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Von Albert Franz  |  27.08.2008  | Netzcode: 1513490

Lohnspreizung: Erfolgsrezept mit katastrophalen Nebenwirkungen

Kommentar von Albert Franz

Die Studien im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung sind in etwa so neutral wie die Analysen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Hier die gewerkschaftsnahen Fundis, dort die marktradikalen Reformer. Am grundsätzlichen Befund aller Studien der jüngsten Zeit aber lässt sich kaum noch deuteln: Die Armen werden ärmer und die Reichen reicher.

Fast jeder Vierte verdient inzwischen sein Geld im Niedriglohnsektor. 1,9 Millionen Menschen bekamen 2006 weniger als fünf Euro pro Stunde. Und statt auf effektive Lohnerhöhungen hoffen zu können, dreht sich die Spirale bei den Geringverdienern eher nach unten, während Besserverdiener noch besser verdienen.

Eine stärkere Lohnspreizung - das war immer das Erfolgsrezept, das Marktfetischisten wie Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn predigten. Die Besserung am Arbeitsmarkt spricht für die Theorie. Für das politische System Deutschlands allerdings sind die Auswirkungen katastrophal. Denn die Politik zahlt für den Erfolg, mehr Menschen in Arbeit gebracht zu haben, einen hohen Preis. Das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft sinkt. Und damit auch das Vertrauen in die Politik. Die Linke erstarkt nicht nur, weil die SPD so schwach ist. Ihre Zuwächse speisen sich vor allem aus dem Lager derer, die im Turbokapitalismus zu kurz kommen - oder sich auch nur so fühlen.

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