Weiden. (mte) Eiskaltes Wasser weckt Hanns Deindl. Jeden Morgen. An seinem 90. Geburtstag am Freitag machte der Senior da keine Ausnahme. Genauso wenig wie er auf die täglichen Kniebeugen, Dehnübungen und das Springen direkt nach dem Aufstehen verzichten würde. "Eins weiß ich sicher: Nur wegen des Sports bin ich mit 90 noch so fit", sagt das einzige noch lebende Gründungsmitglied der 52 Jahre alten "Krawattlriege" des Turnerbundes.
Und tatsächlich: Quietschfidel spurtet Hanns Deindl, der eigentlich Johann Peter Deindl heißt, zwischen Drehstuhl, Heimtrainer, Aktenordnern und Sportauszeichnungen im Büro seines Hauses am Unteren Markt 32 hin und her: "Zum Arzt gehe ich kaum. Heuer war ich nach fünf Jahren mal wieder zum Durchchecken." Und? "Alles bestens."
Am 10. Oktober 1918 kam Johann Peter Deindl als Kind von Franziska Enslein, einer Weidenerin, und dem Soldaten Peter Deindl in München zur Welt. Wenige Wochen nach der Geburt holte der Großvater, ein Oberlokomotivführer aus Weiden, Hanns zu sich in die Max-Reger-Stadt. "Das war ein schönes Zuhause hier. Hier wollte ich bleiben."
38 Sportabzeichen
Gefallen am Sport fand Deindl erstmals mit 15 Jahren. Da versuchte er sich beim Fußball, um seinem großen Vorbild, Onkel Franz Enslein, nachzueifern. Doch ein Tritt gegen das Schienbein stoppte seine anfängliche Sporteuphorie. Erst die Olympiade in Berlin konnte diese ein Jahr später, 1936, wieder wecken.
Von (mte) |
11.10.2008
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Weiden
Kniebeugen vor dem Frühstück
Sport-Fan Hanns Deindl feiert 90. Geburtstag
1937 trat er dem Turnerbund bei, übte sich im Weitsprung, im Sprint und vor allem im Schwimmen. "Das konnte ich kaum. Ich hatte doch nie etwas mit Wasser zu tun." Am Ende klappte es trotzdem - aber haarscharf: Deindl blieb eine Sekunde unter der geforderten Schwimmzeit und hielt sein erstes Sportabzeichen in Händen. Heute zählt der 90-Jährige insgesamt 38. Und Schwimmen zu seinem Lieblingssport.
Neben der Leichtathletik ist Deindl, der Wiederbegründer des TB nach dem Zweiten Weltkrieg, fit im Tischtennis, Basket-, Prell und Faustball (Landesliga). Im Fechten holte sich der gelernte Kaufmann 1938 als blutiger Anfänger gar den Titel des Oberpfalzmeisters. Zudem leitete Deindl diverse Sportabteilungen, wirkte als Trainer und Prüfer beim Turnerbund. Und das leistete der Sportfreund alles neben seiner Tätigkeit im Einzelhandelsgeschäft am Unteren Markt, dem Großhandel mit Wein, Spirituosen und Konserven und seiner von ihm gegründeten Handels-Agentur. Seit dem 69. Lebensjahr genießt der Hobby-Schreiber, Kunst- und Wagner-Liebhaber den Ruhestand. Und zwar indem er jede freie Minute in die Pedale tritt, schwimmt oder marschiert. "Bei fast jedem Wetter." 1993 bremste Deindl allerdings eine leichte Knie-Arthrose, "zugezogen beim Fliesenlegen in der neu erbauten Garage". Apropos Verletzungen: Beim Sport habe sich der 90-Jährige selten ernsthaft verletzt: "So einen Sturz mit dem Radl nimmt man so nebenbei mit." Aber der Alltag habe es in sich. Deindl erinnert sich da an den schmerzhaften Ausrutscher in der Dusche oder vom steilen Treppengeländer des Dachstuhls herab.
Am Freitag empfing Hanns Deindl die engsten Sportfreunde aus der "Krawattlriege". Am Samstag feiert der Jubilar mit Frau Irene (84), den Familien der beiden Töchter, Brigitte Werl und Irene Lang, sowie mit den drei Enkelkindern Susanne, Martina und Johannes.
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