Von Gertraud Portner  |  22.04.2007  | Netzcode: 11000879
Winklarn

Trauer und Freude

Seit 150 Jahren: Heimat der Hinterglasmalerei

Der Mann im grauen Trachtenjanker sitzt auf der Holzbank im Herrgottswinkel und beugt sich über ein Blatt Papier. Stifte, Pinsel und Farben liegen verstreut auf dem Tisch. "Der schaut ja aus wie echt" - Besucher im neuen Museum in Oberviechtach reiben sich die Augen, wenn sie die Raumfigur "Hinterglasmaler der Winklarner Schule" sitzen sehen. Von der großen Kunst der Winklarner Hinterglasmaler zeugen die Werke, die in verschiedenen Museen untergebracht sind. 220 Risse (Vorlagen) sind im Museum der Stadt Regensburg ausgestellt. Erst nach 1770 sind deutlich signierte und datierte Werke bekannt, die allerdings Ähnlichkeiten mit älteren Werken aufweisen. Die bekanntesten Maler waren von der Familie Roth Thomas Aquinus (1766 bis 1841) und die Brüder Francisus (1756 bis 1824) und Josefus (1761 bis 1818). Fortgesetzt wurde diese Tradition von der Familie Ruff, einer angeheirateten Verwandtschaft.

Votiv-, Andachts- und Kreuzwegbilder stellten einen Großteil des künstlerischen Schaffens dar. Mit einem Votivbild, dass in einer Kapelle oder Wallfahrtskirche dargebracht wurde, erbat der Votant göttliche Hilfe in einem Anliegen oder brachte auch seinen Dank für bereits erfolgte Hilfe zum Ausdruck. Das irdische Ereignis war häufig bildlich oder schriftlich zu einer Heiligenszene auf dem Hinterglasbild angebracht. Ein beliebtes Motiv war die Amberger Maria-Hilf-Madonna.

Neben dieser Volkskunst war die Auftragspalette der Maler weit gestrickt. "Öhl- und Zimermaler, Vergolder, Anstreicher, Lakirer, Tapezierer und Glas-Maler" schlüsselt Karl Joseph Ruff im Jahr 1868 auf einem Riss sein berufliches Tätigkeitsfeld auf. Ein Schicksalsschlag löschte die Winklarner Hinterglasmalerei aus. Karl Joseph Ruff starb 1915 nach einem Schlaganfall und Sohn Rudolf - als letzter Maler - fiel 1914 im Ersten Weltkrieg an der Westfront. Anfang der siebziger Jahre verschwand dann auch das alte Handwerkerhaus in Winklarn und machte Platz für ein Wohnhaus.


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