Gesprächig und spannend statt stumm und langweilig
Künstler Christian Sedell präsentiert sein Buch "Sprechen mit Steinen" im Geo-Zentrum an der KTB - Ausstellung bis Januar zu sehen
Künstler Christian Sedell (links) stellt in einer Ausstellung mit Grafiken und Skulpturen zusammen mit Verleger Eckhard Bodner im Geo-Zentrum an der KTB seinen Bildband "Sprechen mit Steinen" vor. Bild: apz
Arm ist die Nordoberpfalz schon immer gewesen, aber auch schon immer steinreich. Mit den Megalithen, den zahlreichen Steinmonumenten der Region, hat sich der Bildhauer, Grafiker, Autor und Fotograph Christian Sedell über fünf Jahre intensiv beschäftigt und einen besonderen Blick für steinerne Tier- und Fabelwesen entwickelt.
Darüber hinaus erkannte er auch Rinnen, Glättungen und Schalen, wie sie ähnlich bei den steinzeitlichen Menhiren und Hinkelsteinen der Bretagne (in Carnac, Kermario und Le Menec) vorkommen, die als kulturelle Monumente der Steinzeit anerkannt sind und zahlreiche Touristen aus aller Welt begeistern.
Unterschätzte Oberpfalz
In seiner literarischen Liebeserklärung an die unterschätzte Oberpfalz, die er auch durch japanische Haiku-Gedichte würzt, regt Sedell in 22 Kapiteln sowohl das Interesse der Bevölkerung als auch eine wissenschaftliche Untersuchung seiner Künstlerthese an, die für die Oberpfalz völlig neue Aspekte eröffnen kann.
Gesprächig und spannend statt stumm und langweilig
Künstler Christian Sedell präsentiert sein Buch "Sprechen mit Steinen" im Geo-Zentrum an der KTB - Ausstellung bis Januar zu sehen
Am Mittwoch stellte der 1955 in Berg am Starnberger See geborene Futura-Künstler, der in Ödwalpersreuth lebt, im überfüllten Geo-Zentrum an der KTB seinen prächtigen Bildband "Sprechen mit Steinen" vor großem Publikum vor. In künstlerisch hochwertigen Fotografien (die oft auch das wirkungsvolle Abendlicht berücksichtigen) stellt Sedell unter zahlreichen Beispielen den Weißenstein und den Wolfenstein vor. Er unterstreicht seine aufschlussreichen Aufnahmen (mit dem Leica-R-System) durch Strichzeichnungen, die beim Betrachter das erkennende Sehen der Tier- und Fabelwesen unterstützen sollen. Sollten denn etwa auch bei altarähnlich liegenden Steinen wie dem Drudenstein bei Bodenreuth mit seinen stark ausgeprägten Rinnen, Näpfen und Schalen natürliche Erosionsprozesse zugrunde liegen - oder hat vielleicht doch ein Steinzeitmensch Hand angelegt, ist künstlerisch tätig geworden für einen Ritus? Durch Kartenübersichten weist Sedell dem Interessierten den Weg zu den Steinmonumenten, etwa unterhalb der Burg Leuchtenberg, im Waldnaabtal oder vor den Toren Tirschenreuths, die für eine Exkursion noch durch Zuhilfenahme einer topographische Karte ergänzt werden sollten. In seiner sehenswerten Kunstausstellung im Geo-Zentrum zeigt Christian Sedell hochwertige Radierungen nach den Motiven des Buches, daneben Skulpturen wie ein Steinwesen, eine auf einem Bronzefuß aufrecht stehende Faustkeilarbeit aus dem Jahr 2004. Aber auch den "Traum vom Fliegen", ein Experiment: Mit handlichen Granitsteinen der Gegend bearbeitete Sedell einen größeren Stein, den "Stein der Weisen", verpasste ihm ein einfaches Ornament und beweist so, dass über die Länge von vierzig Arbeitstagen die Härte ausreicht zur künstlerischen Bearbeitung des Materials.
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Künstler Christian Sedell präsentiert sein Buch "Sprechen mit Steinen" im Geo-Zentrum an der KTB - Ausstellung bis Januar zu sehen
Wissenschaftliche Sicht
Von Eckhard Bodner (Pressath) verlegt und hochwertig (bei Pustet in Regensburg) gedruckt, ist der Bildband "Sprechen mit Steinen" mit zahlreichen Farbabbildungen (176 Seiten zu 29,90 Euro) im Buchhandel erhältlich.
Das wissenschaftliche Nachwort zur künstlerischen Sicht Sedells stammt von Dr. Frank Holzförster, Geologe und Wissenschaftlicher Leiter des Geo-Zentrums an der KTB, der die Künstlerthese Sedells weder bekräftigt noch ausschlägt, sondern sich eine "multiwissenschaftliche Auseinandersetzung" wünscht. Diese schien schon während der Buchpräsentation am Mittwoch in Gang zu kommen. Und: Der Büchertisch wurde fast leer gekauft.
Die Ausstellung im Geo-Zentrum an der KTB ist bis zum 4. Januar täglich von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Ein wissenschaftlicher Vortrag von Dr. Jürgen Kempf zur Granitverwitterung wird am 3. Dezember (19 Uhr) das Thema vertiefen.
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