Christine Stöckl darf nicht an den Paralympics teilnehmen - Verband geht Rechtsstreit aus dem Weg
Weiden. (otr) Christine Stöckl darf bei den Paralympics in Peking für Deutschland doch nicht an den Start gehen. Die Weidener Pistolenschützin wurde völlig überraschend nach erfolgter Nominierung nachträglich wieder aus dem Kader gestrichen. "Das ist ein sportlicher Tiefschlag für mich". kommentierte die Schützin die Entscheidung.
Die Paralympics in Peking hatte Christine Stöckl bereits ins Visier genommen. Kurzfristig wurde die eigentliche nominierte Behinderten-Sportschützin aus Weiden aber wieder ausgeladen, da der Deutsche Behindertensportverband scheinbar kalte Füße bekam. Eine Schützin aus Baden-Württemberg hatte gerichtliche Schritte angedroht, falls sie nicht das Startrecht für Peking erhält. Bild: otr
Was war passiert? Die Nominierungskommission des Nationalen Paralympischen Komitees für Deutschland (NPC) hatte am 23. Juni die 170 Athleten benannt und auch öffentlich bekannt gemacht, die Deutschland bei den Paralympischen Spielen in Peking vertreten werden. Darunter war auch die Weidener Pistolenschützin, die schon vor vier Jahren bei den Paralympics in Athen für Deutschland gestartet war. Obwohl Christine Stöckl bei den Qualifikationsveranstaltungen jeweils mit mindestens einem Ring unter der vom NPC geforderten Norm von 366 Ringen blieb, wurde sie dennoch für Peking nominiert. In anderen Wettkämpfen hatte sie nämlich mehrfach die Norm übertroffen.
Grundlage für die Entscheidung des Komitees waren somit die reellen Medaillenchancen der Weidenerin aufgrund der seit langem gleichbleibend hohen Resultate und der zum Nominierungszeitpunkt erkennbaren überdurchschnittlichen Leistungssteigerung. In den vom NPC auch veröffentlichten Qualifikationsrichtlinien ist ausdrücklich festgehalten: "Die sportartspezifischen Qualifikationskriterien stellen eine notwendige, aber keine ausreichende Voraussetzung für die Nominierung dar. Die Entscheidung zur Nominierung obliegt abschließend der Nominierungskommission."
Von (otr) |
27.08.2008
| Netzcode: 1513444
Weiden
Erst nominiert, dann gestrichen
Christine Stöckl darf nicht an den Paralympics teilnehmen - Verband geht Rechtsstreit aus dem Weg
Brogle setzt sich durch
Dass dieser Satz das Papier, auf dem er steht, offensichtlich nicht wert ist, wurde deutlich, als der Deutsche Behinderten Sportverband (DBS) per e-Mail Christine Stöckl wieder auslud, weil man dadurch einem möglichen Rechtsstreit mit der Luftgewehrschützin Sabine Brogle aus dem Weg gehen konnte. Die Bronzemedaillengewinnerin von Athen hatte eine einstweilige Verfügung angekündigt, in der sie ihr Startrecht, sie hatte die vom NPC geforderte Norm nur einmal erreicht, gerichtlich durchsetzen würde. Selbst wenn Christine Stöckl einen ähnlichen Weg hätte gehen wollen, wäre dies nicht möglich gewesen. Die Entscheidung des NPC wurde ihr erst zwei Tage vor Ablauf der Meldefrist mitgeteilt. Stöckl: "Ich hätte mir das auch gar nicht leisten können. Schließlich habe ich in mein Hobby schon genug Zeit und Geld investiert."
Dass der für die Olympischen Spiele und für die Paralympics herausgegebene Slogan "One World, One Dream" für Christine Stöckl nur noch eine leere Worthülse ist, versteht sich von selbst. Ihr Traum von Olympia ist wie eine Seifenblase zerplatzt. Besonders enttäuscht ist die Schützin von der Art und Weise, wie man hier vorgegangen ist. Einem nominierten Athleten eine solche Entscheidung per E-Mail mitzuteilen ("Ich bin um 22.30 Uhr vom Training heim gekommen und habe dann die Mail aufgemacht") zeugt von wenig Fingerspitzengefühl. Die Versicherung, man werde sich um einen zusätzlichen Startplatz für Deutschland bemühen, denn es dürfen nur zehn Schützen nach Peking geschickt werden, war wohl seitens des Verbandes auch nur eine Form von Hinhaltetaktik.
Nun zur "Deutschen"
Wenn die deutschen Schützen am Freitag in Richtung Peking zu den Paralympischen Spielen aufbrechen, wird sich Christine Stöckl auf den Weg nach München machen. In Hochbrück stehen die Deutschen Meisterschaften auf dem Programm. Und da hat die für die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft Weiden startende Schützin sowohl bei den behinderten als auch bei den nichtbehinderten Schützen klare Titelchancen. Norbert Paschke (Neusorg), Stützpunkttrainer des Bayerischen-Behinderten-Sportverbandes, kommentierte den "Fall Stöckel" so: "Es wurde nicht nach der Leistung entschieden, sondern es war eine politische Entscheidung im Präsidium. Christine hätte in Peking mit der Luftpistole hervorragende Medaillenchancen."
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