Regensburg
Magischer Mythomane an der Schwelle der Moderne
Am Sonntag beginnt die große Lovis-Corinth-Retrospektive im Kunstforum Ostdeutsche Galerie - 30 000 Besucher bis Februar erwartet
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| Corinths Bild "Am Strand von Forte di Marini" aus dem Jahr 1914. Zum 150. Geburtstag des Malers präsentiert das Kunstforum Ostdeutsche Galerie eine große deutsch-französische Retrospektive. Der Versicherungswert der Schau liegt nach Angaben der Veranstalter bei 80 Millionen Euro. Bilder: Galerie (2) |
Deutsch-französisches Projekt
Ein ungewöhnliches deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt ist dies, das in Paris bereits rund 80 000, in Leipzig etwa 40 000 Besucher anlockte. Das KOG rechnet mit 30 000 Besuchern, mit mindestens so vielen wie bei der viel gerühmten Otto-Dix-Ausstellung. Begonnen hatte die Vorbereitung darauf mit einer Anfrage des Pariser Musée d'Orsay, das im Frühjahr dem deutschen Maler erstmals eine Ausstellung widmete. Weil das KOG über 13 Gemälde und rund 400 Arbeiten auf Papier von Lovis Corinth verfügt, wurde es zum Ansprechpartner der Franzosen.
Gemeinsam mit dem Museum der Bildenden Künste in Leipzig, das im Sommer die zweite Station der Ausstellung bildete, wurde das Großunternehmen geschultert. Dr. Ulrike Lorenz, noch bis Jahresende Chefin des KOG, betont die starke Wandlung, die die Corinth-Retrospektive in der „Ostdeutschen“ erfährt: "101 Gemälde werden auf knapp 1200 Quadratmetern in einem thematisch streng geordneten Rundgang gezeigt". Die Grafiken, für deren Besitz das KOG berühmt ist, werden im Frühjahr 2009 eine gesonderte Ausstellung bekommen. Die Regensburger Variante der Corinth-Ausstellung stellt das gesamte motivische Spektrum seines riesigen Werks vor und spiegelt laut Lorenz „die Auseinandersetzung Corinths mit biblischen und antiken Themenkreisen ebenso wider wie sein eigenes erotisches Erleben“. Monatelange Recherchen und enge Kontakte zu den Leihgebern, die Begleitung der Exponate durch Kuriere, die Verpacken, Transport, Auspacken und Hängen der kostbaren Bilder überwachen - „es war der bisher größte Aufwand für eine Sonderausstellung im KOG“, resümiert Lorenz. Auch der Versicherungswert der Schau - übrigens der größten unter den besagten drei Corinthausstellungen - liegt mit 80 Millionen Euro über dem jeder anderen Ausstellung, die das KOG bisher durchgeführt hat.
Mehrere Premieren
Hauptwerke, die bislang kaum oder nie der Öffentlichkeit zugänglich waren, sind in der „Ostdeutschen“ zu sehen. Dazu gehören das seit 1945 noch nie in einer Museumsausstellung präsentierte Werk „Lebensalter“ aus Münchner Privatbesitz sowie ein sechsteiliger großformatiger Gemäldezyklus aus der Berlinischen Galerie mit Kampfmotiven aus der Odyssee und der Rolandsage von Ariost. Corinth malte sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Auftrag des jüdischen Großindustriellen Ludwig Katzenellenbogen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 9. November, um 11 Uhr eröffnet.
Weitere Informationen im Internet:
www.kunstforum.net
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