Brünner Philharmonie und Jan Adamus eröffnen die Förderkreis-Konzertsaison mit Dvoráks 9. Symphonie
Welch musikalischer Reichtum entsteht, wenn ein spätromantischer böhmischer Komponist für einige Jahre in die Vereinigten Staaten geht und dort anderen Musik-Einflüssen begegnet, kann man bei Antonin Dvoráks melodienreicher 9. Symphonie "Aus der Neuen Welt" auf das Schönste erleben. Das Werk, eines der beliebtesten Stücke der Orchesterliteratur überhaupt, ist am 12. Oktober (Max-Reger-Halle, 17 Uhr) zur Eröffnung der 48. Konzertsaison durch die Brünner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Petr Altrichter zu erleben.
Als Solist fungiert bei Franz Krommers Oboenkonzert der Prager Jan Adamus (Preisträger des "Prager Frühlings" und langjähriger musikalischer Partner von Josef Suk), der in der Region seit vielen Jahren durch die Fockenfelder Schlosskonzerte beliebt ist.
Herr Altrichter, Sie dirigieren bei uns Werke von drei Komponisten Ihres Landes: den großen Antonin Dvorák, und aus Brünn den bekannten Leos Janácek und den relativ unbekannten Franz Krommer. Wie würden Sie diese drei Meister vergleichen?
Brünner Philharmonie und Jan Adamus eröffnen die Förderkreis-Konzertsaison mit Dvoráks 9. Symphonie
Petr Altrichter: Jeder von ihnen repräsentiert ein anderes Jahrhundert: Krommer als "Wiener Klassiker" mit mährischem Akzent, Dvorák als Romantiker "mit dem Herzen an der rechten Stelle" und Janácek als moderner Mensch, der von den Freuden und Schmerzen der heutigen Zeit sehr viel weißt und spricht.
Dvoráks 9. Symphonie "Aus der Neuen Welt" ist einer der beliebtesten Werke der Orchesterliteratur. Ist es für Sie persönlich auch noch spannend es zu interpretieren?
Altrichter: Diese Musik ist inhaltlich und auch rein kompositorisch so reich und inspirierend, dass man bei fast jeder Interpretation etwas Neues und Überraschendes entdeckt. Und auch die Orchesterspieler kommen oft mit neuen Impulsen, zum Beispiel in der Phrasierung...
Herr Adamus, was bedeutet die Symphonie "Aus der Neuen Welt" für Sie persönlich?
Jan Adamus: Ich spiele sehr oft das Largo für Englisch Horn aus "Der Neuen Welt", begleitet von Orgel oder Klavier. Es handelt sich hier um eine der schönsten Melodien der Klassik. Dvorák hat eine Übersetzung von Longfellows Indianerepos "Das Lied von Hiawatha" gelesen und daraufhin den zweiten Satz für Englisch Horn komponiert: die Trauer des legendären Indianers Hiawatha um seine Geliebte Minnehaha.
Brünner Philharmonie und Jan Adamus eröffnen die Förderkreis-Konzertsaison mit Dvoráks 9. Symphonie
Das Konzert beinhaltet auch Leos Janaceks bei uns wenig bekanntesymphonische Dichtung "Des Spielmanns Kind". Ist dieses sozialkritische Werk zu einem Text von Svatopluk Czech auch in Tschechien eine Rarität?
Adamus: Janacek ist einfach ein Genie bei jedem Werk, sei es eine Oper oder eine symphonische Dichtung. Eine Rarität ist "Des Spielmanns Kind" bei uns in Tschechien auf keinen Fall!
Sie stehen im Rampenlicht beim Oboenkonzert F-Dur von Franz Krommer, der wie Janacek ein Brünner Meister ist. Wo liegen die Schönheiten und die Schwierigkeiten bei diesem Werk?
Adamus: Obwohl Krommer ein Vertreter der Klassik ist, gefällt sein zweiter Satz durch den schon sehr romantischen Stil. In seiner Klangschönheit ist das Konzert perfekt auf Oboe hin komponiert. Die Schwierigkeit liegt hier wie bei Mozart und Haydn darin, dass auch die einfachste Melodie dem Musiker vom Technischen her sehr viel abverlangt.
Die Oboe spielt ja auch bei Dvoráks 9. Symphonie eine sehr wichtige Rolle - übernehmen Sie vielleicht diesen Part auch im Orchester?
Adamus: Nein, es genügt mir, wenn ich das Oboen-Konzert von Krommer spiele. Solistische Arbeit ist wirklich eine ganz andere als im Orchester. Sie werden es mir nicht glauben, aber nach dem Krommer-Konzert werde ich drei Kilogramm leichter sein!
Karten für das Konzert gibt es beim NT-Ticketservice (Telefon 0961/85-550).
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