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Von Peter Tamme  |  21.11.2008  | Netzcode: 1614481
München

"Der weite Blick" in die Seele der Landschaft

Neue Pinakothek zeigt in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum Amsterdam eine Ausstellung zur Haager Schule - Leihgaben aus Holland

"Polderlandschaft bei Tauwetter" von Eduard
"Polderlandschaft bei Tauwetter" von Eduard Alphonse Victor van der Meer, um 1888. Bild: Bayerische Staatsgemäldesammlungen.
Vor gut Hundert Jahren schrieb Max Liebermann: "Als die Holländer 1899 zum ersten Mal im Münchner Glaspalast auftraten, erregten sie ungeheures Aufsehen wegen ihrer frappierenden malerischen Kultur." Die Rede ist von den Malern der sogenannten "Haager Schule", deren Namen der Kunstkritiker Jakob van Santen Kolff 1875 erfunden hat. Die zu dieser Gruppierung gehörenden Künstler, die vor allem von Camille Corot und der Schule von Barbizon beeinflusst waren, verstanden sich als Gegengewicht zu den pittoresken Landschaftsmalern der Spätromantik.

Flaniert man durch die drei großen Säle der Neuen Pinakothek in München, in denen sich die Ausstellung "Der weite Blick" präsentiert, muss man dem Liebermann-Lob zustimmen. Dessen "Holländische Landschaft" von 1910 gehört ebenso zum Pinakothek-Besitz wie die seinerzeit erworbenen Bilder "Polderlandschaft bei Tauwetter" (1888) von Eduard van der Meer und Christoffel Bishops "Sonnenschein in Haus und Herz".

Beim Rundgang taucht der Betrachter in eine Welt ein, die schon vor Hundert Jahren im Verschwinden war. Hendrik Willem Mesdag, der Schöpfer des "Leuchtturms in der Brandung", erklärte: "Was ich gemalt habe, ist vorbei. Das wird man nie wieder zu sehen bekommen." Er und seine Kollegen suchten per Eisenbahn letzte ursprüngliche, noch nicht von der Industrialisierung berührte Flecken und Dörfer. Häufigste Motive der Ausstellung sind Dünen, Bauern-Tennen, Intérieurs, Weiher, Mühlen und immer wieder "die unermessliche Weite und Freiheit des Himmels". Schon auf der Weltausstellung von Paris 1899 beeindruckte die auf Aquarellen wiedergegebene "silbergraue Luft Hollands". Höhepunkt der Ausstellung sind Anton Mauves "Winter im Scheveninger Wald" mit dem Weiß des Schnees in all seinen Nuancen, Jakob Maris" "Muschelfischer" von 1885, das mit seinem Spiel von hell und dunkel an Corot erinnert, und Johannes Bosbooms "Strand von Scheveningen", auf dem sich Fischerfamilien und Stadtausflügler mischen.

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