Von Peter Klewitz  |  08.11.2008  | Netzcode: 1598328
Regensburg

Magischer Mythomane an der Schwelle der Moderne

Am Sonntag beginnt die große Lovis-Corinth-Retrospektive im Kunstforum Ostdeutsche Galerie - 30 000 Besucher bis Februar erwartet

Corinths Bild "Am Strand von Forte di Marini" aus
Corinths Bild "Am Strand von Forte di Marini" aus dem Jahr 1914. Zum 150. Geburtstag des Malers präsentiert das Kunstforum Ostdeutsche Galerie eine große deutsch-französische Retrospektive. Der Versicherungswert der Schau liegt nach Angaben der Veranstalter bei 80 Millionen Euro. Bilder: Galerie (2)
Seine Geburtstage waren für ihn Tage der Selbstprüfung. Wie kaum ein anderer Maler beobachtete Lovis Corinth kontinuierlich sein eigenes Gesicht, dessen Veränderungen er in zahlreichen Selbstporträts nachspürte. Daneben standen die Körperfantasien des Künstler-Abenteurers, der sich zum einen mit biblischen Themen, zum anderen mit antiken Mythen auseinandersetzte. Die Ausstellung „Lovis Corinth und die Geburt der Moderne“ im Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) setzt vom 9. November 2008 bis 15. Februar 2009 den Schlusspunkt unter die große Retrospektive zum 150. Geburtstag des Malers.

Deutsch-französisches Projekt



Ein ungewöhnliches deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt ist dies, das in Paris bereits rund 80 000, in Leipzig etwa 40 000 Besucher anlockte. Das KOG rechnet mit 30 000 Besuchern, mit mindestens so vielen wie bei der viel gerühmten Otto-Dix-Ausstellung. Begonnen hatte die Vorbereitung darauf mit einer Anfrage des Pariser Musée d'Orsay, das im Frühjahr dem deutschen Maler erstmals eine Ausstellung widmete. Weil das KOG über 13 Gemälde und rund 400 Arbeiten auf Papier von Lovis Corinth verfügt, wurde es zum Ansprechpartner der Franzosen.

Gemeinsam mit dem Museum der Bildenden Künste in Leipzig, das im Sommer die zweite Station der Ausstellung bildete, wurde das Großunternehmen geschultert. Dr. Ulrike Lorenz, noch bis Jahresende Chefin des KOG, betont die starke Wandlung, die die Corinth-Retrospektive in der „Ostdeutschen“ erfährt: "101 Gemälde werden auf knapp 1200 Quadratmetern in einem thematisch streng geordneten Rundgang gezeigt". Die Grafiken, für deren Besitz das KOG berühmt ist, werden im Frühjahr 2009 eine gesonderte Ausstellung bekommen. Die Regensburger Variante der Corinth-Ausstellung stellt das gesamte motivische Spektrum seines riesigen Werks vor und spiegelt laut Lorenz „die Auseinandersetzung Corinths mit biblischen und antiken Themenkreisen ebenso wider wie sein eigenes erotisches Erleben“. Monatelange Recherchen und enge Kontakte zu den Leihgebern, die Begleitung der Exponate durch Kuriere, die Verpacken, Transport, Auspacken und Hängen der kostbaren Bilder überwachen - „es war der bisher größte Aufwand für eine Sonderausstellung im KOG“, resümiert Lorenz. Auch der Versicherungswert der Schau - übrigens der größten unter den besagten drei Corinthausstellungen - liegt mit 80 Millionen Euro über dem jeder anderen Ausstellung, die das KOG bisher durchgeführt hat.

Mehrere Premieren



Hauptwerke, die bislang kaum oder nie der Öffentlichkeit zugänglich waren, sind in der „Ostdeutschen“ zu sehen. Dazu gehören das seit 1945 noch nie in einer Museumsausstellung präsentierte Werk „Lebensalter“ aus Münchner Privatbesitz sowie ein sechsteiliger großformatiger Gemäldezyklus aus der Berlinischen Galerie mit Kampfmotiven aus der Odyssee und der Rolandsage von Ariost. Corinth malte sie kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Auftrag des jüdischen Großindustriellen Ludwig Katzenellenbogen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 9. November, um 11 Uhr eröffnet.

Weitere Informationen im Internet:

www.kunstforum.net

Kommentare
Ihre Kommentare werden veröffentlicht in Kooperation mit der best webnews GmbH, Köln.
Gestern

Berlin/Leipzig

Besucher sollen zuschlagen

Künstler Asisi will Panoramagemälde zerstören lassen

Der Berliner Künstler Yadegar Asisi will sein 100 Meter langes und 30 Meter hohes Panoramagemälde "Rom 312" im Leipziger Panometer in aller Öffentlichkeit zerstören. Das Rundgemälde soll an 1. mehr...

Marbach/Weimar

Dem großen Dramatiker auf der Spur

2009 ist das offizielle Schillerjahr: Ausstellungen und Inszenierungen zum 250. Geburtstag des großen Dichters

Für die einen ist und bleibt er der deutsche Shakespeare, für andere ein "Attitüden-Held" und "Moraltrompeter". 2009 wird Friedrich Schiller aber wieder gefeiert - vor allem natürlich in Marbach am mehr...

Weiden

Die Nekropolen der alten Ägypter

Neue Vortragsreihe im Internationalen Keramik-Museum startet am15. Januar

Mit zwei neuen Referenten, Arnulf Schlüter und Roxane Bicker, jungen Ägyptologen mit Magisterabschluss, die bewährte Mitarbeiter des Ägyptischen Museums München sind, startet das Internationale mehr...

Los Angeles

Dunkler Ritter siegreich

"The Dark Knight" räumt bei US-Publikumspreisen ab

Der düstere Batman-Film "The Dark Knight" von Regisseur Christopher Nolan hat die Top-Preise des amerikanischen Publikums gewonnen. Bei der Vergabe der "People's Choice Awards" am Mittwochabend mehr...

London

Ehrung auf der Insel

"Baader Meinhof" für britischen Filmpreis nominiert

Das deutsche RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" ist für den Preis der britischen Filmakademie (BAFTA) nominiert worden. Die Eichinger-Produktion, bei der Uli Edel Regie führte, geht in der mehr...
Zum Artikel: Lichtblicke

Berlin

"Antworten interessieren mich nicht"

Globalisierungskritik im Zigarrendunst: Dramatiker und Whiskeyfreund Heiner Müller wäre 80 Jahre

Heiner Müller wäre über die Weltfinanzkrise wohl nicht sonderlich überrascht. Im Dunst seiner geliebten Zigarren und mit einem Glas Whiskey in der Hand würde er darüber sinnieren, woher das Elend mehr...

Bayreuth

Operette, Walzer und Polka bestens im Griff

Beschwingter Neujahrs-Zauber: Das Alt-Wiener Strauss-Ensemble begeistert im Bayreuther Opernhaus

Beim traditionellen Neujahrskonzert im Bayreuther Opernhaus brachte das Alt-Wiener Strauss-Ensemble unter der Leitung von Ralph Kulling am Dreikönigstag seinen Zuhörern wieder einmal die bekannten mehr...

Konnersreuth

Akustische Höchstgenüsse im zauberhaften Rokokosaal

Kartenlose Kammermusik-Leckerbissen: Die Schlosskonzerte Fockenfeld in Konnersreuth bieten heuer elf Veranstaltungen

Immer sonntags um 17 Uhr erwartet einmal im Monat der Rokokosaal von Schloss Fockenfeld die Musikfreunde zum Konzert. Seit der Renovierung der ehemaligen Sommerresidenz der Waldsassener Äbte finden mehr...

Erfurt/Weimar

Einigung nach schier endlosem Streit

Brand in Anna Amalia Bibliothek: Versicherung zahlt fünf Millionen Euro

Der Versicherungsstreit um Millionenzahlungen für verbrannte Bücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar ist beigelegt. Danach erhält die Klassik Stiftung fünf Millionen Euro von dem mehr...