Steigende Lebenshaltungskosten: Die Tafel ist für viele Amberger die einzige Chance
(lus/luo) Seit 1. Juli dieses Jahres bekommen Hartz-IV-Empfänger vier Euro mehr. Aktuell erhalten sie 351 Euro pro Monat. Reicht das zum Leben? Die rund 300 Frauen und Männer, die zweimal in der Woche die Amberger Tafel besuchen, schaffen dieses Kunststück Tag für Tag, Monat für Monat.
Eine große Rolle spielen dabei die überdurchschnittlich gestiegenen Lebenshaltungskosten. Exemplarisch sei nur die 25-prozentige Zunahme an Bezugspersonen bei der Amberger Tafel genannt. Jeden Dienstag und Freitag werden dort bedürftige Amberger mit Lebensmittelkörben versorgt. "Waren es im letzten Jahr durchschnittlich 229 Personen, so kommen dieses Jahr schon regelmäßig mehr als 300 Menschen", erklärt Bernhard Saurenbach, der Vorsitzende der Amberger Tafel.
Ein täglicher Kampf
Es ist wieder einmal Freitag und vor dem Gebäude des Vereins stehen unzählige Leute. "Dabei ist heute noch wenig los", sagt eine Rentnerin. Sehr erstaunlich ist der Zulauf trotzdem, zumal die Ausgabe schon seit eineinhalb Stunden läuft. Vereinzelt hört man erregte Diskussionen, jeder ist besorgt. Klar, bei wenig Geld und weiter steigenden Preisen. Ohne die Tafel wüssten viele nicht, wie das Geld für den täglichen Bedarf reichen sollte. "Da möcht' ich oft wissen, wie ich eigentlich so durchkomme", sagt die Mutter eines Sohnes (17). Der hat vor kurzem eine Lehrstelle bekommen, seiner Mutter wurde deswegen das Bezugsgeld gekürzt.
23.07.2008
| Netzcode: 1471073
Amberg
Die Kinder leiden besonders
Steigende Lebenshaltungskosten: Die Tafel ist für viele Amberger die einzige Chance
Von 600 Euro Sozialhilfe braucht sie durchschnittlich 450 Euro für die Miete, 60 Euro für Strom und 30 Euro für das Telefon. Mit dem Kindergeld bleiben - abzüglich von Schul- und Fahrtkosten - gerade 250 Euro. Davon muss sie den Lebensunterhalt für beide bestreiten. Seit zwei Jahren kommt die Frau zur Tafel, aber das Geld reicht trotzdem kaum für das Nötigste. Eine weitere ältere Dame kommt hinzu: "Das ist ein Teufelskreis, aus dem ein Hartz IV-Empfänger nicht rauskommt." Die Lebensmittel holt sie für ihren Sohn und dessen Familie. "Der deutsche Staat sollte sich für die Tafel eigentlich schämen!", schimpft sie. Vor allem für die Kinder bleibe kaum etwas übrig. Schulsachen werden teurer und wer wächst, braucht öfter neue Kleider. Aber die können sich die meisten Leute hier nicht leisten.
Kaputt gehen darf nichts
Im Hintergrund werden die Menschen unterdessen nach Nummern aufgerufen. Die Tafel habe ein System eingeführt, so dass jeder mal als Letzter und als Erster an der Reihe sei, erläutert Saurenbach später. So sei eine gerechte Verteilung gewährleistet. Das finden auch die Bedürftigen: "Die da drinnen haben alle meinen Respekt." Überhaupt hört man nur Lob und Dank für die Tafel und ihre ehrenamtlichen Helfer.
23.07.2008
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Amberg
Die Kinder leiden besonders
Steigende Lebenshaltungskosten: Die Tafel ist für viele Amberger die einzige Chance
"Ich komme mir manchmal wie eine Rabenmutter vor, weil ich meinem Sohn nichts bieten kann", klagt die Mutter weiter. Schon oft musste sie ihrem Jungen einen Wunsch abschlagen, da das Geld nicht ausgereicht hat. Ausgehen oder Kino ist nicht drin. Finanziell noch knapper wird es, wenn Geräte kaputt gehen. "Davor hab' ich wirklich Angst", seufzt die Frau. Gute Beziehungen sind dann oft die einzige Lösung. Und ein Gespür für Schnäppchen.
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