Kritik beim Ärztlichen Kreisverband: Mediziner wünschen sich mehr Zeit für Patienten, doch Belastungen nehmen weiter zu
Weiden. (ir) Die ausufernde Bürokratie in Praxis und Klinik kostet den Ärzten sehr viel Zeit. Sie könnte sinnvoller, näher am Patienten, eingesetzt werden. Vorschriften und deren ständige Veränderungen sind häufig nicht nachvollziehbar und sollen von den Ärzten finanziert werden.
Diese Kritik wurde im Hotel "Zur Heimat" bei der Jahreshauptversammlung des Ärztlichen Kreisverbandes Weiden laut. Vorsitzender Dr. Wolfgang Rechl räumte ein, dass "der Dirigismus von oben" eine große Belastung sei.
Die Mitgliederzahl des Ärztlichen Kreisverbands Weiden ist 2008 um fünf - auf jetzt 843 - angestiegen. Die niedergelassenen Ärzte sind mit 311 gegenüber 276 Klinikärzten dabei noch in der Mehrzahl, teilte Dr. Rechl mit. Der Zuwachs entspreche den Anforderungen, da die Bedürfnisse ständig zunähmen. Mit durchschnittlich 70 Besuchern seien die 24 Fortbildungsveranstaltungen im bayernweiten Vergleich sehr gut frequentiert gewesen. Wenig Probleme habe es mit dem Berufsrecht gegeben, da es jetzt in die Zuständigkeit des Bezirksverbands falle. Auch unterschiedliche Auffassungen bei Privatliquidationen würden im Kammerbereich erledigt.
Spürbarer Ärztemangel
Patientenbeschwerden hätten oftmals auf Missverständnissen beruht, die aufzuklären gewesen seien. Im Fallbereich erwartet der Vorsitzende dagegen in Zukunft größere Probleme. Auch in der ab 1. Oktober geltenden Laborreform sah der Vorsitzende eine zusätzliche Belastung für die Praxen. Da sich fast alle Berufstätigen im Umfeld der Ärzte akademisierten, werde die Frage der Übertragung von Aufgaben an Bedeutung gewinnen.
Von (ir) |
06.10.2008
| Netzcode: 1559403
Weiden
Schmerzhafte Bürokratie in der Praxis
Kritik beim Ärztlichen Kreisverband: Mediziner wünschen sich mehr Zeit für Patienten, doch Belastungen nehmen weiter zu
Für bedenklich hielt Dr. Rechl den deutlich spürbaren Ärztemangel. Obwohl es genug Studienanfänger gebe, kämen sie letzten Endes nicht beim Patienten an. Die Abwanderung sei groß, vor allen Dingen in Länder, die sich die Ausbildung ersparten. Mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen betrieben sie die Abwerbung. Da unter den deutschen Studienanfängern der Frauenanteil 65 Prozent betrage, vermutete der Vorsitzende auch darin "einen Rückgang der durchgängig arbeitenden Zahl von Medizinern".
Verbesserte Strukturen
Als Bindeglied zwischen Klinik und niedergelassenen Kollegen sah sich Chefarzt Dr. Michael Angerer. Der zweite Vorsitzende betonte in seinem Bericht die verbesserten Strukturen durch die Baumaßnahmen am Klinikum Weiden. Die Auslagerung von kompletten Fachgebieten und Patientengruppen beurteilte er als "keine echte Problemlösung".
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sei dann nicht gewährleistet. Außerdem würden diese Maßnahmen von den Patienten nur bedingt angenommen. Den Universitätskliniken werde der Vorzug gegeben.
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06.10.2008
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Weiden
Schmerzhafte Bürokratie in der Praxis
Kritik beim Ärztlichen Kreisverband: Mediziner wünschen sich mehr Zeit für Patienten, doch Belastungen nehmen weiter zu
Eine deutliche Verbesserung sah Dr. Angerer in der neuen Aufnahmestation, die jetzt in der Zentralen Patientenaufnahme am Klinikum Weiden in Betrieb geht. Die Diagnose und fachärztliche Beurteilung sowie der steuernde Effekt, auch für Kurzzeitpatienten, könnten im Aufnahmebereich sofort anlaufen, bestätigte der zuständige Chefarzt Dr. Bernd Dineiger.
Ein Totengedenken galt bei der Jahreshauptversammlung den fünf verstorbenen Mitgliedern Drs. Joachim Nebe, Johannes Eckert, Peter Leins, Gerda Thomas und Ulrich Wanger.
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