Von Uli Piehler  |  18.07.2008  | Netzcode: 1464596

Das Wahlkampf-Pendel zugunsten der Pauschale

Kommentar von Uli Piehler

Es ist Wahlkampf in Bayern. In gut zehn Wochen wählt der Freistaat einen neuen Landtag, und die CSU muss zum ersten Mal seit 1962 um ihre absolute Mehrheit fürchten. Da ist es für die christsozialen Wahlstrategen höchste Zeit, die große Linie wiederzufinden, die Vordenker Alois Glück seit geraumer Zeit vermisst.

Zur großen Linie gehören bei der CSU immer schon zwei Dinge: die Abgrenzung von der Schwesterpartei CDU und die Bauchpinselung des sozialen Gewissens der Partei. Da kommt das Thema Pendlerpauschale wie gerufen - egal, was die eigenen Leute vor zwei Jahren im Bundestag beschlossen haben. Beim CSU-Parteitag am Wochenende können sich die bayerischen Schwarzen deswegen so richtig schön profilieren. Angela Merkel kommt, um ein paar Seitenhiebe einzustecken, und die Berufspendler im Flächenstaat Bayern dürfen sich endlich der längst eingeforderten Aufmerksamkeit erfreuen. Die große Linie - sie rückt wieder in Sichtweite. Pech nur, dass auch die SPD den Braten gerochen hat. Im Bemühen mitzuhalten, legen sich die bayerischen Sozialdemokraten mit Peer Steinbrück an und fordern gar ein Pendlergeld, das aus Landesmitteln finanziert werden soll. Und auf einmal kippt die Stimmung in ganz Deutschland. Führende CDU-Politiker und neun von 16 SPD-Landesverbänden sprechen sich für die Wiedereinführung des alten Regelsatzes aus. Im Bundestag soll es dafür bereits eine Mehrheit geben. Was so ein bisschen Wahlkampf zwischen Vogtland und Alpen doch alles bewirken kann.

Wahlkampfgeplänkel sagen die einen, politischer Willensbildungsprozess die anderen. Aber über das Hü und Hott der Parteien zu lamentieren, weil sie auf bevorstehende Wahlen schielen, ist nicht angebracht. Der Kampf um die Wählergunst in Bayern hat zur Renaissance der Pendlerpauschale in ganz Deutschland geführt. So funktioniert Demokratie.


Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.

Konsumgutscheine für alle - eine Mogelpackung

Kommentar von Frank Werner

"Ja ist denn schon Weihnachten?", fragt sich nicht nur Franz Beckenbauer. Konsumgutscheine in Höhe von bis zu 500 Euro sollen die Bundesbürger bekommen, um die Konjunktur anzukurbeln, so der mehr...

Richtungslos: Die CDU mutiert zu Merkels Kanzlerwahlverein

Kommentar von Albert Franz

Parteitage, die nicht ans Gemüt gehen, haben ihren Zweck verfehlt. Nun, Angela Merkels Bericht zur Lage der Nation war den CDU-Delegierten überwiegend zu geschäftsmäßig-nüchtern. Selbst Friedrich mehr...

Auf Kriegsfuß

Kommentar von Jürgen Umlauft

Der Rechnungshof steht mit dem Verfassungsgebot zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Bayern auf Kriegsfuß. Der von ihm kritisierte Umzug des Amtes für ländliche Entwicklung nach mehr...

Das Milliarden-Ding: Wahnsinn, wo sind deine Grenzen?

Kommentar von Jürgen Umlauft

Der Rettungs- und Sanierungsplan für die Bayerische Landesbank ist für die Mitarbeiter hart und für den Steuerzahler teuer. Aber er ist auch ohne jede Alternative. Denn würde die Bank pleitegehen, mehr...