Eine Frau, die bei einem Betriebsausflug aus einem Schlauchboot in einen reißenden Gletscherfluss stürzt, und ein Gymnasiast, der auf einer Müllhalde verbrennt, sind die Toten in Árni Thórarinssons Roman "Todesgott". Ermittler ist der Polizeireporter Einar, den es aus Reykjavik in den provinziellen Norden Islands verschlagen hat. Der einzelgängerische Journalist, der sein wahres Gemüt hinter einem Schutzwall sarkastischer Redensarten verbarrikadiert, recherchiert nicht nur geografisch in einem rauen Klima: Einar, "der Einsame", bahnt sich seinen Weg durch zersiedelte Landschaft, eine im Umbruch befindliche, korrupte Wirtschaft, zerrüttete Familienbande und zerstörte Seelen auf der großen Vulkaninsel knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises.
Auch mit seinem vierten Einar-Krimi - nach etwa "Die verschwundenen Augen", 2002 - ist dem 58 Jahre alten Autor ein großer Wurf gelungen: "Todesgott", das in seiner Heimat 2005 zum besten Kriminalroman gewählt wurde, fesselt durch seine Vielgestalt aus pessimistischer Gesellschaftsanalyse, uraltem Wikinger- und Christenglauben sowie dem schnodderigen Humor des Ich-Erzählers.
Dabei merkt man der Geschichte die Faszination des Schriftstellers und Journalisten Thórarinsson, der auch als Kinokritiker arbeitete, durch Raymond Chandler, Dashiell Hammett oder Ross Macdonald an: Seine Einar-Saga wirkt wie die aktuelle isländische Variante der amerikanischen Hard-Boiled-Klassiker sowie des ihnen nachfolgenden "film noir".
Ebenfalls erkennbar: der Einfluss sozialkritischer skandinavischer Krimiautoren, vorrangig des schwedischen Pionier-Duos Sjöwall/Wahlöö. Anders als in vielen Genre-Werken gerät der Anti-Held, Einar, hier nicht zur bloßen Klischeefigur eines zynischen, exzessiv trinkenden Außenseiters. Vielmehr wandelt sich in der Auseinandersetzung mit vernachlässigten Jugendlichen, Ausländerhass und lesbischen Frauen auch der Reporter, überdenkt eigene Vorurteile und macht bescheidene Versuche in Richtung eines nennenswerten Privatlebens. Und dem Alkohol hat er inzwischen abgeschworen: Einar genießt nunmehr Cola und Cappuccino.
Folgerichtig hat dieser Rock- und Popmusik liebende Ich-Erzähler trotz aller Brüche und Abgründe des modernen isländischen Lebens, das er im Streben nach Tiefe mit magischen Landestraditionen und der Passion Jesu spiegelt, seinen selbstironischen Witz nicht verloren. So muss der Leser inmitten einer Wüstenei aus Gier und Egoismus, Materialismus und Respektlosigkeit denn auch immer wieder lachen. Zum Beispiel, wenn es um die einzige Zimmergenossin in Einars möblierter Wohnung geht - eine schrille Papageiendame namens Snaelda. Der hartgesottene Ermittler nennt sie "meine Frau".
Kommissare im Einsatz: Spannende Krimis aus Italien, Spanien und Portugal
Commissario Montalbano blickt in den Abgrund, ein Bergdorf steht im Kampf gegen Medien und die Mafia und eine heiße Spur, die in den Vatikan führt. Auch im Süden wird gemordet - davon erzählen diese Krimi-Neuerscheinungen. mehr...
Künstler Asisi will Panoramagemälde zerstören lassen
Der Berliner Künstler Yadegar Asisi will sein 100 Meter langes und 30 Meter hohes Panoramagemälde "Rom 312" im Leipziger Panometer in aller Öffentlichkeit zerstören.
Das Rundgemälde soll an 1.
mehr...
2009 ist das offizielle Schillerjahr: Ausstellungen und Inszenierungen zum 250. Geburtstag des großen Dichters
Für die einen ist und bleibt er der deutsche Shakespeare, für andere ein "Attitüden-Held" und "Moraltrompeter". 2009 wird Friedrich Schiller aber wieder gefeiert - vor allem natürlich in Marbach am
mehr...
Neue Vortragsreihe im Internationalen Keramik-Museum startet am15. Januar
Mit zwei neuen Referenten, Arnulf Schlüter und Roxane Bicker, jungen Ägyptologen mit Magisterabschluss, die bewährte Mitarbeiter des Ägyptischen Museums München sind, startet das Internationale
mehr...
"The Dark Knight" räumt bei US-Publikumspreisen ab
Der düstere Batman-Film "The Dark Knight" von Regisseur Christopher Nolan hat die Top-Preise des amerikanischen Publikums gewonnen. Bei der Vergabe der "People's Choice Awards" am Mittwochabend
mehr...
"Baader Meinhof" für britischen Filmpreis nominiert
Das deutsche RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" ist für den Preis der britischen Filmakademie (BAFTA) nominiert worden. Die Eichinger-Produktion, bei der Uli Edel Regie führte, geht in der
mehr...
Globalisierungskritik im Zigarrendunst: Dramatiker und Whiskeyfreund Heiner Müller wäre 80 Jahre
Heiner Müller wäre über die Weltfinanzkrise wohl nicht sonderlich überrascht. Im Dunst seiner geliebten Zigarren und mit einem Glas Whiskey in der Hand würde er darüber sinnieren, woher das Elend
mehr...
Beschwingter Neujahrs-Zauber: Das Alt-Wiener Strauss-Ensemble begeistert im Bayreuther Opernhaus
Beim traditionellen Neujahrskonzert im Bayreuther Opernhaus brachte das Alt-Wiener Strauss-Ensemble unter der Leitung von Ralph Kulling am Dreikönigstag seinen Zuhörern wieder einmal die bekannten
mehr...
Kartenlose Kammermusik-Leckerbissen: Die Schlosskonzerte Fockenfeld in Konnersreuth bieten heuer elf Veranstaltungen
Immer sonntags um 17 Uhr erwartet einmal im Monat der Rokokosaal von Schloss Fockenfeld die Musikfreunde zum Konzert. Seit der Renovierung der ehemaligen Sommerresidenz der Waldsassener Äbte finden
mehr...
Brand in Anna Amalia Bibliothek: Versicherung zahlt fünf Millionen Euro
Der Versicherungsstreit um Millionenzahlungen für verbrannte Bücher der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar ist beigelegt. Danach erhält die Klassik Stiftung fünf Millionen Euro von dem
mehr...