind das sozusagen die Frühaufsteher unter den Fledermäusen. Ganze Salven von Peilungsrufen hört man aus dem Detektor, wenn ein Abendsegler ein Insekt entdeckt hat und zum Zielanflug ansetzt. "Im Extremfall sind es bis zu 200 Rufe pro Sekunde", erklärt Rudolf Leitl, "auf 0,1 Millimeter exakt kann die Fledermaus dann ihr Ziel anpeilen."
Nur scheinbar lautlos fliegen die Abendsegler über dem Weiher. In "Wirklichkeit" herrscht hier gerade ein Höllenlärm. "120 Dezibel", sagt Rudolf Leitl, "so viel wie bei einem startenden Düsenjäger". Gut, dass Menschen keinen Ultraschall hören können. Ein paar Teilnehmer haben aber ihre Hunde mitgebracht, und die werden jetzt unruhig.
04.09.2008
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Auch einige der Teilnehmer können manchmal ein leises Zwitschern vernehmen, denn die Abendsegler peilen mit einer für Fledermaus-Verhältnisse sehr niedrigen Frequenz von 20 bis 25 Kilohertz, was gerade so an die menschliche Hörschwelle heranreicht. Nach wenigen Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei. "Wir haben Glück gehabt", sagt Rudolf Leitl. "Wahrscheinlich sind sie zum nächsten Jagdrevier geflogen." Der Frühstückstisch ist heute nicht reichlich gedeckt, nur wenige Mücken sind in der Luft.
Als nächstes hat die Zwergfledermaus, eine andere der 15 Fledermausarten im Landkreis, ihren kurzen Auftritt. Und jetzt warten wir auf den Höhepunkt des Abends, die Wasserfledermäuse. Dicht über dem Wasser müssten sie fliegen, denn sie klauben Insekten von der Wasseroberfläche ab. "Sie kommen erst, wenn es völlig dunkel ist", weiß Rudolf Leitl. Sonnenuntergang war heute um 20.04 Uhr, jetzt ist es 20.50, doch der Star des Abends macht sich rar. Pech gehabt, aber der Abend war auch so spannend genug. Harald Mohr
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