Volksmusik neu definiert: Die Formation Jägerblut hat für das Oberpfalztheater die Musik zu "Tannöd" eingespielt
Die ganze Band ist eine einzige Charade. Obwohl, nein, "Band" wollen sie nicht genannt werden. "Dann eher Kapelle", sagt Sängerin Genévieve Pasquier, die auf Fotos ein bisschen aussieht, als könnte sie auch in einer Bar im Paris der 20er Jahre auftreten. Pasquier, die ebenso wie ihre Mitmusiker ihren echten Namen nicht verraten will, ist Sängerin, Perkussionistin und Flötistin bei der Oberpfälzer Kapelle Jägerblut. Zusammen mit ihrem Partner Anton Knilpert (Gesang, Violine, Quetschn, Arrangement) sowie den Herren Tikki Nagual (Gitarre, Perkussion) und Giuseppe Tonal (Quetschn, Gesang) steuert sie die Musik zur neuesten Inszenierung des Oberpfalztheaters bei.
Konzerte in ganz Europa
Durch Michael Höllerers Bühnenadaption des Erfolgsromans "Tannöd" (ab 24. Oktober zu sehen im Edelmannshof im Bauernmuseum Perschen) werden die Klänge des Quartetts einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Manchmal schräge Klänge sind das, düster, geheimnisvoll. Mit Beimischungen aus der Elektronik-Ecke, kirchlich klingenden Gesängen und atmosphärischen Tonteppichen. Seit 2002 existiert die Kapelle in dieser Formation, schon 1997 allerdings arbeitete Knilpert in einem Duo unter dem selben Namen.
Volksmusik neu definiert: Die Formation Jägerblut hat für das Oberpfalztheater die Musik zu "Tannöd" eingespielt
"Wir möchten für uns die Volksmusik neu erfinden", sagt Pasquier, und Knilpert fügt hinzu: "Das schlimmste, was uns passieren könnte, wäre, dass jemandem schon beim ersten Hören unsere Musik bekannt vorkommt." Geschichten und Eindrücke aus der Heimat packen die vier Musiker in Klanggewänder, durch ihre experimentelle Herangehensweise vermeiden sie geschickt alle gängigen Klischees - so etwa bei Liedern wie "Resl von Konnersreuth" oder "Es wird scho glei dumpa".
Die Heimat ist Pasquier und Knilpert, die Konzerte in ganz Europa geben, immer Inspirationsquelle geblieben: "Sie gibt einem die Bodenhaftung", sagt die Sängerin, "und bei einem Spaziergang durch die Oberpfälzer Landschaft sammeln wir Impressionen, die zu Musik werden." Jägerblut spielen, so sagen die Künstler, vor einem "durchaus erwachsenen Publikum", viele sind Anhänger der Gothic- und Neofolk-Szene. Aber auch ein Fan von Jean-Michel Jarre sei bei ihnen gut aufgehoben.
Eigenes Label
Dabei bleibt die Musik trotz Plattenaufnahmen und Live-Konzerten mehr leidenschaftliches Hobby als Broterwerb - alle vier haben im "richtigen" Leben auch "richtige" Jobs. Auf ihrem eigenen Label namens "UMB - United Manipulation Bradcasting" veröffentlichen Pasquier & Co. nicht nur ihre eigenen Alben, sondern auch die Musik anderer Künstler.
Volksmusik neu definiert: Die Formation Jägerblut hat für das Oberpfalztheater die Musik zu "Tannöd" eingespielt
Und gesteuert wird das ganze aus einem unscheinbaren Häuschen am Rand von Krummennaab im Landkreis Tirschenreuth. "Das hat gewisse Vorteile", weiß Pasquier, "vor allem, wenn man ein frei stehendes Haus ohne direkte Nachbarn hat."
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