Da gibt's was auf die Ohren
Musik vom Digital-Händler: Internet-Läden setzen endlich auf Klang und Kopierbarkeit
Einer der wichtigsten Körperteile von Musikfans ist der Zeigefinger - zum Durchblättern von CDs oder auch Platten. In dieser Hinsicht müssen die Soundliebhaber nicht umdenken, sollte es irgendwann keine Plattenläden mehr und stattdessen nur noch Downloadshops geben. Tatsache ist: Das Herunterladen von Musik wird immer wichtiger, die Zahl der Shops wächst - bald zum Beispiel um einen Ableger von 7digital.
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| Populärer Musikladen im Netz: Apples iTunes. |
Unter www.nowdio.de ist das neue 7digital-Angebot vom 1. April an erreichbar. "Das ist ein Shop, der sich allein auf MP3s konzentiert und in dem es kein DRM geben wird", sagt Produktmanager Carsten Schumacher in Köln. DRM steht für Digital Rights Management - "kein DRM" bedeutet: Der Nutzer kann heruntergeladene Songs beliebig oft brennen sowie auf beliebig vielen Rechnern und MP3-Playern abspielen.
Die Songs im Katalog, über dessen Größe das Unternehmen zuletzt noch keine Angaben machte, werden mit durchschnittlich 256 Kilobit pro Sekunde (kbit/s) angeboten, also in recht hoher Qualität. Schrittweise sollen die Bitraten auf 320 kbit/s erhöht werden. Die Preise werden sich an denen bei www.7digital.de orientieren. Dort kostet etwa der aktuelle Song "Supernatural Superserious" von R.E.M. 99 Cent. Der "alte" Shop wird weiterbetrieben - im Gegensatz zu Nowdio gibt es dort auch Songs in anderen Formaten als MP3, etwa AAC.
Der Shop "Amazon MP3" wird künftig unter der bekannten Adresse www.amazon.de zu finden sein. "Kunden können davon ausgehen, dass sie dort ein DRM-freies Format in hoher Qualität kriegen werden", sagt Amazon-Sprecherin Christine Höger in München. Diese "hohe Qualität" dürften die 256 kbit/s sein, mit denen die Musik im US-Shop angeboten wird - im DRM-freien Format MP3.
Wann es losgeht, verriet Höger aber nicht. Sicher ist, dass der Laden noch dieses Jahr auch in anderen Ländern als den USA eröffnen wird - nicht aber, ob Deutschland eines dieser Länder ist. Auch Preise waren nicht zu erfahren. In den USA kosten die meisten der 3,3 Millionen Songs 89 oder 99 US-Cent, Alben meist zwischen 5,99 und 9,99 US-Dollar (9,99 Dollar = 6,58 Euro; Stand 4. März). Mit solchen Preisen darf in Deutschland aber vermutlich nicht gerechnet werden.
So gibt es beispielsweise bei www.musicload.de zwar Alben bereits ab 7,95 Euro, aktuelle kosten aber 9,95, manche auch 11,95 oder 12,95 Euro. Einzelne Songs gibt es im Musikshop der Deutschen Telekom zu Preisen ab 0,79 Cent. Neue Hits schlagen oft mit 1,29 Euro zu Buche. Bezahlt werden kann per Kreditkarte oder Click-and-buy-System: Telekom-Kunden können sich das Geld über die Telefonrechnung abbuchen lassen, und etwa in T-Punkt-Läden gibt es "Micro Money" genannte Guthabenkarten.
Derzeit stehen drei Viertel der rund 3,3 Millionen Musicload-Songs als WMA-Dateien mit einer Bitrate von 128 kbit/s bereit. Das übrige Viertel entfällt auf MP3s mit 256 kbit/s - dieser Anteil soll nach und nach steigen. Die MP3-Dateien sind DRM-frei, dagegen gibt es - je nach Rechteinhaber - bei den WMAs unterschiedliche Beschränkungen für das Brennen: So darf etwa Leona Lewis' Hit "Bleeding Love" fünfmal, R.E.M.s "Supernatural Superserious" aber siebenmal kopiert werden.
Apples' iTunes-Store arbeitet nur mit AAC-Dateien, die außer dem iPod nicht viele mobile Player abspielen können. Auch hier wird zwischen DRM-freier Musik und solcher mit eingeschränkten Rechten unterschieden. "Eingeschränkt" bedeutet hier etwa: Einzelne Downloads können beliebig oft gebrannt werden, Playlisten aber nur fünfmal.
Napster gibt es immer noch
"Wir arbeiten daran, möglichst viele Songs DRM-frei anzubieten", sagt Apple-Sprecher Georg Albrecht in München. Wo das gelingt, kommt es den Kunden auch klanglich zugute: Stücke ohne DRM werden mit 256, nutzungsbeschränkte nur mit 128 kbit/s angeboten. Auf den Preis hat die Rechtefrage keinen Einfluss: Ein Song kostet 99 Cent, ein Album meist 9,99 Euro. Bezahlt wird per Kreditkarte oder Click-and-Buy. Zudem gibt es Prepaid-Karten - im Elektrohandel, aber auch per Mail.
Wer im Apple-Laden kaufen will, braucht iTunes. Auch Kunden von Napster, der ehemals bekannten Plattform für "schwarze" Downloads, die heute ein legaler Anbieter ist, müssen sich eine Software herunterladen. Stärker als anderswo setzt man unter www.napster.de auf Flatrates: die Erlaubnis, sich für monatliche Pauschalen - ab 9,95 Euro - aus dem Katalog zu bedienen. Bei "Napster Light" kostet ein Song 99 Cent, ein Album ab 9,95 Euro. Dafür gibt es WMAs mit 192 kbit/s. Songs dürfen beliebig oft, Playlists sieben Mal gebrannt werden.
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