Absonderlichste Stimme unter Bayerns Künstlern: Autor und Regisseur Herbert Achternbusch wird 70
Achternbusch? Schon der Name klingt seltsam, und so sind auch seine Bücher und seine Filme: seltsam. Zwar setzt sich Herbert Achternbusch so intensiv wie kaum ein anderer mit den Bayern auseinander, aber viele von denen, die er zu Wort kommen lässt oder beschreibt, dürften ihn gar nicht kennen. Denn sein Werk ist so schwer verständlich, dass er damit nie ein großes Publikum erreichte. Am 23. November feiert dieser eigenartige Künstler seinen 70. Geburtstag.
Im Jahr 1982 sah ich zum ersten Mal einen Film von ihm. Ein Freund nahm mich mit in "Der Neger Erwin". So etwas hatte ich noch nie gesehen: völlig absurde Bilder und schräge Unsinns-Dialoge. Als wir erfuhren, dass Achternbusch auch Bücher schrieb, besorgten wir uns sogleich einen seiner Romane: "Die Stunde des Todes".
Ungerechte Berge
Die Handlung war absolut unverständlich, doch einzelne Sätze zogen uns in ihren Bann. Sätze wie: "Solange es hohe Berge gibt, glaube ich an keine Gerechtigkeit." Poetisch und rätselhaft hieß es da: "Glück ist immer nur einen Atemzug vom Leben entfernt, aber man weiß nie, soll man als nächstes ein- oder ausatmen, damit man es besitzt."
Absonderlichste Stimme unter Bayerns Künstlern: Autor und Regisseur Herbert Achternbusch wird 70
Das war etwas anderes als die Literatur aus dem Deutschunterricht. Da redete einer in unserer Sprache, wetterte gegen alles und jeden, träumte sich hinaus nach Grönland und zum Vesuv und kam doch wie wir aus der Provinz - nämlich aus dem Bayerischen Wald. Wie kein anderer behandelte Achternbusch das Leben abseits der großen Städte. Ein Satz aus dem Film "Die Atlantikschwimmer" wurde schließlich zum Graffiti-Spruch der achtziger Jahre: "Du hast keine Chance, aber nutze sie."
Im Jahr 1983 erlangte Achternbusch mit seinem Film "Das Gespenst" bundesweit Bekanntheit. Er spielt darin Jesus, einen ziemlich grotesken Heiland, muss man sagen: Er hüpft vom Kreuz herunter, latscht übers Wasser, serviert Römern Wein und betrinkt sich dabei. Das gefiel manchen gar nicht. Der damalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU) verweigerte Achternbusch empört die Auszahlung der letzten Filmförderrate. Das aber machte Achternbusch erst richtig berühmt.
Absonderlichste Stimme unter Bayerns Künstlern: Autor und Regisseur Herbert Achternbusch wird 70
Danach drehte er Film um Film, schrieb ein Buch nach dem anderen, verfasste Theaterstücke und widmete sich der Malerei. Doch der Querschädel und Sturkopf eignete sich nicht zum Massenschriftsteller. Der kommerzielle Erfolg blieb aus, und die Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp-Verlag wurde beendet.
Heute veröffentlicht er im österreichischen Verlag Bibliothek der Provinz seine Bücher, sie erregen jedoch nicht mehr die Aufmerksamkeit wie früher.
Aber sie sind immer noch voller Poesie, etwa wenn in "Kopf und Herz" die Erzählerin sagt: "Männer sind blöder als Karpfen, meinen mit ein wenig Schwanzwedeln kommen sie durchs Leben." Allein für diese Sätze hat Achternbusch seinen Platz in der Literaturgeschichte verdient. Und einen Glückwunsch zum Geburtstag auch.
Das Bayerische Fernsehen zeigt am 22. November um 20.15 Uhr den Dokumentarfilm "Achternbusch" und anschließend seine Filme "Das Andechser Gefühl", "Servus Bayern" und "I Know the Way to the Hofbräuhaus".
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