Vier Jahre nach Tsunami: Viele Helfer sind längst weg, Weidener Klinikum hilft weiter
Weiden/Tangalle. (ca) Nein, von einer Eintagsfliege kann schon lange keine Rede mehr sein. Tragisch waren die Umstände, die dazu führten, dass das Klinikum Weiden ein Krankenhaus auf Sri Lanka zum Laufen brachte. Eva Hausel, Tochter des Weidener Chirurgen Dr. Manfred Hausel, entkam der Tsunami-Welle nur knapp, ihr Partner verlor sein Leben.
Wie glücklich dagegen die Umstände, die jetzt zur Rückkehr von Intensivkrankenschwester Lisa Kopf führen. Insgesamt drei Jahre hat die Mutter zweier erwachsener Kinder auf Sri Lanka verbracht. Abwechselnd mit Kollegen leistete sie für die Spendenaktion "Let's give a hand" wichtige Aufbauarbeit. Im Oktober kehrt sie zurück. Der Betrieb in Tangalle läuft gut. Und Lisa Kopf hat privates Glück im Gepäck: Sie hat geheiratet und bringt ihren singhalesischen Ehemann mit in die Oberpfalz. Eine Wohnung wird das Paar in Altenstadt/WN beziehen.
Sie haben jetzt so viele Monate in Sri Lanka verbracht. Was werden Sie am meisten vermissen?
Lisa Kopf: Ich war seit August 2005 alles in allem drei Jahre in Tangalle. Da ist Sri Lanka natürlich zu einer zweiten Heimat für mich geworden. Ich werde meine Familie, meine Freunde und auch das Krankenhaus sicher vermissen.
Also fällt die Rückkehr in die Oberpfalz schwer?
Lisa Kopf: Sri Lanka ist trotzdem nur meine zweite Heimat. Ich freue mich wahnsinnig auf Deutschland, auf das geregelte Leben, auf meine Arbeit und auf alle, die mir nahe stehen. Die Rückkehr fällt mir nicht sehr schwer. Ich werde ja immer wieder zurück nach Sri Lanka kommen.
Von (ca) |
27.08.2008
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Weiden/Tangalle
Sri Lanka nicht im Stich gelassen
Vier Jahre nach Tsunami: Viele Helfer sind längst weg, Weidener Klinikum hilft weiter
Wenn Sie zurückblicken: Was konnte das Klinikumsprojekt bewirken?
Lisa Kopf: Das Klinikumsprojekt konnte sehr viel bewirken und ist ja auch nicht beendet, nur weil ich Sri Lanka verlasse. Wir haben ein Projekt auf zehn Jahre - und die sind lange noch nicht um.
Viele andere Hilfsorganisationen nach dem Tsunami haben sich längst wieder "verdrückt", oder?
Lisa Kopf: Viele Organisationen haben hier in Sri Lanka nach dem Tsunami geholfen. Nur ganz wenige sind noch hier. Die meisten haben das Land bereits vor einem Jahr verlassen. Krankenhäuser wurden renoviert, nicht nur in Tangalle. Geräte wurden angeschafft, die keiner bedienen kann und die jetzt schon verrotten.
Wie lösen die Weidener dieses Problem?
Lisa Kopf: In Tangalle gibt es so etwas nicht. Wir haben Personal geschult, an Maschinen trainiert, Hygiene eingeführt, Standards erarbeitet. Wir haben in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und Politikern fähige Ärzte nach Tangalle geholt und vor allem versucht, den Leuten klar zu machen, dass der Patient an erster Stelle steht. Außerdem helfen wir weiterhin auch finanziell, wenn Not am Mann ist und dringend benötigte medizinische Artikel angeschafft werden müssen.
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27.08.2008
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Vier Jahre nach Tsunami: Viele Helfer sind längst weg, Weidener Klinikum hilft weiter
Wie würden Sie die Situation in Sri Lanka vier Jahre nach der Katastrophe beschreiben?
Lisa Kopf: Sri Lanka ist ein vom Bürgerkrieg gebeuteltes Land. Die Lebenshaltungskosten sind die letzten beiden Jahre um über 50 Prozent gestiegen. Die Leute beginnen zu hungern und mangelernährt zu sein. Sie können sich und ihre Familien kaum mehr ernähren und sind daher auf die Regierungskrankenhäuser angewiesen, deren Ruf nicht der Beste ist. Mit Ausnahme Tangalle. Wir haben einen Zulauf an Patienten, der gigantisch ist. Monatlich über 300 (!) Geburten, um nur ein Beispiel zu nennen. Leute kommen aus dem ganzen Umkreis, sogar aus dem entfernten Hambantota, obwohl die ein größeres Krankenhaus haben. Aber unser Ruf ist einfach besser. Und die Patienten wissen auch, dass noch "Weiße" hier sind, also wir, und das stärkt das Vertrauen.
Wie sieht die Zukunft des Krankenhauses in Tangalle aus?
Lisa Kopf: Die Zukunft des Krankenhauses sieht gut aus, wenn der Krieg nicht vieles kaputtmacht. Momentan werden Ärzte abgezogen, weil sie in den Kriegsgebieten eingesetzt werden. Dagegen versuche ich anzukämpfen, soweit ich kann und bin in ständigem Kontakt mit den zuständigen Stellen.
Von (ca) |
27.08.2008
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Wer übernimmt für Sie auf Sri Lanka?
Lisa Kopf: Ein Einheimischer wird hier weiter für das Klinikum vor Ort sein und die Standards, die wir erarbeitet haben, aufrecht erhalten und Berichte ans Klinikum liefern. Außerdem ist geplant, dass alle halbes Jahr jemand von uns runterfliegt und nach dem Rechten sieht. Es wird vonnöten sein, dieses Krankenhaus weiterhin zu unterstützen, damit es sich entwickelt und für die Bevölkerung von größtmöglichem Nutzen ist.
Ihr Zukunftswunsch?
Lisa Kopf: Man darf nicht vergessen, dass Sri Lanka ein Drittweltland ist und die meisten Leute im Süden etwa 50 Jahre unserer Zeit hinterherhinken. Es dauert, bis sie selbstständig auf eigenen Beinen stehen. Dafür zu sorgen, ist ein Ziel unseres Projektes - und darin waren wir bisher sehr erfolgreich.
Weitere Infos: www.tsunamihilfe-weiden.org Spenden an Klinikum Weiden Konto 9560582, BLZ 75350000, Sparkasse Nordoberpfalz
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