Von Josef Wieder  |  14.10.2005  | Netzcode: 10780823
Weiden

Abnehmen mit Muskelkater

Idealkandidat für "Studie mit Biss": Untrainiert und übergewichtig

Weiden. Kalorien hab ich nie gezählt. Jetzt habe ich den Salat - auf dem Teller. Obst und Gemüse schätzte ich einst als Beilage. Jetzt werden sie zum Hauptgericht - so wollen es Astrid und vor allem meine Frau. Die meint zwar, sie liebt jedes Gramm an mir. Sie würde jedes Pfund weniger aber auch sehr schätzen. Sie war von Astrid Schmitts Idee "Studie mit Biss" begeistert: Also beiße ich - wie 193 NT-Leser - in den sauren Apfel.

Die Einweisung von Wolfgang Völkl: locker und leger. Ich darf den "Vorturner" spielen. Wahrscheinlich bin ich nicht nur übermotiviert, sondern auch ungeschickt. Drei Damen schauen amüsiert zu: Die Geräte scheinen mich nicht so recht zu mögen. Beim "Absteigen" vom Adduktorentrainer (nach nur einer Minute), gehe ich in die Knie: Mir sacken förmlich die Beine weg. Nach 60 Sekunden am Rudergerät kann ich den Klammergriff kaum mehr öffnen. Mir wird endgültig bewusst: Du bist nicht nur übergewichtig, sondern völlig untrainiert und daher doch ein Idealkandidat für die "Studie mit Biss". Die Damen sind besser bei Laune, reden noch darüber, dass sie wohl noch rüber ins Restaurant gehen.

Die sechs Minuten am "Cross-Walker" sind fast ein Klacks. Bein-, Bauch- und Rückentraining (im Liegen, bzw. Sitzen) fallen nicht schwer. Auch die sechs Minuten auf dem Trainingsrad sind zu meistern, obwohl der Puls inzwischen hämmert. Sogar die zweite Runde im "Miha-Circle" ist noch durchzuziehen. Die Quittung folgt am nächsten Tag. Muskelkater.

"Josef, dein Gesicht wird immer länger", wundert sich Astrid Schmitt in der ersten Theorie-Stunde. Wie drei Dutzend Zuhörer neben mir studiere ich die sieben grünen Blätter, die sie soeben verteilte. In drei Spalten sind die Lebensmittel aufgeführt, die den Abnehmerfolg unterstützen, die ab und zu zu genießen sind und jene, um die ein großer Bogen zu machen ist. Den entscheidenden "Fehler" habe ich schnell entdeckt. Ich melde mich: "Knödel und Schweinebraten stehen in der falschen Spalte."

Anschaulich erklärt die Fitnesstrainerin, wie Ernährung funktioniert, welche Bedeutung die Kohlenhydrate dabei haben. Diese Superkraftstoffe sollen in den nächsten vier Wochen möglichst wenig nachgetankt werden, damit die Pfunde purzeln können. "Viele essen noch wie Schwerstarbeiter, arbeiten aber körperlich kaum. Wer viele Kohlenhydrate aufnimmt, kommt nie an seine Fettdepots."

"Ich bin keine Diät-Tante, halte nichts vom ewigen Brotscheibenwiegen und Erbsenzählen", betont Astrid Schmitt und verspricht Abnehmen mit Spaß. "Wir machen keine Hunger-Studie. Der Magen braucht Arbeit: fünf Mahlzeiten, drei Liter Flüssigkeit am Tag. Esst mit Genuss. Die Auswahl an gesunden Lebensmitteln ist riesig. Wir müssen nur weniger Energie aufnehmen als wir verbrauchen." Ihre Tipps werden eifrig mitgeschrieben.

Eifrig bei der Sache ist auch meine Chefköchin. Die grünen Blätter sind fest in ihrer Hand. Mit großer Fantasie werde ich (aus der ersten Spalte) bekocht. Zur "Brotzeit" gibt's jetzt Obst. Doch die Versuchung lauert überall: Bäcker, Metzger, Würstl-Stände. Astrid Schmitt kennt offenbar ihre Pappenheimer. "Ich weiß, ihr werdet sündigen", meint sie nach Wiegen und Messen. "Aber sündigt nicht jeden Tag." Also doch: Kalorien zählen!


Heute

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Zum Artikel: Lichtblicke

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