SPEINSHART. Es brummt, als wäre ein außerirdischer Schwarm Rieseninsekten gelandet, ölig-beißender Gestank von Zweitakter-Abgas liegt in der Luft, der Boden ist zur Schlammwüste aufgewühlt. Schon als Besucher muss man beim 24-Stunden-Mofarennen von Speinshart einiges abkönnen. Seit zwölf Jahren wird hier für genau 24 Stunden der beschauliche Barbaraberg zur Hölle auf Erden. Am Wochenende war es wieder soweit: Knapp 100 Teams waren gekommen mit jeweils drei Fahrern und beliebig vielen Mechanikern, darunter sogar ein Damenteam.
"Am Anfang waren es fast normale Mofas", erinnert sich Peter Schraml, einer der Organisatoren der "Weekend Warriors", so nennt sich der Verein, der die Hölle auf die Erde holt. Die Zeit ist aber nur stehen geblieben, was das Alter der "Mofas" betrifft: Sie dürfen nicht jünger als Baujahr 1990 sein. Denn moderne Mofas haben elektronische Motorsteuerungen, die sich unbemerkt manipulieren lassen. So brettern hier immer noch die Mofa-Oldies von einst herum, wenn auch inzwischen einfallsreich aufgerüstet.
21.08.2008
| Netzcode: 1507268
Beinhart in Speinshart
24-Stunden-Mofarennen fordert Mensch und Gerät
Am Freitagabend nahm der TÜV jedes einzelne Mofa ab und prüfte, ob sie das umfangreiche Reglement einhielten. Jedes geprüfte Mofa erhielt dann einen Transponder, mit dem es auf der Rennstrecke identifizierbar war. Ein Computerprogramm registrierte sämtliche Rundenzeiten und Rundenzahlen und spuckte am Ende die Siegerliste aus.
Starker Regen am Freitag hatte die Hölle erst richtig höllisch gemacht. Denn schnell wühlten sich die Mofas am Samstag in die Erde und frästen tiefe Spurrinnen vor allem in die Kurven. Die von den Veranstaltern markierten "schönen, gediegenen Kurven" wurden so auch noch enorm "kräftezehrend". Wer den Fahrern eine Weile zuschaute, merkte, warum man bei so einem Rennen drei Fahrer braucht: Die Mofas drehen auf dem diesmal 1088 Meter langen Schlammparcours am Samstag etwa 13 Stunden ununterbrochen von morgens bis abends ihre Runden. "Bis die Dämmerung kommt, dann wird aus Sicherheitsgründen das Rennen von einer Runde auf die nächste unterbrochen", erklärten die Organisatoren. Doch die Hölle macht nur Pause. Am Sonntag früh um sechs Uhr geht es wieder weiter. So lange, bis alle Runden gefahren sind. Die besten Teams schaffen das bis gegen 17 Uhr. Das hält kein Mensch alleine aus, und so wechseln sich die Fahrer immer wieder ab. In den Zelten sieht man die müden Krieger liegen oder an den Tischen ruhen, die verschlammte Motorradkluft auszuziehen, lohnt sich meist nicht. Aber auch viele Maschinen halten die 24 Stunden nicht durch. Für so einen Extremeinsatz sind die Mofas nicht gebaut worden, mit denen einst oft Schüler zur Schule oder Lehrbuben an die Werkbank zockelten. Die winzigen Einzylinder-Motörchen mit höchstens 50 Kubikzentimetern Hubraum geben beim Rennen ihr letztes. Bei extremen Drehzahlen bis zu 14 000/Minute wird noch das letzte Pferdestärkchen herausgekitzelt. Zwischen sechs und zehn PS sind es, je nach Geschick der Teams. Aber auch Rahmen und Fahrwerk werden bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit ausgereizt.
21.08.2008
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Beinhart in Speinshart
24-Stunden-Mofarennen fordert Mensch und Gerät
Improvisierte Reparaturen in den zeltüberdachten "Boxen" in freier Natur gehören deshalb zum 24-Stunden-Rennen wir die wummernde Rockmusik, die die Zweirad-Kämpfer zu neuen Hochleistungen antreibt. Aus ganz Deutschland sind die Teilnehmer wieder gekommen, Speinshart ist Kult bei den Mofa-Freaks. Schließlich war es das erste 24-Stunden-Mofarennen in Deutschland überhaupt. Zwischen 15 und 60 Jahre alt waren die Fahrer diesmal, Altersklassen gibt es keine, jeder, der hier mitfährt, wird gleich bewertet. Dazu gehören nicht nur die Rundenzeiten. Es gibt einen Strafenkatalog, nach dem es für Verstöße Rundenabzüge gibt, zum Beispiel wenn jemand die Rennstrecke verlässt und eine Abkürzung nimmt oder die Fahrer auf der Rennstrecke gewechselt werden. Zum 24-Stunden-Mofarennen von Speinshart gehört auch das Festzelt, bei dem am Freitag- und Samstagabend Hardrock-Bands auch noch die Hölle abgehen lassen, wenn die Mofas ruhen.
Doch jetzt ist wieder die Idylle eingekehrt. Und die Pflüge der Bauern machen aus der Hölle auf Erden wieder eine saftige Wiese. Bis nächstes Jahr... Harald Mohr
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