In Schwandorf erfreut sich die Mädchenrealschule Sankt Josef, früher bekannt als "Dominikanerinnenschule", großer Beliebtheit. Sie gehört seit 2003 zur Schulstiftung der Diözese Regensburg. Bild: Götz
(dpa) Privatschulen sind in Deutschland in der Minderheit. Aber sie legen zu. Und auch die Zahl der kirchlichen darunter wächst. Während die großen Kirchen unter Mitgliederschwund leiden, können ihre Schulen gar nicht so viele Kinder aufnehmen, wie deren Eltern gerne möchten.
Für viele von ihnen geht es dabei weniger um religiöse Erziehung als um pädagogische Qualität - und in der Hinsicht genießen kirchliche Schulen einen großen Vertrauensbonus.
Maylin steht vorne an der Tafel und hält ein Referat über den Maulwurf. Und kaum hat sie aufgehört, gibt es eine Menge Fragen: Wie viele Finger ein Maulwurf hat, möchte einer von ihnen wissen. Wie schnell er unter der Erde buddeln kann, fragt ein anderer. Der Schulunterricht läuft hier scheinbar von selbst - ohne Lehrer, der vorne steht und den Takt vorgibt.
Jahrgangsübergreifend
Nach diesem Ansatz wird in der Bugenhagenschule in Hamburg-Alsterdorf in jedem Klassenzimmer unterrichtet. Genau deswegen hat sich Sandra Döbler hier vor zwei Jahren als Lehrerin beworben. Unterrichtet wird jahrgangsübergreifend: Zusammen mit Maylin lernen Schüler der ersten bis dritten Klasse. "Sie können sich dadurch besser gegenseitig unterstützen", sagt Sandra Döbler. "Und es gibt weniger Konflikte, gerade unter den Jungs."
20.11.2007
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Hannover/Bonn
Gegen den Trend
Immer mehr Kinder lernen auf kirchlichen Schulen
Arbeit nach Wochenplan
Auch einen festen Stundentakt gibt es nicht. Gearbeitet wird mit einem Wochenplan und individualisiert - also nicht nach dem gleichen Programm für alle, sondern abgestimmt auf die jeweiligen Fähigkeiten. Und zwar auch auf die von lernschwachen und lernbehinderten Schülern.
"An vielen Schulen ist das pädagogische Konzept lehrerzentriert, bei uns ist das nicht so", sagt Annika Woydack, Projektleiterin bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, zu der auch die Bugenhagenschule gehört. Die Nachfrage ist entsprechend groß: "Wir haben für jeden Platz drei Bewerbungen", sagt Woydack. Das liegt im Trend: Rund 640 000 Schüler gibt es an Privatschulen.
Noch sind Schulen in kirchlicher Trägerschaft vergleichsweise selten: "Die evangelischen machen nur 2,2 Prozent aller Schulen in Deutschland aus", sagt Uta Hallwirt von der Wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule der EKD in Hannover. Die katholischen Schulen haben einen Anteil von etwa drei Prozent.
20.11.2007
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Hannover/Bonn
Gegen den Trend
Immer mehr Kinder lernen auf kirchlichen Schulen
Doch diese bescheidenen Werte sind nur die halbe Wahrheit - denn die konfessionellen Schulen legen zu: "Zwischen 1993 und 2006 wurden mehr als 100 Schulen in evangelischer Trägerschaft neu gegründet", sagt Hallwirth. Und das, obwohl Schulen in kirchlicher Trägerschaft - von Ausnahmen abgesehen - Schulgeld verlangen, das bis zu 120 Euro im Monat betragen kann.
"Konfessionelle Schulen haben mit Blick auf Qualität einfach ein gutes Image", sagt Schreiber. In der Regel sei auch die Motivation der Lehrer höher - obwohl sie nicht verbeamtet werden und üblicherweise weniger verdienen. Dass die Kinder in der "richtigen" Kirche getauft wurden, ist keine zwingende Voraussetzung: "Bei uns gibt es auch katholische und muslimische Schüler", erzählt Woydack, "und sogar katholische Lehrer." Ob die Konfession bei der Auswahl der Schüler eine Rolle spielt, ist sehr unterschiedlich geregelt.
Gutes Klima entscheidend
Annika Woydack beobachtet: "Eltern möchten, dass Kinder in der Schule Werte und Halt bekommen." Und das gelte auch für diejenigen, die mit Glauben nicht viel anfangen können. Mindestens genauso wichtig sei der Wunsch, dass Kinder in möglichst gutem Schulklima unterrichtet werden. Da seien konfessionelle Schulen oft im Vorteil.
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