Die Kantorei Weiden überzeugt bei "Musik zum Advent" in der Michaelskirche mit Werk Hugo Distlers
Vom musikalischen Gewand des 4. bis ins 20. Jahrhundert, von alttestamentlichen Prophezeiungen bis hin zur Weihnachtsgeschichte im Neuen Testament führte die "Musik zum Advent" in der Michaelskirche.
Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser stellte mit den über fünfzig Sängerinnen und Sängern der Kantorei Weiden anspruchsvolle, bis zu achtstimmige Werke des vor einhundert Jahren geborenen Erneuerers der protestantischen Kirchenmusik, Hugo Distler, vor. Im Zentrum des Konzerts stand dessen kammermusikalisches Oratorium "Weihnachtsgeschichte" mit Tenor Otto Eberhardt als Erzähler.
Der Adventskranz in der Mitte des Kirchenschiffs, das weihnachtliche Altarbild stimmungsvoll beleuchtet - der optische Rahmen sollte sich für die 230 Besucher auch inhaltlich und musikalisch reich füllen. Mit klangschöner klösterlicher Schlichtheit begannen in völliger Reinheit unisono die Frauen- und Männerstimmen (zunächst im Wechsel und dann vereint) mit dem Ambrosianischen Weihnachtshymnus "Veni, redemptor gentium" - "Nun komm, der Heiden Heiland" das feierliche a cappella Konzert.
Die Kantorei Weiden überzeugt bei "Musik zum Advent" in der Michaelskirche mit Werk Hugo Distlers
Bestens geschulter Chor
In mehrstimmigen, reichen Chorsätzen schlossen sich diesem sakralen Frühwerk die fünf Strophen des allbekannten Weihnachtslieds an, gesetzt von den drei Komponisten Balthasar Resinarius, Johann Heugel und Melchior Vulpius. Schon hier wurde die Flexibilität und Kunstfertigkeit der Kantorei Weiden deutlich, die in lockerer Entspanntheit und größter Sicherheit dem Text wie dem Klangbild gerecht wurde, und sich erneut als äußerst leistungsfähiger und bestens geschulter Laienchor erwies.
Direkt daran tauschte Hanns-Friedrich Kaiser das Notenpult gegen die Orgelbank auf der Empore: an der Max-Reger-Orgel brachte der Kirchenmusiker Hugo Distlers Partita zum selbigen Choral zum Klingen.
Das "dynamische Spektrum und die wunderschönen Farben" der Orgel werden inzwischen anhand der achtteiligen CD-Veröffentlichung "Die vier Jahreszeiten" (von Organ Promotion mit Torsten Laux) übrigens nicht nur in der deutschen Fachzeitschrift "Musica sacra", sondern beispielsweise auch im australischen "Sydney Organ Journal" gelobt: Die Weimbs-Orgel, heißt es, sei das "perfect vehicle for the performance of Reger's works".
Die Kantorei Weiden überzeugt bei "Musik zum Advent" in der Michaelskirche mit Werk Hugo Distlers
Als Erzähler des Konzertschwerpunkts mit Hugo Distlers 1933 geschaffener "Weihnachtsgeschichte", hielt nicht nur Solist Otto Eberhard klarstimmig und gut verständlich das vielteilige Werk zusammen: Auch die siebenmalige Variation des Liedes "Es ist ein Ros entsprungen" zog sich wie ein roter Faden durch das Oratorium des Kirchenmusikers, der unter anderem auch beim Reger-Schüler Hermann Grabner in Leipzig studiert hatte. Der komplexe Aufbau des durch zwei Eck-Motetten umschlossenen Opus und seine moderne Tonsprache mit ungewöhnlicher Linienführung stellte höchste Anforderungen an den Chor, der sich souverän allen hohen Anforderungen stellte, wie etwa bei der gleichzeitigen Darstellung einer Choralstrophe zur Rezitativ der Maria.
Hell, offen und zart
Beim äußerst obertonreichen Werk, waren die engelgleichen Soprane bis in himmlische Höhen gefordert und solistisch machten als "König Herodes" Chorsänger Hermann Bock (Bass) und als "Simeon" Tenor Klaus Hofmann eine sichere Figur. Mit dem Bibelvers "Also hat Gott die Welt geliebt" aus dem Johannesevangelium endete das Werk hell, offen und zart.
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