Nein, das städtische Rom kann die oberfränkische Felsenbühne im Fichtelgebirge wirklich nicht darstellen. Aber das ist auch nicht nötig bei Giacomo Puccinis Oper "Tosca" - dem zeitlosen Drama um Liebe, Sex, Politik, Macht und Intrige mit den allerschönsten Arien "Vissi d'arte" und "E lucevan le stelle".
Das Gastspiel der Landesbühnen Sachsen fesselte die 1800 Premierenbesucher am Samstag über 135 Minuten mit einer behutsam abgewandelten Inszenierung von Horst O. Kupich, die das Geschehen nicht auf die historischen Tage des 17. und 18. Juni 1800 festnagelt, sondern zwischen dem Gestern und Heute balancieren lässt. Das Bühnenbild lässt die Naturbühne (mit blutrot angestrahltem Hauptfelsen) prächtig gelten und ist neben drei zeitweise leuchtenden Bilder- und Türrahmen nur mit dem allernötigsten Mobiliar und einer völlig hilflosen weißen Madonna bestückt.
Schmachtende Flöten
Unter italienischer Stabführung von Generalmusikdirektor Michele Carulli entwickelt das mittelgroße Orchester fein differenzierend galante Italianitá durch süße Geigen, sehnsüchtig schmachtende Flöten, romantisches Glockenspiel und gefährlich tiefes Blech, so dass die deutsche Fassung (Günther Rennert) fast nicht mehr stört.
Doch das Schicksal dieser Oper liegt in der Paraderolle für das Fach "dramatischer Sopran": Hier glänzt mit Stolz, Temperament und detailliertem Schauspiel Lucja Zarzycka als Floria Tosca. Stimmlich überragend, geschmeidig in allen Registern, und mit einem so vitalen Volumen, das die Felsenbühne akustisch auszufüllen vermag (!), gibt Lucja Zarzycka eine hinreißende Darbietung, der ihre Partner standhalten müssen. Bei ihrer Soloarie "Nur der Schönheit weiht ich mein Leben" erfüllt sie alle Sehnsüchte des Publikums und erhält lebhaften Sonderapplaus.
Toscas Geliebten, den Maler Cavaradossi, verkörpert Tenor Niclas Oettermann mit Dürer-Haarmähne, stimmlich passabel und bemüht, doch die lockere Leichtigkeit seiner Partnerin bleibt ihm auch in seiner Solo-Sternstunde fremd. Der Hauptdarstellerin eher ebenbürtig ist der gefürchtete Polizeichef Baron Scarpia. Die rechte Portion Zynismus und Boshaftigkeit und Nüchternheit der Stimme besitzt Bassbariton Grigor Shagoyan, der mit der teuflischen Attitüde eines Mafia-Paten in seinem gediegenen Chippendale-Chefessel tödliche Ränke schmiedet.
Sein durchsichtiges Hemd offenbart eine bemerkenswert üppige Tätowierung am rechten Oberarm und unterstreicht Scarpias wahren Charakter unter dem strengen Uniformmantel.
Tosca erschießt sich
Beeindruckend waren die Menge und Güte der tadellos agierenden Chorsänger (Opern- und Kinderchor der Landesbühnen sowie Mitglieder des Freien Deutsche Opernchors Coruso), die etwa in schwarzweißer Klosterschultracht mit flammenden Kerzen in den Händen den stimmungsvollen Höhepunkt, den Triumphgesang des Scarpia, mitgestalten. Am Ende kann sich Tosca unterhalb der hohen Felswand nicht "von der Engelsburg" herabstürzen. Sie erschießt sich.
Heute Abend (20 Uhr) ein letztes Mal mit Lucja Zarzycka. Karten unter Telefon 09232/602162 und an der Abendkasse.
Professor Siegfried Jerusalem stellt seine besten Studenten im Kammermusikkreis der VHS vot
Siegfried Jerusalem, einer der besten Wagner-Tenöre der letzten Jahrzehnte ist heute Präsident der Nürnberger Hochschule für Musik. Am Mittwochabend gastierte er bei der sehr gut besuchten
mehr...
Neue Pinakothek zeigt in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum Amsterdam eine Ausstellung zur Haager Schule - Leihgaben aus Holland
Vor gut Hundert Jahren schrieb Max Liebermann: "Als die Holländer 1899 zum ersten Mal im Münchner Glaspalast auftraten, erregten sie ungeheures Aufsehen wegen ihrer frappierenden malerischen Kultur."
mehr...
Die chinesische Pianistin Yuja Wang und Belgiens Nationalorchester zu Gast im Regensburger Audimax
"Ich strenge mein Gehirn an, Klavier-Passagen auszudenken." Da hat er sich ins mächtig ins Zeug gelegt, der Herr Peter Iljitsch Tschaikowsky. Sein Klavierkonzert Nr. 1 gehört zu den großen Reißern im
mehr...
Künstler Christian Sedell präsentiert sein Buch "Sprechen mit Steinen" im Geo-Zentrum an der KTB - Ausstellung bis Januar zu sehen
Arm ist die Nordoberpfalz schon immer gewesen, aber auch schon immer steinreich. Mit den Megalithen, den zahlreichen Steinmonumenten der Region, hat sich der Bildhauer, Grafiker, Autor und Fotograph Christian Sedell über fünf Jahre intensiv beschäftigt und einen besonderen Blick für steinerne Tier- und Fabelwesen entwickelt.
mehr...
Professor Siegfried Jerusalem stellt seine besten Studenten im Kammermusikkreis der VHS vot
Siegfried Jerusalem, einer der besten Wagner-Tenöre der letzten Jahrzehnte ist heute Präsident der Nürnberger Hochschule für Musik. Am Mittwochabend gastierte er bei der sehr gut besuchten
mehr...
Neue Pinakothek zeigt in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum Amsterdam eine Ausstellung zur Haager Schule - Leihgaben aus Holland
Vor gut Hundert Jahren schrieb Max Liebermann: "Als die Holländer 1899 zum ersten Mal im Münchner Glaspalast auftraten, erregten sie ungeheures Aufsehen wegen ihrer frappierenden malerischen Kultur." Die Rede ist von den Malern der sogenannten "Haager Schule", deren Namen der Kunstkritiker Jakob van Santen Kolff 1875 erfunden hat. Die zu dieser Gruppierung gehörenden Künstler, die vor allem von Camille Corot und der Schule von Barbizon beeinflusst waren, verstanden sich als Gegengewicht zu den pittoresken Landschaftsmalern der Spätromantik.
mehr...
Die Pinakothek der Moderne zeigt außerdem zum ersten Mal gut 120 Werke der Gegenwartskunst aus der 2006 erworbenen Kölner Sammlung Stoffel. "Passioniert provokativ" nennt sich die Schau bis zum 1. März 2009 mit Gemälden und Installationen von Künstlern wie Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Rosemarie Trockel oder Mike Kelley.
mehr...
Absonderlichste Stimme unter Bayerns Künstlern: Autor und Regisseur Herbert Achternbusch wird 70
Achternbusch? Schon der Name klingt seltsam, und so sind auch seine Bücher und seine Filme: seltsam. Zwar setzt sich Herbert Achternbusch so intensiv wie kaum ein anderer mit den Bayern auseinander,
mehr...
BR-Chefdirigent kritisch: Spitzenorchester hat keinen eigenen Konzertsaal
(dpa/üd) Einen eigenen Münchner Konzertsaal für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hat Chefdirigent Mariss Jansons anlässlich der Wahl des Orchesters unter die zehn besten Klangkörper
mehr...