Weiden
Rauchfrei auf Geschmack gekommen
Trotz geplanter Lockerung des Gesetzes: Mancher Wirt will Raucher weiterhin vor die Tür bitten
Weiden. (rg) Unvernünftige Raucher? Von wegen. "Das passt schon so" - diesen Satz hört Egon Schäffer des öfteren von seinen Gästen, wenn die Sprache aufs Rauchverbot kommt. "Und wissen Sie, bei welcher Gelegenheit sie das sagen?", fragt der "La Bodega"-Betreiber. "Wenn wir draußen beisammenstehen und eine qualmen ..."
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| Abwarten und Tee servieren: Einstweilen tendiert Heinz Stehbach ("Heinzelmann") dazu, auch nach der Gesetzesänderung am Rauchverbot festzuhalten. Bild: Wilck |
Heinz Stehbach schlug das strikte Gesetz dagegen erstmal auf den Magen. "Im Januar ist der Umsatz richtig eingebrochen", erzählt er. Der "schlechteste Monat seit 17 Jahren" sei's gewesen - also seitdem es sein "Café Heinzelmann" gibt. Danach hätten sich die Einnahmen auf einem Niveau eingependelt, das weiter unter jenem vor Inkrafttreten des Gesetzes lag. Dennoch tendiert auch Stehbach dazu, Nikotinknechte weiterhin vor die Tür zu schicken. "Die Gäste haben sich dran gewöhnt", stellt der Wirt fest. Und die umfangreiche Renovierung, die anfangs nötig war, um etwa den Geruch von kaltem Rauch zu bannen, soll ja auch nicht vergebens gewesen sein.
Phasenweise rauchfrei?
Letztendlich steht und fällt aber alles mit den Wünschen der Gästen. Das merkt nicht nur Stehbach an. "20 Prozent unserer Stammgäste wollen schon rauchen", sagt Karl-Heinz Merkl ("Hennerloch"). Ihm schwebt daher - falls nach Gesetzeslage möglich - ein Kompromiss vor: "rauchfrei während des Essens, etwa von 11 bis 14 Uhr sowie 18 bis 21 Uhr". Jeder Wirt, meint Merkl, soll selbst entscheiden können, wie er's mit dem Rauchverbot hält.
Und wie hält's das "Salute"? Wie gehabt. Die Rockkneipe birgt einen Nebenraum, zu dem nur Mitglieder des "Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur" (VEBWK) Zutritt haben: geschlossene (Raucher-)Gesellschaft. Nach der geplanten Gesetzesänderung kann das Zimmer wohl ganz unverblümt unter "Raucherstüberl" firmieren. "Die lästigen Ausweiskontrollen können wir uns dann sparen", freut sich Andreas Stock. Nicht zur Diskussion steht, den restlichen Gastraum umzuwidmen. "Das Rauchverbot wurde gut angenommen", erklärt Stock. "Viele Leute kommen zum Essen, auch mit Kindern. Sie fühlen sich wohl."
Insgesamt rund 20 Lokale - Einraumkneipen und solche mit speziellen Nebenräumen - sind in Weiden und Umgebung noch als VEBWK-Versammlungsstätte (also Raucher-Asyle) ausgewiesen. Zahlreiche weitere Wirte "machten ihren eigenen Raucherclub auf, als sie merkten, dass die Kontrollen relativ lasch waren", sagt VEBWK-Vorstandsmitglied Robert Drechsel. Wird "sein" Verein mit der Gesetzesreform überflüssig? "Wir müssen sicher ausloten: Was gibt es für uns noch zu tun?", räumt der "Alte Schuster"-Chef ein. An Problemen, derer man sich annehmen könnte, mangle es jedoch nicht - "gerade in der Szene-Gastronomie".
Immerhin habe der VEBWK erreicht, dass das Rauchverbot in der Praxis funktioniert, glaubt Drechsel. Klingt paradox? Die Erklärung: "Wo geraucht wird, stört sich keiner dran. Und die Betreiber von Speiselokalen begrüßen es, dass bei ihnen das Rauchverbot gilt." Auch schon mal in eigener Sache. "Natürlich qualme ich jetzt viel weniger", erzählt Egon Schäffer. "Heinzelmann" Stehbach freut sich gleichfalls über diesen Nebeneffekt: "Ich rauche zwei Drittel weniger." Deutsche Zigaretten übrigens, keine tschechischen. "Um so größer ist die Ersparnis."
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