Von Martin Staffe  |  09.04.2008  | Netzcode: 1337087

Schutzpatronin aller spanischsprachigen Länder

Kloster in Guadalupe mit der schwarzen Madonna seit 1994 Weltkulturerbe

Wenn am 8. September die Mutter Gottes von Guadalupe ihren großen Feiertag hat, kann in der brechend vollen Basilika keiner umfallen. Tausende Gläubige strömen von überall her in den abgeschiedenen, knapp 3000 Einwohner zählenden Ort in der Extremadura an der Grenze zu Portugal. Die schwarze Madonna, die in prächtigem Kleid und Perlenkrone durch die Kirche und den Kreuzgang getragen wird, ist die Schutzpatronin aller spanisch sprechenden Länder.

Eher einer trutzigen Festung denn einer Basilika
Eher einer trutzigen Festung denn einer Basilika gleicht die mächtige Anlage in Guadalupe. In dem im Mai zu Ende gehenden Jubiläumsjahr strömte eine Million Besucher in den kleinen Ort in der Extremadura. Bilder: Staffe
Die gewaltige Anlage mit Kirche und Kloster erstreckt sich auf einer Fläche von fast 25 000 Quadratmetern und ähnelt eher einer trutzigen Festung denn einer Basilika und einem Kloster, deren Türme weithin sichtbar in den Himmel ragen. Seit Gründung des Klosters Anfang des 14. Jahrhunderts veranschaulicht es vier Jahrhunderte religiöse spanische Architektur: Mudéjar, Gotik, Barock und Renaissance. Nach Santiago de Compostela ist Guadalupe der zweitgrößte Pilgerort des Landes. Das Kloster wurde 1993 zum Weltkulturerbe ernannt.

Wunder nehmen kein Ende



Das ist die Geschichte der Mutter Gottes von Guadalupe: Papst Gregor schenkte die Ikone im Jahr 580 Erzbischof Leander von Sevilla. Es handelte sich damals schon um eine sagenumwobene Mutter-Kind-Figur aus Zedernholz, die der Evangelist Lukas selbst aus dem Holz geschlagen haben soll. Nach dem Mauren-Einfall 711 wurde sie versteckt und ging mit den Wirren der Zeit verloren.

Kirchenbücher, Messgewänder und Gemälde


Das Königliche Kloster Guadalupe beherbergt drei prächtige Museen. Vorbei am Mudéjar-Tempel im Hof des gotischen Kreuzgangs erreicht der Besucher das Büchermuseum. Wo früher die Armen versorgt wurden, werden Kirchenbücher und Miniaturmalereien aus fünf Jahrhunderten ausgestellt.

Alte, metergroße Gesangsbücher sind bis zu 60 Kilogramm schwer. Auf den illustrierten Buchseiten leuchtet es goldfarben, rot und blau. Nennenswert ist das "Stundenbuch des Priors", ein Gebetbuch aus dem 16. Jahrhundert. Im alten Refektorium ist das Stickereimuseum untergebracht. Es enthält alte Messgewänder und ähnliche Stickereien, die alle im Kloster genäht worden sind. Zur Einweihung 1928 kam sogar König Alfonso XIII., der Großvater des heutigen spanischen Königs.

Das dritte Museum in der einstigen Klosterkonditorei ist den Schönen Künsten gewidmet. Hier gibt es wertvolle Skulpturen und Gemälde zu sehen, unter anderem vom berühmtesten Maler der Extremadura, Francisco Zurburán. Weitere seiner Werke zieren die Sakristei, die wegen ihrer großartigen künstlerischen Ausgestaltung die "Königin der Sakristeien Spaniens" genant wird. Als Meisterstück Zurburáns gilt die Aufnahme des heiligen Hieronymus in den Himmel. Sehenswert ist auch die Schatz- und Reliquienkammer.

Die meisten Wallfahrer kommen im August und September nach Guadalupe. Das Jubiläumsjahr "100 Jahre Anerkennung als offizieller Wallfahrtsort" endet am 18. Mai und hat die Rekordzahl von einer Million Besuchern beschert. (ms)
Im 13. Jahrhundert erschien dem Kuhhirten Gil Codero aus Cáceras die Mutter Gottes und wies ihn an, an einer bestimmten Stelle zu graben. Tatsächlich fand man die verschwundene Marienfigur. Sie hatte in ihrem Versteck sechs Jahrhunderte unversehrt überstanden. Ein Wunder!

Sofort errichteten die Spanier an der Fundstelle einen bescheidenen Altar. Und die Mirakel, die die schwarze Madonna seitdem wirkt, nehmen kein Ende. Nachdem König Alfonso XI. von Kastilien die Mauren geschlagen hatte, ließ er zum Dank an die Mutter Gottes die Kirche und das Kloster bauen. 1389 wurde das Kloster dem Orden des heiligen Hieronymus übergeben. Mit der Säkularisation musste der Orden Guadalupe verlassen. 1907 folgten die Franziskaner-Minoriten, die bis heute Kloster und Kirche betreuen. Aktuell sind es neun Patres.

Madonna dreht sich


kloster
Einzigartig ist im Hof des 1000 Quadratmeter großen Kreuzgangs der Tempel im Mudéjar-Stil.
In der Klosterkirche, vom Fuße des Altarbildes betrachtet, erscheint die 59 Zentimeter große schwarze Madonna winzig. Aber über eine Hintertreppe dürfen die Pilger zum Abschluss und Höhepunkt der Führung hinauf zur über und über mit Gemälden geschmückten Nische der Heiligen, der Camarin. Der achteckige Kuppelsaal ist eine Glanzleistung des spanischen Barock.

Ein Knopfdruck, und die Figur im Altarbild dreht sich um die eigene Achse, und die Besucher stehen - unter Aufsicht eines Paters - der Mutter Gottes von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Auf ihrem Schoss sitzt eine 29 Zentimeter große Jesus-Figur, deren silberne rechte Hand in segnender Position ausgestreckt ist. Viele Eltern kommen mit ihrem Neugeborenen und vertrauen es der Mutter Gottes an, Pilger haben große Blumensträuße dabei und machen eine Geldspende.

Bevor Christoph Kolumbus zu seiner Reise in die Neue Welt aufbrach, soll er die schwarze Madonna angefleht haben, sie möge ihn beschützen. Da sie ihn offenbar erhört hatte, benannte er zum Dank eine Inselgruppe, die er als erster Europäer betrat, Santa Maria de Guadalupe de Estremedura und machte die Heilige Jungfrau zum Symbol für die Christianisierung des größten Teils von Amerika und zur Schutzherrin Mexikos. Zahlreiche Orte gleichen Namens in Südamerika legen hiervon Zeugnis ab. Heute ist Guadalupe der wichtigste europäische Wallfahrtsort der lateinamerikanischen Völker.

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