Amberg
Amberg wagt sich an Wagenhaus
Kurfürstlicher Bau am Paulanerplatz in "jämmerlichem Zustand" - Noch kein Nutzungskonzept
Amberg. (tk) Vor fast 400 Jahren entstand am Paulanerplatz eines der imposantesten Gebäude Ambergs. Kurfürst Friedrich V., der spätere Winterkönig, ließ dort ein viergeschossiges Wagenhaus bauen, das im Volksmund heute Schießl-Stadl heißt. Der 1615 entstandene Renaissance-Bau befindet sich seit einem Jahr im Besitz der Stadt, die nun händeringend nach einem neuen Nutzungskonzept sucht.
Als ein "wichtiges Gebäude, das erhalten gehört", bezeichnete CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann am Montagabend bei einem Ortstermin der Christsozialen den Stadl, für den es laut OB Wolfgang Dandorfer in der Vergangenheit immer wieder Interessenten gegeben hat. Aber: "Die sind alle abgesprungen." Deswegen hat die Stadt die ehemaligen Brauerei-Räume, die baulich "in einem jämmerlichen Zustand" sind, gekauft. Hans-Georg Wiegel vom städtischen Hochbauamt führte die CSU-Fraktion durch die Gemäuer und sprach von ersten Sicherheitsmaßnahmen, die bereits realisiert worden sind. So sorgen zum Beispiel Netze dafür, dass die Dachziegel nicht auf Nachbarhäuser und die Straße fallen. Wiegel: "Die Seitenwände sacken ab und der Dachstuhl ist sehr gestört."Aussagen, die den OB später von einer Taktik der kleinen Schritte sprechen ließen. Nach einer umfassenden statischen Untersuchung und einer Bestandssicherung soll das Wagenhaus in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt werden. Bis zur 975-Jahrfeier könnte ein Rohbau entstehen, der genutzt werden kann. Wie zu erfahren war, rechnet das Hochbauamt für einen neuen Dachstuhl und den grundsätzlichen Erhalt des Gebäudes mit 1,6 Millionen Euro. Geld, das laut Mußemann "in den nächsten Haushalten Stück für Stück" einkalkuliert werden soll: "Es ist dringend und notwendig." Unbeantwortet ist dagegen noch die Frage, wer in den Stadl einziehen könnte. "Eine Wohn- und Gewerbenutzung schließe ich aus", sagte Dandorfer und ergänzte, dass es "unwahrscheinlich schwierig" ist, ein Nutzungskonzept zu finden. Zwar sind Parkplätze vorhanden, für eine mögliche Innenstadt-Markthalle ist der Standort aber "zu peripher". Denkbar ist nun die Lösung, Lagermöglichkeiten für das Stadtmuseum und einen Raum zu schaffen, den Privatleute mieten können, um dort Geburtstage, Hochzeiten und andere Feste zu feiern.
Nun wird es Aufgabe der städtischen Gremien sein, eine Lösung zu finden. Bürgermeister Rudolf Maier gab schon mal die Richtung vor: "Ein Stadl ist ein Stadl. Da kann man nichts mit Gewalt reinpressen."
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