"Der gantz Passion" von Hans Sachs lediglich in England, Russland und Amberg zu finden
Amberg. Seit einiger Zeit präsentiert die Provinzialbibliothek in einer Reihe schöne oder seltene Werke aus ihren Beständen und versucht ihre Entstehungsgeschichte, ihre historische Einordnung, aber auch ihre heutige Einschätzung und Bedeutung zu veranschaulichen. Zu diesen wohl gehüteten Schätzen gehört auch "Der gantz Passion", ein Spiel vom Leiden und Sterben Jesu des Nürnberger Meistersingers Hans Sachs, das vor knapp 450 Jahren in Amberg gedruckt wurde.
Weltweit sind von diesem Buch nur drei Exemplare nachweisbar, und zwar in Bibliotheken in England, Russland und eben erfreulicherweise in Amberg, der Ort seiner Entstehung. Als Verfasser einer bayerischen Theatergeschichte der frühen Neuzeit und Spezialist für die bayerische Passionsspiel-Tradition und -Geschichte gab der Germanist Manfred Knedlik in seinem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung einen umfassenden Einblick in das Amberger Passionsspiel.
Hans Sachs (1494-1576), heutzutage vor allem aus Richard Wagners "Meistersingern" bekannt, war von Beruf Schuhmacher und zugleich auch ein überaus produktiver Poet, der in seinem Leben mehr als 6000 Texte (Meisterlieder, Spruchgedichte, Fastnachtsspiele u.a.) verfasst hat. Den wenigsten ist geläufig, dass er auch ein Passionsspiel gedichtet hat.
Schon im Mittelalter galten geistliche Spiele als sehr wirkungsvolles Mittel, um der leseunkundigen Bevölkerung biblisches Grundwissen vor Augen zu führen und Szenen aus dem Leben Christi sinnlich nachvollziehbar zu machen.
21.07.2008
| Netzcode: 1467991
Amberg
Weltweit nur drei Exemplare
"Der gantz Passion" von Hans Sachs lediglich in England, Russland und Amberg zu finden
Enge Beziehung zu Amberg
Zwar missbilligte Luther die manchmal effekthascherische Theatralisierung der Passionsspiele. Das hielt Sachs als Anhänger der reformatorischen Lehre dennoch nicht davon ab, das Spiel zu verfassen. Allerdings konzentrierte er sich streng auf den Wortlaut der Evangelien. Als Zeitgenosse Luthers war Hans Sachs schon früh mit dessen Theologie in Berührung gekommen und stellte sein dichterisches Schaffen in den Dienst der Reformation. Seine Texte sollten, ganz im Sinne Luthers, belehren und zu einem christlichen Lebenswandel anleiten.
Hans Sachs scheint eine enge Beziehung zu Amberg unterhalten zu haben. Er ließ sein Passionsspiel "Der gantz Passion" nicht nur von dem Amberger Buchdrucker Wolf Guldenmund drucken, sondern widmete das Werk sogar dem Rat der Stadt Amberg. Ob das Spiel darüber hinaus damals in Amberg auch aufgeführt worden ist, lässt sich anhand der Quellen zwar nicht nachweisen, scheint aber doch recht wahrscheinlich zu sein.
21.07.2008
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Amberg
Weltweit nur drei Exemplare
"Der gantz Passion" von Hans Sachs lediglich in England, Russland und Amberg zu finden
Mehrfach gespielt
Im 20. Jahrhundert wurde jedenfalls Hans Sachsens "Passion" in Amberg gleich mehrfach gespielt, nämlich in den 50er Jahren in der Mariahilfberg-Kirche und 1984 in der Paulanerkirche, aufgeführt von der Theatergruppe des Max-Reger-Gymnasiums. Die "Passion" von Hans Sachs ist also nicht nur ein überaus seltenes Buch, sondern auch ein Text, der heute noch durch seine Aufführungen lebt.
Die Ausstellung im barocken Bibliothekssaal dauert noch bis zum 1. August (Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.30 bis 12.30 Uhr; Montag bis Donnerstag 13.30 bis 16 Uhr). Der Eintritt ist frei. Der Vortrag von Manfred Knedlik ist in einem kleinen Ausstellungsführer erschienen und in der Provinzialbibliothek zum Preis von drei Euro erhältlich.
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