Romanautor Wolfram Fleischhauer liest in der Buchhandlung Rupprecht
Nein, ein "gestohlener Abend" war der Donnerstagabend nicht. Der schlichte Typus der "klassischen Lesung" (ein Autor steht am Pult und tut nicht mehr, als in vorgetragenen Auszügen seine Neuerscheinung vorzustellen) lockte siebzig Literaturfreundinnen (und einige wenige Herren) in die Buchhandlung Rupprecht.
Bestsellerautor Wolfram Fleischhauer, der einige seiner bisherigen Buchpräsentationen auch schon mal mit einer Diareise durch Indien und einem tanzenden Tangopaar aufgepeppt hatte, brauchte bei den Passagen aus seinem neuen zeitgenössischen Roman "Der gestohlene Abend" (Piper, 368 Seiten, 19 Euro) keinerlei Showelemente.
Elemente aus dem Leben
Die autobiografische Erzählung, die an einer kalifornischen Elite-Universität handelt, fesselte die Zuhörerinnen durch Niveau von Inhalt und Sprache, kombiniert mit der Spannung eines Krimis.
Die ganz banal beginnende Geschichte dreht sich um den deutschen Literaturstudenten Matthias, der als Neuling versucht, sich auf dem futuristischen Campus von Hillcrest zurechtzufinden. Und das, obwohl er als Gaststudent von den renommierten Kursen ausgegrenzt wird.
Romanautor Wolfram Fleischhauer liest in der Buchhandlung Rupprecht
Durch die zufällige Bekanntschaft mit der Kommilitonin Janine gerät Matthias in Rivalität mit dem Vorzeigestudenten David und wird in ein undurchschaubares Netz von Beziehungen, Eifersüchteleien und wissenschaftlichen Machtkämpfen verwickelt. Eines Tages brechen durch einen brisanten wissenschaftlichen Vortrag Davids die in der tiefen Vergangenheit wurzelnden Spannungen aus, deutet sich ein düsteres Geheimnis um den prominenten Yale-Professor De Vander an, mündet alles in einer Katastrophe aus Feuer und Tod.
Schreiben statt schweigen
Die Lösung aller Geheimnisse liegt in Westeuropa, in den archivierten Ausgaben der Brüsseler Zeitung "Le Soir" aus den 40er Jahren, die zur Zeit der Besatzung durch Nazideutschland von den Belgiern "Le Soir Volé" (Der gestohlene Abend) genannt wurde.
Der Autor, der lieber als Erzähler bezeichnet werden möchte, zitierte zu seiner Lesung den Philosophen Ludwig Wittgenstein mit dem Satz "Worüber man nicht sprechen kann, muss man schweigen" und veränderte diesen zu seinem eigenen Motto "Worüber man nicht sprechen kann, muss man schreiben".
Im lebhaften Gesprächsteil mit dem Publikum wich Fleischhauer allerdings zum Teil etwas zu bequem durch Hinweise auf seine Buchnachworte aus.
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