Von Wolfgang Benkhardt  |  05.03.2004  | Netzcode: 10524063
Neustadt/WN

Zwerchfellattacken am laufenden Band

Fredl Fesl gastiert in Neustädter Stadthalle - Zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung

Parkinson hin, Parkinson her: Fredl Fesl ist nach wie vor ein Garant für volle Säle und Zwerchfellattacken am laufenden Band. Der bajuwarische Barde gastierte am Mittwoch in der Neustädter Stadthalle. Mit 660 Zuschauern war die "Bude" brechend voll. Fesl tat das, was er seit Jahrzehnten tut, was er kann wie kaum ein anderer und was ihn so bekannt gemacht hat. Er plauderte locker drauf los, begleitete mit den Nylonsaiten seiner Gitarre "Lieder aus seiner niederbayerischen Heimat Niederbayern" und würzte das Ganze mit jeder Menge Spitzfindigkeiten und Sinnverdrehern.

"Das ist ja narrisch"



So kennt man Fesl: Leger gekleidet mit Gitarre und einem Seidel Bier kommt er auf die Bühne und bedankt sich artig für den Applaus "Das ist ja narrisch." Dann ruft er dem Publikum ein "Grüß Gott beinand" entgegen, stellt das Bierglas auf dem einen Stuhl ab, nimmt selbst auf dem zweiten Platz, stöpselt die Gitarre an die Verstärkeranlage und legt los. Schon die ersten Sätze von den "Frühjahrs- und Herbstabschiedstourneen", die er seit vielen Jahren unternimmt, lösen Lachsalven im Saal aus.

Als Fesl berichtet, wie er in jungen Jahren durch den Umzug der Eltern aus Niederbayern nach Franken "verschleppt" worden ist, johlt das Publikum. Fesl singt und erzählt vom Brauch des Fensterlns, das durch den Bau der Hochhäuser leider aussterbe, dem Missgeschick des "Fensterstock Hiasl", der Dummheit der Mannsbilder ("Der Adam war auch so ein Vollidiot. Er hat sich einfach eine Rippe klauen lassen"), fliegenden Untertassen, dem "Riesenneger im Nieselregen", der in da Liesl ihr Kammer will, Alkoholexzessen durch Freibier und anderen urbayerischen skurrilen Ereignissen.

Den zweiten Teil des Abends geht Fesl mit Songs wie "Salzburger Nockerln", "Der Cowboy" und "Buddy, dem Fallensteller" internationaler an. Er erzählt mit einer Portion schwarzem Humor von Selbstmördern, dem amerikanischen Nachtclubbesitzer "Puffalo-Bill" und einem Konzert in einer Irrenanstalt. Fesl: "Seitdem bin auch ich überzeugt, dass es nur Zufall ist, wer in dieser geschlossenen Anstalt drinnen und draußen ist."

Viele Autogramme



Dann gibt es - endlich - doch noch ein bisserl davon, worauf viele Fesl-Fans gewartet haben: zwei Klassiker aus seinen ersten Alben. Zuerst den "Preißenjodler" mit "Transjodellation" für Gäste aus dem "bayerischen Ausland" und dann den schrägen "Königsjodler" - der nicht nur bei Fans inzwischen Kultstatus genießt.

Kleiner Wermutstropfen zum Schluss: Die zahlreichen Fans versuchen nach zweieinhalb Stunden vergeblich, Fesl durch rhythmisches Klatschen zu einer dritten Zugabe mit Songs wie dem "Taxilied", dem "Fußball-Lied" oder dem "Ritter Hadubrand" noch einmal auf die Bühne zu holen. "Göih, die Lieder san doch scho uralt", schüttelt Fesl später beim Abbau über sein Publikum ungläubig den Kopf. Als kleine Entschädigung erfüllt er bis spät in die Nacht hinein beim Abbau jeden Autogrammwunsch.


Heute

Brüssel

Hund folgt Herrchen seit 80 Jahren

Gesamteuropäisches Kulturgut: Die beiden legendären Comicfiguren Tim und Struppi feiern Geburtstag

Sie haben gemeinsam den Himalaya erklommen, waren ägyptischen Pharaonen auf der Spur und landeten weit vor Neil Armstrong auf dem Mond - nun feiern der Comic-Held Tim und sein treuer Hund Struppi mehr...

Neustadt/WN

Mit Gitarre und schrägem Humor

Die junge Kabarettistin Martina Schwarzmann kommt in die Stadthalle Neustadt

Böse, hintersinnige Texte zu harmlosen Melodien - diese Kombination gehört zum Standardrepertoire der Musik-Kabarettistin Martina Schwarzmann. Die 29-Jährige aus Fürstenfeldbruck bekam 2007 den mehr...
Zum Artikel: Lichtblicke

Berlin/Leipzig

Besucher sollen zuschlagen

Künstler Asisi will Panoramagemälde zerstören lassen

Der Berliner Künstler Yadegar Asisi will sein 100 Meter langes und 30 Meter hohes Panoramagemälde "Rom 312" im Leipziger Panometer in aller Öffentlichkeit zerstören. Das Rundgemälde soll an 1. mehr...

Marbach/Weimar

Dem großen Dramatiker auf der Spur

2009 ist das offizielle Schillerjahr: Ausstellungen und Inszenierungen zum 250. Geburtstag des großen Dichters

Für die einen ist und bleibt er der deutsche Shakespeare, für andere ein "Attitüden-Held" und "Moraltrompeter". 2009 wird Friedrich Schiller aber wieder gefeiert - vor allem natürlich in Marbach am mehr...

Weiden

Die Nekropolen der alten Ägypter

Neue Vortragsreihe im Internationalen Keramik-Museum startet am15. Januar

Mit zwei neuen Referenten, Arnulf Schlüter und Roxane Bicker, jungen Ägyptologen mit Magisterabschluss, die bewährte Mitarbeiter des Ägyptischen Museums München sind, startet das Internationale mehr...

Los Angeles

Dunkler Ritter siegreich

"The Dark Knight" räumt bei US-Publikumspreisen ab

Der düstere Batman-Film "The Dark Knight" von Regisseur Christopher Nolan hat die Top-Preise des amerikanischen Publikums gewonnen. Bei der Vergabe der "People's Choice Awards" am Mittwochabend mehr...

London

Ehrung auf der Insel

"Baader Meinhof" für britischen Filmpreis nominiert

Das deutsche RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" ist für den Preis der britischen Filmakademie (BAFTA) nominiert worden. Die Eichinger-Produktion, bei der Uli Edel Regie führte, geht in der mehr...