Theater Greve bringt William Shakespeares Klassiker "Julius Cäsar" mustergültig auf die Kleine Bühne in Weiden
Der Konflikt zwischen Macht und Moral ist so alt wie die Menschheit. Mit den Großreichen der Antike nahm er großes politisches Format an. Kaum eine Figur der alten Geschichte hat den Widerstreit zwischen Gewissen und Herrschaftsanspruch so verkörpert wie Gaius Julius Cäsar, der nach einem glänzenden Feldzug in Gallien und dem Ausschalten seiner Mitherrscher im ersten Triumvirat, Pompejus und Grassus, sich anschickt, nach der Alleinherrschaft zu greifen. Ein Stoff, der den Briten William Shakespeare faszinierte. Es ging ihm dabei nicht nur um die Verwandlung eines Herrschers in einen Tyrannen, es ging ihm um die Geschichte selbst.
Das Theater Greve, das Shakespeares Klassiker "Julius Cäsar" für die Kleine Bühne in Weiden am Freitagabend in der Max-Reger-Halle darbot, durfte darauf hoffen, dass die Vorgänge um jene berüchtigten Iden des März Allgemeingut sind. Manfred H. Greve hält sich dabei nicht nur an die bewährte Übersetzung von August Wilhelm Schlegel, sondern auch an die Bühnenpraxis des Dichters. In schlichter Kulisse ein klares Konzept, eine mustergültige Entwicklung der Handlung, die den Zuschauern das Miterleben und Mitdenken auf absolut hohem Niveau erleichterte.
Theater Greve bringt William Shakespeares Klassiker "Julius Cäsar" mustergültig auf die Kleine Bühne in Weiden
Es geht in dem Stück nicht so sehr um den Mord an sich, sondern um die Motive der Täter. Sie tun sich schwer, einen Mann zu liquidieren, der offensichtlich nicht nur ein begnadeter Feldherr, sondern auch ein Staatsmann von höchstem Format ist. Als Auslöser für die Tat selbst bleiben bei Cassius eine persönliche Abneigung. Casca ist kaum mehr als ein Mitläufer. Brutus hingegen, den Cassius erst mit viel Mühe überreden muss, greift zum Dolch, da er die Freiheit Roms bedroht sieht von einem Mann, der trotz aller Genialität, dem Machthunger erliegen könnte.
Weil den Attentätern jedes politische Konzept fehlt, kann der von ihnen unterschätzte Marcus Antonius in einer programmatischen Trauerrede das Volk gegen die Mörder aufwiegeln. Sie werden in der berühmten Schlacht bei Philippi untergehen. Und die Geschichte findet ihre Fortsetzung in der Prinzipalherrschaft des Oktavian, der als Kaiser Augustus die Alleinherrschaft mit göttlichem Anspruch manifestiert. Brutus scheitert also. Man wird sich an ihn nur als an einen Mörder erinnern, nicht an einen politischen Idealisten. Keine Frage, dass Shakespeares "Cäsar" ein exemplarisches Stück ist. Denn das Thema des Tyrannenmords aus moralischen Gründen wird auch die kommenden Geschlechter in Europa und anderswo immer wieder beschäftigen.
Theater Greve bringt William Shakespeares Klassiker "Julius Cäsar" mustergültig auf die Kleine Bühne in Weiden
Greve hat das sehr gut herausgebildet mit einem Team, das sich als Ganzes und in der einzelnen Rolle selbst übertrifft. Peter Rauch glänzt als Cäsar, Lorenz Schirren leidenschaftlich als Marcus Antonius, Jerzy Kosin als Oktavius. Reinhard von Hacht gibt einen faszinierenen Brutus, Rainer Delventhal steht ihm in der Rolle des Cassius nicht nach. Reinhard Horras mimt die Figur des Casca präzise und engagiert. Die einzige Frauenrolle ist Luna Metzroth zugedacht. Sie spielt die Carpurnia, Cäsars Gattin, die, wie die Geschichte weiß, die zahlreichen Affären ihres Mannes mit römischer Tugendhaftigkeit ertragen hat.
Die schlichte Bühne von Horst Strasser betont einerseits die monumentale Bedeutung des Ereignisses und des Konflikts, überlässt aber dem gesprochenen Wort die Hauptrolle. Die Zuschauer erlebten eine mustergültig homogene Vorstellung eines Klassikers, der bei aller Texttreue ganz und gar nicht verstaubt daherkam. Sie spendeten dem wunderbaren Ensemble, das jedem der Darsteller seinen Platz und seinen Spielraum bot, begeisterten Beifall.
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