Die chinesische Pianistin Yuja Wang und Belgiens Nationalorchester zu Gast im Regensburger Audimax
"Ich strenge mein Gehirn an, Klavier-Passagen auszudenken." Da hat er sich ins mächtig ins Zeug gelegt, der Herr Peter Iljitsch Tschaikowsky. Sein Klavierkonzert Nr. 1 gehört zu den großen Reißern im Virtuosengeschäft, dessen übergroße Popularität nicht immer von Vorteil ist. Das Bild vom vor Schweiß triefenden Tastenlöwen im Kräfte zehrenden Kampf mit Instrument und Orchesterapparat ist allgegenwärtig und einer vorurteilsfreien Rezeption nicht unbedingt förderlich.
Eine zierliche Tastenlöwin betrat am Mittwochabend die Bühne im Regensburger Audimax und räumte zumindest mit dem Vorurteil auf, dass dieses Werk nicht in junge Frauenhände gehört. Der erst 21-jährigen Chinesin Yuja Wang, die zuletzt beim Klavierfestival Ruhr die Fachwelt begeisterte, gelang zusammen mit dem Orchestre National de Belgique eine respektable Interpretation dieses pianistischen Parforceritts in b-Moll.
Furchtlose Löwin
Furchtlos und mit jugendlichem Ungestüm stürzte sie sich in Tschaikowskys Oktaven-Donner. Das dafür nötige technische Rüstzeug hat sie. Dass sie dieses noch nicht mit der abgeklärten Souveränität und Werkkenntnis eines Grand Maitre einzusetzen vermag, ist verständlich. Dafür punktete sie bei filigraner Feinarbeit mit bestechender Präzision (Prestissimo-Intermezzo!), in den lyrischen Passagen mit unglaublich duftig weichem Samtanschlag und - last but not least - mit hellwacher Präsenz bis zum Schluss. Den tosenden Beifall des Odeon-Publikums belohnte sie mit einer Bearbeitung von Mozarts "Türkischen Marsch". Virtuos und mit viel Pomp und Glitzer aufgepeppt. Mit 21 Jahren darf man das.
Die chinesische Pianistin Yuja Wang und Belgiens Nationalorchester zu Gast im Regensburger Audimax
Belgiens Nationalorchester unter der Leitung von Walter Weller zeigte sich als aufmerksamer Partner, setzte auf emphatischen Gestus und nötige opulente Klangfülle. Rhythmische Scharfzeichnung vermisste man bei den einleitenden "Rumänischen Volkstänzen" von Belá Bartók. Dafür geriet nach der Pause Antonín Dvoráks Dauerbrenner "Aus der Neuen Welt", dessen Symphonie Nr.9 e-Moll, zum immer wieder bezaubernden Klangerlebnis. Gelegentliche Unsicherheiten in der Blechbläser-Gruppe trübten diesen Eindruck nur geringfügig.
Publikum begeistert
Weller ließ zügig musizieren und spannte einen weiten Bogen über Dvoráks viel gepriesene Themenvielfalt, die zum einen Heerscharen von Musikwissenschaftlern den Arbeitsplatz sichert, zum anderen den Orchestermusikern immer wieder Gelegenheit zu solistischer Entfaltung gibt. Allen voran das allseits bekannte Oboen-Solo im Largo-Satz, das an diesem Abend mit sanft strömendem, langem Atem wunderschön erklang. Das Publikum zeigte sich begeistert und spendete lang anhaltenden Applaus.
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