Großes Herbstkonzert in Basilika bot das Deutsche Requiem von Johannes Brahms vor 800 Besuchern
Und die Bibel hat doch recht: Zwar konnte das "Buch der Bücher" nichts vom Börsencrash und den Bankenpleiten unserer Tage wissen, aber es kennt den Menschen nur zu gut. "Sie sammeln und wissen nicht wer es kriegen wird, " heißt es in Psalm 39, nur einem der trefflichen Zitate aus dem Alten und Neuen Testament, die der vor 175 Jahren geborene Johannes Brahms für sein mit der Tradition brechendes "Deutsches Requiem" auswählte.
Das Opus romantischer Chorliteratur, das sich mit Trost angesichts der Vergänglichkeit und Hoffnung auf die Auferstehung an die Hinterbliebenen eines Verstorbenen wendet, wurde von 800 Besuchern an Allerseelen in der Basilika erlebt. Die 170 Mitwirkenden wurden von Basilika-Kirchenmusiker Andreas Sagstetter mit Kompetenz und Vitalität durch das siebenteilige Werk dirigiert.
Höhepunkt der Reihe
Zu absolut zuverlässiger und geradezu hinreißender Orchesterbegleitung durch Mitglieder der Bamberger Symphoniker interpretierte die bewährte und glückliche Verbindung vom Chor der Basilika mit der Chorgemeinschaft St. Georg Pressath (einstudiert von Richard Waldmann) das Große Herbstkonzert, das seit über 40 Jahren den Höhepunkt der überregional bekannten Basilika-Konzertreihe bildet.
Großes Herbstkonzert in Basilika bot das Deutsche Requiem von Johannes Brahms vor 800 Besuchern
Zwei sanfte Seligpreisungen umrahmen das einzigartige Werk, das sich seit seiner Uraufführung 1869 einer ununterbrochenen Beliebtheit erfreut. Schon die allerersten Worte "Selig sind" wurden vom Chor derart stimmhaft und gesanglich gegeben, dass Wortverständlichkeit und Gesanglichkeit über das ganze Werk nie in Konflikt geraten sollten.
Ausgewogen und stark besetzt in allen vier Stimmlagen beeindruckten die bestens geschulten und bis zum Äußersten leistungsbereiten Oberpfälzer Sängerinnen und Sänger mit einer großartigen Darbietung, die im zweiten Satz "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" zu konstanten Paukenschlägen und in der Fuge des sechsten Parts in einen wuchtigen, aber stets gezügelten Sturm ausbrach, der unter die Haut ging.
Thomas Wittig überzeugte
Für seine ungebrochene Stimmkraft dem Waldsassener Publikum gut bekannt, überzeugte Bariton Thomas Wittig (ehemals Deutsche Staatsoper Berlin) wieder in zwei Passagen, die er raumfüllend in der Rolle eines Verkünders gestaltete. Kurzfristig eingesprungen meisterte Miriam Mayer (Solistin an der Komischen Oper Berlin) ihren Part "Ihr habt nur Traurigkeit" mit dem exorbitant schwierigen Höhenflug so sicher und hinreißend kräftig, wie es dem Versprechen "ich will euch wieder sehen" nur zukam.
Sie legte auf den "großen" Trost als Sopranistin eine erschütternd machtvolle Betonung, die den ganzen Sinn des Brahmsschen Werkes in zwei Worten zusammenfasste. In feierlichem F-Dur klang das Werk selig aus. Langer Applaus drückte die Bewunderung des Publikums aus.
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