Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels" schlägt wieder zu, diesmal in einer großartigen Regensburger Inszenierung
Ihre Sicht auf das Leben ist düster. Dennoch sagt Yasmina Reza: "Ich ringe um Fröhlichkeit." Wie wunderbar ihr das gelingt, zeigt ihr Stück "Der Gott des Gemetzels". Aus der bitteren Erkenntnis, dass unter der Tünche der Zivilisation Gewalt, Krieg und Leid dem Menschen inhärent sind und sich immer wieder Bahn brechen, macht die französische Schauspielerin und Autorin eine Komödie, deren treffsichere Pointen jede Scheintoleranz und "political correctness" im Handumdrehen ad absurdum führen.
Eben noch in Amberg
Vergangene Woche im Stadttheater Amberg aufgeführt, erlebte der "Gott des Gemetzels" nun auch eine gefeierte Premiere im Theater Regensburg, diesmal in der geglückten Inszenierung von Grazyna Kania.
Auch hier liefern sich die beiden Paare Véronique und Michel Houillé (Nikola Norgauer und Hubert Schedlbauer) und Annette und Alain Reille (Silke Heise und Michael Haake) groteske Duelle, Zweifrontenkriege und Paarläufe, und das alles bis hart an die Grenze physischer Belastbarkeit.
Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels" schlägt wieder zu, diesmal in einer großartigen Regensburger Inszenierung
Nuanciert und facettenreich ist das Spiel dieses großartigen Quartetts, das nie die Balance verliert zwischen dem Ausreizen der Komik einerseits und der menschlichen Dimension der Figuren andererseits, dem tödlichen Ernst der Situation und der Tiefe eines Konflikts, in dem die kriegerischen Gemetzel archaischer Zeit durch gesellschaftliche Zwänge ins Innenleben der Protagonisten transportiert wurden und dort noch heftiger toben als einst auf den Schlachtfeldern Trojas. Nicht von ungefähr zitieren Michel und Alain im Gespräch ihre Jugendidole Ivanhoe und John Wayne, feiert Jugendbandenseligkeit fröhliche Urständ.
Wenn die anfänglich kultivierte Diskussion um den durch eine Bubenprügelei ausgelösten Versicherungsfall schließlich im gesellschaftlichen Chaos endet, wenn Übelkeit, Alkohol und Nervenzusammenbrüche die Ehezwistigkeiten der streitenden Paare bloßgelegt und vier zivilisierte Vertreter der oberen Mittelschicht ratlos zurück gelassen haben, sind die auf dem Boden verstreuten weißen Tulpen das klassische äußere Symbol des Gemetzels.
Yasmina Rezas "Gott des Gemetzels" schlägt wieder zu, diesmal in einer großartigen Regensburger Inszenierung
Witzig und abgründig
Den Bach hinuntergegangen ist vorher schon das Handy des dauertelefonierenden Anwalts Alain, und warum der von Michel auf der Straße ausgesetzte Hamster Knusperinchen nicht mehr zu finden ist, bedarf auch keiner großen Spekulationen. All diese Verluste sind nur Ausdruck der Unfähigkeit der Protagonisten, mit ihren Gefühlen einerseits und mit Regeln andererseits umzugehen, die die Urgewalt menschlichen Destruktivismus" zu beherrschen meinen, indem sie sie verleugnen.
Besonders deutlich wird das im Spiel der beiden Frauen. Eine zutiefst menschliche Komödie, witzig, abgründig, glaubwürdig gespielt und sehenswert!
Weitere Aufführungen (jeweils 19.30 Uhr) im Theater am Haidplatz: 3., 4., 5., 6., 9., 10., 11. 12., 13., 15., 27., 29. und 30. Dezember sowie am 2., 3. und 4. Januar.www.theaterregensburg.de
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