Von (roa)  |  01.11.2006  | Netzcode: 10940043
Amberg

*hdl* und *cul8er*

Ein neuer Duden über eine neue "Sprache"

Amberg. (roa) 17.30 Uhr von Claudia: "Um 20:15 vorm kino?". Die Antwort fünf Minuten später von Nicole: "Geht in Ordnung bis dann." Mit diesen banalen Frage- und Antwort-SMS beschäftigt sich der neue Duden aus der Reihe "Thema Deutsch". Verändern E-Mails, Chat und SMS die deutsche Sprache?

Sind Wörter wie *grins* oder Zeichen wie ;-) Ausdruck eines um sich greifenden Sprachverfalls? Lösen neue Kommunikationsformen alte ab? Was kennzeichnet die Sprache der neuen Medien? Die Antworten darauf sind - überraschenderweise - nicht in 160 Zeichen zu packen. 19 Autoren beschäftigten sich unter anderem mit der deutschen Sprache im Internet, der Entstehung neuer, eigenständiger Mediengattungen oder den Einfluss des Internets auf die soziale Kommunikation - das ganze auf 336 Seiten.

Wer sich allerdings ein duden-mäßiges Abkürzungs-Lexikon erhofft, der wird enttäuscht. "Von *hdl* bis *cul8r* - Sprache und Kommunikation in den neuen Medien" analysiert das, was wir eigentlich als selbstverständlich betrachten: unsere Sprache im Alltag. Im neuen Duden finden sich so Sätze wie "Tu grad mit Sunny phonieren: ganz viele *knubus*. Tschüssilein!Sunny+Isa.BYE" und andere sprachliche Peinlichkeiten, die per Tastenfunktion übermittelt wurden. Einer der Autoren, Gurly Schmidt, hat beispielsweise herausgefunden, dass SMS-Kommunikation typischerweise in vor allem zwei- bis viersträngigen Dialogen abläuft. Nach einer finnischen SMS-Studie wird die zeitliche Erwartung bezüglich einer Antwortbotschaft mit 15 bis 30 Minuten angegeben. Nach dieser Zeit wird vom Sender eine Rechtfertigung erwartet.

Speicher voll oder Akku leer, Handy weg oder kaputt - irgendwas muss sich der Antwortende einfallen lassen. Immerhin lassen sich per SMS auch Liebesbeziehungen führen: Nach Untersuchungen sind Freizeitplanung und Termine (21,5 Prozent) sowie Liebe und Freundschaft (17,6 Prozent) die weitaus wichtigsten Themen der SMS-Kommunikation. Auf den hinteren Plätzen folgen Schule und Beruf.


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