Von Paul Zrenner  |  08.10.2008  | Netzcode: 1562976
Waldsassen

Beglückender Ausblick auf himmlische Güter

Chor und Orchester des Bayerischen Rundfunks beeindrucken unter Leitung von Mariss Jansons in der Basilika Waldsassen

Chor und Orchester des BR brachten mit Mariss
Chor und Orchester des BR brachten mit Mariss Jansons musikalischen Glanz in die Basilika. Bild: Ingrid Popp
Nach dem fulminanten Abschluss der "Harmoniemesse" von Joseph Haydn noch eine Zugabe? Bei "normalen" Konzerten beinahe ausgeschlossen, doch die Erfordernisse moderner Technik machen's möglich: Eine halbe Stunde Konzertgenuss - quasi als Dreingabe zur Aufführung zuvor - bekommen die Zuhörer am Dienstag in der Stiftsbasilika beim Benefizkonzert, das Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) unter dem Dirigat von Mariss Jansons geben.

So genannte "Retakes" für DVD-Aufnahmen sind erforderlich, weshalb Teile des Programms nochmals eingespielt werden. So kommen die Besucher der Bitte von Stadtpfarrer Thomas Vogl gerne nach, wonach das Publikum auf den Plätzen bleiben soll. Es wird dabei auch Zeuge, wie bei solchen Produktionen "getrickst" wird. "Wenn sie später diese DVD kaufen, können Sie sagen, Sie waren dabei!", sagt der gut aufgelegte Maestro in Richtung der mehr als 500 Zuschauer.

Großartiges Geschenk



Doch alles der Reihe nach: Ein großes Kompliment an den Bayerischen Rundfunk. Er hat dem Kloster, der Pfarrei und der Stadt Waldsassen mit dem Benefizkonzert ein großartiges Geschenk zum 875. Jubiläumsjahr ermöglichte. Den Erlös des Abends teilen sich die Pfarrei und das Zisterzienserinnen-Abtei zur Finanzierung der Sanierungsprojekte. Das Gastspiel "eines der besten Orchester der Welt", wie Äbtissin Laetitia Fech sagte, in Waldsassen vermittelte die frühere Staatsministerin Monika Hohlmeier. Die Vorsitzende des "Vereins der Freunde des Klosters Waldsassen" sitzt in der Bank ganz vorne, neben ihr Sohn Markus. Ebenfalls im Publikum: Irina Jansons, die Gattin des Weltstars am Dirigentenpult.

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Bilder: Ingrid Popp

Eine Hommage an den österreichischen Komponisten Joseph Haydn ist das Benefizkonzert in der Basilika. Sie ist an diesem Abend mehr als eine prachtvolle Kulisse, so Stadtpfarrer Thoma Vogl in der Begrüßung: Denn Haydn habe - so wird überliefert - den Rosenkranz gebetet, wenn es mit dem Komponieren nicht klappen wollte. Die Bilder der Rosenkranz-Geheimnisse sollen zusammen mit der Musik eine "heitere, ausgesöhnte Andacht und ein beglückendes Bewusstwerden der himmlischen Güter" ermöglichen, zitierte Vogl aus der Ankündigung des Musikverlags bei der Publikation im Jahre 1802.

Und tatsächlich: Die Musik und das üppig ausgestaltete Gewölbe wie die gewaltige Kuppel, die durch die perfekte Ausleuchtung der Basilika für die Fernsehkameras noch unterstrichen werden, mögen bei manchem Besucher den Eindruck aufkommen lassen: So schön könnte es im Himmel sein. Unbeschwert und heiter beginnt das Konzert - mit der Sinfonia in D-Dur (Hob. Ia:7). Sie ist um 1779 als Ouvertüre für eine nicht näher bezeichnete Oper geschrieben worden. Im Publikum gibt es Irritationen ob des Beifalls: Der erste Satz im Presto ist der einzige, doch kaum jemand klatscht. So schließt sich die Symphonie in G-Dur (Hob. 1:88) fast nahtlos an. Das aus vier Sätzen bestehende Werk zählt zu den bekanntesten von Haydn und gibt dem Orchester erstmals Gelegenheit, seine gesamte Bandbreite zu entfalten.

Dabei durchlebt Mariss Jansons die Symphonie, dirigiert bei leisen Passagen mit dezenten Zeichen, um wenig später beim Fortissimo das Orchesters mit ganzem Körpereinsatz zu Höchstleistungen herauszufordern. Nach dem Finale der Symphonie mit Pauken, Streichern und Bläsern und einer Umbaupause der Höhepunkt des Abends: Die Messe für Soli, Chor und Orchester in B-Dur - bekannt als "Harmoniemesse" - Haydns letzte vollendete Komposition. Ihren Titel verdankt die von allen kirchlichen Werken Haydns am reichsten instrumentierte Messe ihrer großen Bläserbesetzung. Die lässt das BR-Orchester in dem einzigartigen Kirchenraum mit Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern, Trompeten sowie den Streichern und der Orgel voll zur Geltung kommen.

Fulminantes Finale



Eine großartige Leistung liefern an diesem Abend der Chor (Einstudierung: Peter Dijkstra) sowie die Solisten: Malin Hartelius (Sopran), Judith Schmid (Mezzosopran), Tenor Christian Elsner (Tenor) und Franz-Josef Selig (Bass) harmonieren als Duett der Männer- und Frauenstimmen etwa im "Benediktus" besonders glanzvoll. Power bis zum Schluss liefert der Chor, der kraftvoll und nuanciert dem Dirigat des Maestros folgt. Im Credo treten zwei weitere Solisten aus dem Chor heraus - Sopranistin Monika Stockmeier und Tenor Bernhard Schneider.

Nach dem fulminanten Finale mit dem "Dona nobis pacem" folgt ein minutenlanger Schlussapplaus. Das Publikum ist ebenso begeistert wie die Hauptakteure auf der Bühne: "Es war für uns eine große Freude, in diesem herrlichen Raum zu musizieren", sagt Mariss Jansons. Ein Sendetermin für den Mitschnitt ist noch nicht bekannt.


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