"Da hat er auch nach uns gegriffen, denen ihr totaler Krieg"
"Zahlbar nach dem Endsieg": Neuauflage von Eugen Okers autobiografischen Kriegserinnerungen im lichtung verlag Viechtach
"Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin." Was manch Jugendlicher heute in lobenswertem Pazifismus auf seine Schulhefte kritzelt, gewinnt im Ernstfall eine ganz andere Bedeutung. Eugen Oker hat das erlebt. Es war Krieg - und er ist einfach heimgegangen. Im Frühling 1945.
Der ehemalige Naivling hatte damals längst begriffen, dass der Zweite Weltkrieg etwas anderes war als eine Reise auf Staatskosten. Seine Erlebnisse hat der gebürtige Schwandorfer später in einem autobiografischen Roman niedergeschrieben: "Zahlbar nach dem Endsieg", eine grimmig-lakonische Auseinandersetzung mit dem Irrsinn des Krieges, wurde jetzt neu aufgelegt.
Buch jenseits der Masse
Der lichtung verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke des 1919 unter dem Namen Fritz Gebhardt geborenen Oker zu veröffentlichen und andere bayerische Schriftsteller vor der Vergessenheit zu retten. Explizit bayerisch ist die Handlung von "Zahlbar nach dem Endsieg" allerdings nicht. Von der Masse der übrigen Literatur zum Thema Hitler, Krieg und Nazideutschland unterscheidet sich der rund 250 Seiten starke Band dennoch erheblich - nicht nur durch den umgangssprachlichen Erzählton.
"Da hat er auch nach uns gegriffen, denen ihr totaler Krieg"
"Zahlbar nach dem Endsieg": Neuauflage von Eugen Okers autobiografischen Kriegserinnerungen im lichtung verlag Viechtach
Die Erlebnisse des jungen Topografen Fritz Kagerer werden ohne jegliches Pathos beschrieben. Und genau das macht sie umso eindringlicher. Denn die menschlichen Eindrücke aus der Sicht des Ich-Erzählers stoßen das Dritte Reich samt Begleiterscheinungen vom Podest der Geschichtsschreibung herunter. Sie machen es greifbar und bringen es nahe. Stell dir vor, du kriegst ein Gewehr in die Hand gedrückt und sollst in einem Weizenfeld nach Russen suchen.
Sprache eines Einfältigen
Die jungen Männer in Eugen Okers Roman sind über solch einen Auftrag nicht minder entsetzt, als es heutige Altersgenossen wären. Dass es später nach Stalingrad gegangen ist, wird nur angedeutet.
Doch die Aussage des Ich-Erzählers: "Da hat er auch nach uns gegriffen, denen ihr gottverdammter totaler Krieg. Jetzt haben wir ihn. Du aber schon auch, du Scheißvolk!" verhehlt nicht die Wut und Verzweiflung, die den einfältigen Vermesser Kagerer mittlerweile ergriffen hat. Und die Wut, die noch Jahre später aus Oker selbst spricht.
"Zahlbar nach dem Endsieg" ist ein Buch gegen das Vergessen und gegen die Abstumpfung. Der Band ist als Neuauflage in Klappbroschüre mit Zeichnungen und Abbildungen aus dem Tagebuch des Autors im lichtung verlag erschienen und kostet 19,80 Euro.
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