Ottfried Fischer, der XXL-Gigant - Zwei vergnügliche Stunden mit einem kabarettistischen Schwergewicht
Amberg. Wir wussten es immer: Irgendwie und sowieso ist dieser Sir Quickly ein XXL-Gigant. Jemand, der knatternd durch seine Heimat düst und hinter die Kulissen des Alltags schaut. Nicht als Voyeur, der durch Schlafzimmerfenster schaut. Wohl aber als einer, der sich seinen Reim macht auf scheinbare Alltäglichkeiten. Zwei Stunden lang hat Ottfried Fischer im Amberger Musikomm den Leuten erzählt, wie der Hase in diesem Land läuft.
Zwei Stunden lang hat Ottfried Fischer im Amberger Musikomm den Leuten erzählt, wie der Hase in diesem Land läuft. Bild: Stephan Huber
Da thront er also auf seinem Stuhl. Vor sich den Wirtshaustisch, um den Hals eine schreiend gelbe Krawatte mit Hirschkopf. Ein Spießbürger, der auf Hosenträger nicht verzichten mag. Doch schon im zweiten Satz kommt Ottfried Fischer aus der Deckung. Lustvoll den Begriff "Heimat" erörternd und irgendwann die Frage stellend, ob es in Amberg noch den ARO-Teppichladen gibt, den Autor Eckhard Henscheid einst beschrieben hat. Nein, es gibt ihn nicht mehr. Und auch der "Herr Läwoll", der als einer der Protagonisten bei Henscheid seinen Auftritt hatte, ist längst verblichen. Wie so mancher, den Fischer bei seinem genüsslichen Marathonlauf nennt. Eingedenk des Unsäglichen aus Braunau.
Ottfried Fischer, der XXL-Gigant - Zwei vergnügliche Stunden mit einem kabarettistischen Schwergewicht
Da schau her: Ottfried kann auch lachen. Sogar schallend. Immer dann, wenn die Rede auf einen Journalisten aus der katholischen Nachrichtenredaktion des Bayerischen Rundfunks kommt. Der Mann hat unterdessen, heimatverbunden, wie er nun mal ist, sein Ressort gewechselt. Nun arbeitet er in der Comedyabteilung. Bei G.G.G.G. Was so viel bedeutet wie: "Germanys größter Gaudi-Gigant". In diese Sendereihe passt, was nach Ottfrieds Fischers Beobachtungen bei Einbürgerungstests gefragt wird: "Nennen Sie fünf deutsche Mittelgebirge. Hartz I bis IV sind dabei nicht erlaubt."
Fischers 300 Zuhörer erfahren feixend, dass Heimatmuseum auf Neudeutsch schlicht "Hall of Fame of Home" heißt. Sie vernehmen amüsiert, dass der Slogan "Heimat hat goldenen Boden" auf Betreiben der Handwerkskammer ins Gesetz aufgenommen werden soll. Der ganz normale Wahnsinn in einem Land, in dem eine gewisse Uschi Bauer die deutsche Version von "Whole Lotta Love" aufgenommen hat. Womit der 55-jährige Herr aus Niederbayern, einst in Metten zur Schule gegangen, sein Augenmerk auf den alpenländisch orientierten Musikantenstadl richtet und die dringende Bitte ausspricht, dass irgendjemand bitte schön nach Paragraf 263 wegen Betrugs vorgehen sollte. Die Täuschungshandlung bei solcherlei Vergnügungen sei klar erkennbar, der Vermögensschaden entstehe allein schon durch den Eintrittskartenverkauf. "Die volkstümliche Musik könnte eingespert werden", hofft Fischer inständig auf einsichtige Staatsanwälte.
Ottfried Fischer, der XXL-Gigant - Zwei vergnügliche Stunden mit einem kabarettistischen Schwergewicht
Ein Genuss, dieser Auftritt im Sitzen. Eingedenk der Seitenhiebe, die der Tölzer Fernsehbulle in seiner unnachahmlichen Art wie Keulenschläge austeilt. Heimatschutzbeauftragter wäre ein Job, nach dem er "gerne spechteln" würde. Noch aber haben sie ihn nur in eine Kommission berufen, in der es gelegentlich zu Kompetenzvermutungen kommt. "Das", weiß Ottfried Fischer, "ist etwas, das der bayerischen SPD fehlt. Und der CSU inzwischen auch."
Schöne Heimat. "Dort wo die Sonne scheint", wie er Caterina Valente singen lässt. Wo dem Elefanten im künstlich angelegten Safaripark der Rüssel im Autofenster eingeklemmt wird und Seine Majestät der Kaiser im Technicolor-Film am Gipfelkreuz zu sagen pflegt: "Schön ist es da heroben." Er selbst hat nie ein Kaiser sein wollen. Ihm war die Rolle des schwergewichtigen Mopedfahrers viel lieber. Weshalb man wünscht, dass er noch lange durch seine Heimat brettert und dabei Veteranen aufs Maul schaut, deren Motto er längst enttarnt hat: "Nicht das Erreichte zählt. Das Erzählte reicht."
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